Europäische Aktien haben nach einer brutalen Sitzung gestern ihre gesamten Gewinne des Jahres 2026 eingebüßt. Der Stoxx Europe 600 verlor 2,4 % und liegt damit seit dem 1. Januar mit 1,4 % im Minus. In einem Meer roter Vorzeichen war der Ölsektor der einzige Bereich mit Kursgewinnen: Der Teilindex für fossile Energien stieg um 3 %, angeführt von TotalEnergies (+4,2 %), BP Plc (+4,9 %) und Equinor (+11 %, dank der starken Gasexponierung des Konzerns). Nahezu alles andere gab nach: Mehr als 90 % der 600 Indexmitglieder schlossen im Minus.

In den Vereinigten Staaten, wo die Indizes bereits vor der vorangegangenen Sitzung im Jahr 2026 im negativen Bereich lagen, fielen die Verluste deutlich begrenzter aus. Der S&P 500 beendete den Handel unweit seiner Tageshöchststände, schloss aber dennoch leicht im Minus (-0,27 %). Die Wall Street arbeitete sich nach verbalen Interventionen aus Washington und Tel Aviv zurück. Donald Trump erklärte, Israel werde das Gasfeld South Pars nicht noch einmal angreifen, nachdem das frühere Bombardement den Ölpreis vor 48 Stunden in die Höhe getrieben hatte. Benjamin Netanjahu wiederum sagte, der Krieg mit dem Iran werde „viel schneller enden, als die Menschen denken“.

Damit bleibt Öl derzeit der entscheidende Markttreiber. Kaum ein anderer Vermögenswert hat so schnelle und so leicht nachvollziehbare Folgen für sämtliche Bereiche der Wirtschaft – von multinationalen Konzernen bis zum Durchschnittshaushalt. Die Vereinigten Staaten wissen das und setzen nun alle Hebel in Bewegung, um den Preisschub zu stoppen, nachdem die Ereignisse ihrer Kontrolle entglitten sind. Nach der Lockerung des Embargos auf russisches Öl und Gas könnte Washington nun dasselbe bei iranischem Öl tun. Finanzminister Scott Bessent erklärte gestern, eine Aufhebung der Sanktionen sei denkbar, um das Angebot auszuweiten. Das mag auf den ersten Blick befremdlich wirken, ist aber Realpolitik: Die Vereinigten Staaten betrachten die Eindämmung der Ölkrise als Priorität, um eine Wirtschaftskrise abzuwenden.

Bleiben wir beim Chaos am Ölmarkt: Die Anleger konnten gestern eine spektakuläre Ausweitung des Spreads zwischen WTI und Brent beobachten. Zwischenzeitlich näherte sich die Differenz im Handelsverlauf 20 USD, ehe sie sich aktuell wieder auf 13 USD verringerte (93,30 USD für WTI gegenüber 106,60 USD für Brent). Mein auf Rohstoffe spezialisierter Kollege erklärte gestern, dass Brent stark vom Nahen Osten und vom weltweiten Seehandel abhängig ist. Deshalb trägt diese Sorte die volle Last der aktuellen Krise. WTI hingegen bildet den US-Inlandsmarkt ab. Die amerikanische Produktion bleibt stabil und ist vor den logistischen Engpässen geschützt, die die Straße von Hormus beeinträchtigen. WTI reagiert daher weniger empfindlich auf internationale geopolitische Friktionen. Im Fall eines unkontrollierten Ölpreisschubs ist das ein wichtiger Puffer für die Vereinigten Staaten, auch wenn das Land bei bestimmten raffinierten Erdölprodukten weiterhin auf externe Versorgung angewiesen bleibt. Ein Exportverbot für Öl und Gas steht für das Weiße Haus nach einer offiziellen Erklärung vom Vortag jedoch derzeit nicht zur Debatte.

Die Zentralbanken, die sich gestern äußerten – insbesondere die EZB und die Bank of England –, brachten allesamt ihre Sorge über das erreichte Ölpreisniveau zum Ausdruck. Die Volkswirtschaften des alten Kontinents sind den aktuellen Turbulenzen stärker ausgesetzt als die Vereinigten Staaten. Fast möchte man das berühmte Bonmot von John Connally, dem Finanzminister unter Nixon, abwandeln, der besorgten europäischen Vertretern angesichts der Dollarschwankungen entgegnete: „Der Dollar ist unsere Währung, aber euer Problem.“ Daraus könnte fast werden: „Wir haben diesen Krieg im Iran begonnen, aber die Energiepreise sind euer Problem.“ Das ist etwas zugespitzt formuliert: Die Vereinigten Staaten haben aus der aktuellen Lage wenig zu gewinnen, aber vermutlich weniger zu verlieren als wir. Darin liegt auch die jüngste Underperformance der europäischen Märkte begründet.

Das Ende der Woche fällt auf makroökonomischer Ebene vergleichsweise ruhig aus, nachdem zuvor eine Flut an Zentralbankentscheidungen über die Märkte hereingebrochen war. Auf Unternehmensseite legte FedEx gestern Abend Zahlen vor, die gut aufgenommen wurden. Der Markt rätselt derweil weiter über den Zustand des Private-Credit-Sektors, nachdem Wall-Street-Banken ihren Kunden Strukturen anbieten, mit denen auf Schwierigkeiten in diesem Segment gesetzt werden kann. Auf der anderen Seite entschuldigte sich die Bank of America dafür, gegen den europäischen Private-Credit-Markt gewettet zu haben. „Wir entschuldigen uns bei den Unternehmen, die unzutreffend genannt wurden“, schrieb die Bank, nachdem sie wegen ihrer fehlerhaften Analyse scharf kritisiert worden war; in dem Papier waren Firmen teils eher aus dem Bauch heraus ins Visier genommen worden, obwohl sie tatsächlich nur sehr begrenzte Berührungspunkte mit dem Sektor hatten. Gleichwohl steht das Segment unter Druck und bleibt ein zentrales Thema im Nachrichtenfluss.

Ein anderer Teil des Finanzsektors gerät ebenfalls stärker in den Fokus, nämlich die sogenannten „SRT“, kurz für „significant risk transfer“. Dabei handelt es sich um einen Mechanismus, mit dem eine Bank einen Teil des Risikos ihrer vergebenen Kredite auslagern kann, ohne diese Kredite tatsächlich zu verkaufen. Die Bank hält die Kreditrisiken weiterhin in der Bilanz, überträgt aber einen Teil des Ausfallrisikos auf Investoren und verbessert damit ihre Bilanzkennziffern. Die EZB sieht das nicht besonders gern, weil dadurch unklar wird, wer das Risiko letztlich tatsächlich trägt, und untersucht den Vorgang daher genauer. Das erinnert in gewisser Weise an Konstruktionen, die vor 20 Jahren en vogue waren. Die Aktie der Société Générale bekam die indirekten Folgen gestern zu spüren und verlor 5,7 %. Bloomberg berichtete, die Bank erwäge den Einsatz solcher Strukturen, um das Risiko aus ihrem Engagement bei der Finanzierung von Rechenzentren zu reduzieren. Ich spreche von indirekten Folgen, weil derselbe Artikel hervorhob, dass Société Générale „zu den wichtigsten Kreditgebern im Markt für Rechenzentrumskredite im Umfeld von Hyperscalern“ gehört. Das sorgte für zusätzliche Vorsicht, denn die Finanzierung des Booms bei Rechenzentren gilt an den Märkten derzeit als Risikozone.

Im asiatisch-pazifischen Raum bleiben heute mehrere Märkte wegen eines Feiertags geschlossen, darunter Japan. Die geöffneten Börsen entwickeln sich uneinheitlich. Indien gewinnt mehr als 1 %, Südkorea legt um 0,3 % zu, während Hongkong und Australien 1 % beziehungsweise 0,8 % nachgeben und Taiwan 0,4 % verliert. Europa wird leicht im Plus erwartet, allerdings bei der für die aktuelle Phase typischen hohen Volatilität. Der 20. März fällt zudem mit dem monatlichen und quartalsweisen Verfallstag zusammen, der jeweils auf den dritten Freitag eines Quartals fällt. Das kann zusätzliche Schwankungen auslösen, weil Derivatestrategien neu aufgebaut werden müssen.

Wirtschaftliche Höhepunkte:

Auf der heutigen Agenda: die 1- und 5-Jahres-Leitzinsen in China; der PPI in Deutschland; die YTD-FDI in China; die Handelsbilanz in Italien und der Eurozone; die CBI-Industrieaufträge im Vereinigten Königreich; Einzelhandelsumsätze ohne Autos, vorläufige und endgültige Einzelhandelsumsätze sowie der neue Hauspreisindex in Kanada. Die gesamte Agenda gibt es hier.

  • EUR / USD: 1,16 $
  • Gold: 4.677,62 $
  • Rohöl (Brent): 108,34 $
  • Anleihe Vereinigte Staaten 10 Jahre: 4,25 %
  • BITCOIN: 70.457,9 $

In den Nachrichten:

  • Fuchs: Fuchs hat 2025 Umsatz und Gewinn gesteigert. Für die Vorzugsaktie ist eine höhere Dividende von 1,23 Euro vorgesehen.
  • PNE: PNE erwartet für 2026 ein bereinigtes EBITDA von 110 bis 140 Millionen Euro. Das liegt über den Markterwartungen.
  • Knorr-Bremse: Knorr-Bremse plant für 2025 eine Dividende von 1,90 Euro je Aktie, nachdem der Gewinn gestiegen ist.
  • Rational: Rational rechnet 2026 mit einem Umsatzwachstum im mittleren bis oberen einstelligen Prozentbereich. Vorgeschlagen wird außerdem eine Dividende von 20 Euro je Aktie.
  • United Internet / 1&1: United Internet und 1&1 meldeten 2025 höhere Umsätze und zeigen sich für 2026 optimistisch. Die Aktien legten daraufhin zu.
  • Ionos: Ionos hat 2025 Umsatz und Gewinn gesteigert und den Ausblick für 2026 bestätigt. Die Aktie zog daraufhin deutlich an.
  • Evotec / Bristol-Myers Squibb: Evotec erhielt von Bristol Myers Squibb eine Meilensteinzahlung von 10 Millionen Dollar für eine Phase-1-Studie.
  • Rio Tinto: Rio Tinto hat seine Bauxitminen Amrun und Andoom im Norden Queenslands wegen des Tropensturms Narelle vorübergehend stillgelegt.
  • Standard Chartered / BSI Bank: Standard Chartered und die BSI Bank scheiterten in Singapur mit dem Versuch, sich an Verfahren zur Abwicklung von Firmen im Zusammenhang mit dem 1MDB-Skandal zu beteiligen.
  • Glencore: Glencores Ferrochrom-Sparte in Südafrika droht, die Gespräche mit der Regierung über Rettungsmaßnahmen wegen eines Streits über Stromtarife zu verlassen.
  • Guardian Metal: Guardian Metal hat sein aufgestocktes US-Börsendebüt zu 13,50 Dollar je ADS bepreist und damit 60 Millionen Dollar eingesammelt.
  • BP plc: Bei BP haben Beschäftigte der Raffinerie Whiting in Indiana mit Streikposten begonnen, nachdem sie im Tarifkonflikt ausgesperrt worden waren.
  • Energean / Exxon Mobil / Helleniq Energy: Energean, Exxon Mobil und Helleniq Energy kommen in einem griechischen Offshore-Gasblock in die nächste Explorationsphase.
  • Shell: Shell hat die Produktion in seiner Pearl-GTL-Anlage in Katar nach Schäden durch iranische Raketenangriffe gestoppt.
  • GSK: GSK hat von der FDA die Zulassung für Lynavoy erhalten, ein Mittel gegen cholestatischen Pruritus bei Patienten mit primär biliärer Cholangitis.
  • Atalaya Mining: Atalaya Mining meldete für 2025 einen Vorsteuergewinn von 102,3 Millionen Euro nach 31,5 Millionen Euro im Vorjahr. Die Aktie fiel dennoch wegen schwächer als erwarteter Umsätze und Ergebnisse.
  • Unilever / McCormick: Unilever könnte laut Wall Street Journal seine Lebensmittelsparte an McCormick abspalten.
  • Roche: Roche stoppt die Entwicklung von Emugrobart.
  • Adnoc / OMV: Adnoc und OMV verschieben den Börsengang ihres Petrochemie-Gemeinschaftsunternehmens in Abu Dhabi.
  • IG Group: IG Group prüft eine Börsennotiz in den Vereinigten Staaten.
  • Inwit: Inwit senkt den Ausblick für 2026 wegen der drohenden Konkurrenz durch ein neues Funkmastennetz.
  • CD Projekt: CD Projekt hat mit „Hadar“ sein neues Spieleuniversum vorgestellt.
  • Atlantic Lithium: Das Parlament in Ghana hat den Bergbauvertrag für das Projekt von Atlantic Lithium ratifiziert.
  • FedEx: FedEx legte nach Vorlage der Quartalszahlen im nachbörslichen Handel um 9,5% zu.
  • Meta: Meta führt seinen KI-Assistenten weltweit ein.
  • Super Micro Computer: Drei Vertraute von Super Micro Computer wurden wegen des Schmuggels von KI-Chips nach China angeklagt. Die Aktie brach nachbörslich um 11,7% ein.
  • Uber Technologies / Rivian: Uber Technologies will bis zu 1,25 Milliarden Dollar in Rivian investieren, um beim Aufbau einer Robotaxi-Flotte zu helfen.
  • Tesla: Tesla will laut Reuters Solaranlagen im Wert von 2,9 Milliarden Dollar von chinesischen Lieferanten kaufen.
  • Amazon: Amazon übernimmt laut The Information das Robotik-Start-up Rivr.

Weitere Nachrichten von Unternehmen, die in Deutschland notiert sind, finden Sie hier.

Analystenempfehlungen:

  • Vossloh Ag: Oddo BHF hält an seiner neutralen Empfehlung fest und reduziert das Kursziel von 85 EUR auf 81 EUR.
  • Heidelberg Materials Ag: Deutsche Bank hält an seiner Kaufempfehlung fest und senkt das Kursziel von 245 EUR auf 225 EUR.
  • Lanxess Ag: UBS hält an seiner Verkaufsempfehlung fest und senkt das Kursziel von 14 EUR auf 10 EUR.
  • Thyssenkrupp Nucera Ag & Co. Kgaa: Grupo Santander stuft von Neutral auf Underperform mit einem von 9,50 EUR auf 8 EUR reduzierten Kursziel.
  • Rational Ag: Oddo BHF hält an seiner neutralen Empfehlung fest und erhöht das Kursziel von 725 EUR auf 735 EUR.
  • Lufthansa: Goldman Sachs stuft von Neutral auf Verkaufen mit einem von 7,10 EUR auf 6,60 EUR reduzierten Kursziel.
  • Bayer Ag: Oddo BHF stuft von neutral auf Outperform mit einem von 39,80 EUR auf 55 EUR erhöhten Kursziel.
  • Nemetschek Se: Bernstein hält an seiner Market-Perform-Empfehlung fest und reduziert das Kursziel von EUR 132 auf EUR 104.
  • Mercedes-Benz Group Ag: HSBC hält an seiner Kaufempfehlung fest und reduziert das Kursziel von 73 EUR auf 65 EUR.
  • Auto1 Group Se: JP Morgan hält an seiner Übergewichten-Empfehlung fest und reduziert das Kursziel von 42 auf 37 EUR.
  • Geberit Ag: Kempen hält an seiner Verkaufsempfehlung fest und erhöht das Kursziel von CHF 482 auf CHF 488.
  • Emmi Ag: Research Partners AG hält an seiner Kaufempfehlung fest und reduziert das Kursziel von CHF 1058 auf CHF 990.
  • Belimo Holding Ag: Kempen stuft von Verkaufen auf Neutral mit einem Kursziel von 611 CHF hoch.
  • Swiss Life Holding Ag: Octavian AG hält an seiner Halte-Empfehlung fest und erhöht das Kursziel von CHF 870 auf CHF 885.