Frankfurt, 22. Mai (Reuters) - Trotz der schwierigen Friedensverhandlungen zwischen den USA und Iran halten die Dax-Anleger an der Hoffnung auf einen baldigen Durchbruch in den Gesprächen fest. Der deutsche Leitindex gewann am Freitag in der Spitze 0,9 Prozent auf 24.822 Zähler, auf Wochensicht liegt das Plus bei 3,5 Prozent. Der EuroStoxx50 rückte um 0,6 Prozent vor. "Anleger setzen erneut auf Signale einer Entspannung", sagte Timo Emden, Marktanalyst von Emden Research. Das ständige Wechselspiel aus Hoffnungen und Rückschlägen zehre allerdings zunehmend am Nervenkostüm der Investoren.

US-Außenminister Marco Rubio erklärte zuletzt, dass es bei den Gesprächen "einige gute Zeichen" gegeben habe. Er wolle jedoch nicht zu optimistisch sein und die Entwicklung der nächsten Tage abwarten. Einem hochrangigen iranischen Insider zufolge haben sich die Positionen beider Seiten zwar angenähert. Die Urananreicherung im Iran sowie die Kontrolle über die Straße von Hormus zählten jedoch weiterhin zu den größten Streitpunkten.

Am Ölmarkt überwog die Skepsis: Das Nordseeöl Brent und das US-Öl WTI verteuerten sich in der Spitze um mehr als drei Prozent auf 106,36 beziehungsweise 99,43 Dollar je Fass. Die globalen Ölreserven gingen in einem alarmierenden Tempo zurück, da die Ölflüsse durch die Straße von Hormus praktisch zum Erliegen gekommen seien, sagte Tamas Varga, Analyst bei PVM Oil Associates. Die Meerenge ist seit Ausbruch des Kriegs am 28. Februar für den Großteil der Schifffahrt faktisch gesperrt. "Mit jedem weiteren Tag, an dem die Straße von Hormus geschlossen bleibt, steigen die Konjunkturrisiken", warnte Jörg Krämer, Chefvolkswirt bei der Commerzbank. Er geht davon aus, dass die deutsche Wirtschaft im zweiten Quartal schrumpfen wird, nachdem sie im ersten noch zugelegt hat.

STIMMUNG IN CHEFETAGEN HELLT SICH ÜBERRASCHEND AUF

Auch die überraschende Stimmungsaufhellung in den Chefetagen der deutschen Unternehmen ist aus Experten-Sicht kein Anzeichen für eine Trendwende. Der Ifo-Geschäftsklimaindex stieg im Mai auf 84,9 Punkte nach revidierten 84,5 Zählern im April. "Wenn schlechte Nachrichten lange genug anhalten, gewöhnt man sich auch an sie. Dies scheint sich in der aktuellen ifo-Umfrage widerzuspiegeln", sagte Andreas Scheuerle von der DekaBank. Die Lage im Nahen Osten bleibe unverändert kritisch.

Am Devisenmarkt blieb der Euro angeschlagen. Die Gemeinschaftswährung verlor 0,2 Prozent auf 1,1597 Dollar. Der Dollar-Index lag mit 99,30 Punkten 0,1 Prozent höher.

Auf der Unternehmensseite setzten die Chipwerte, die von der aktuellen KI-Euphorie profitieren, ihre Rally fort. Im Dax war Infineon mit einem Plus von 4,5 Prozent Spitzenreiter, im MDax legte Aixtron gut drei Prozent zu. Der europäische Branchenindex rückte um zwei Prozent vor, auf Wochensicht hat er fast fünf Prozent gewonnen.

PUMA UND ADIDAS NACH DECKERS-ZAHLEN GEFRAGT

Gefragt waren zudem die Aktien der Sportartikelhersteller Adidas und Puma, die von den Zahlen und der optimistischen Prognose des US-Konkurrenten Deckers Outdoor profitierten. Die Titel legten um 2,4 beziehungsweise 4,7 Prozent zu.

Für Aufregung an der spanischen Börse sorgten die geplatzten Fusionsgespräche zwischen Puig und Estée Lauder. Ein Zusammenschluss hätte einen 40 Milliarden Dollar schweren Luxuskosmetik-Riesen geschaffen, der dem Branchenprimus L'Oreal stärkere Konkurrenz gemacht hätte. Die Papiere des spanischen Kosmetikkonzerns fielen um 15 Prozent, die Aktien von Estée Lauder legten im vorbörslichen US-Handel dagegen um rund zehn Prozent zu. Börsianer begrüßten, dass Estée Lauder sich nun wieder verstärkt auf seine Sanierungsbemühungen fokussieren könne.

(Bericht von: Daniela PegnaRedigiert von Scot W. StevensonBei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)