Die Stimmung heute Mittag spiegelt diese Spannung wider. Öl steigt. Gold und der Dollar legen zu, da Investoren wieder stärker zu traditionellen sicheren Häfen tendieren. Gleichzeitig geraten Aktien unter Druck, während Händler abzuwägen versuchen, welche Geschichte schwerer wiegt: eine widerstandsfähige US-Wirtschaft oder eine sich rasch entwickelnde geopolitische Krise.
Später heute werden Investoren neue Äußerungen der stellvertretenden Vorsitzenden der Federal Reserve, Michelle Bowman, verfolgen. Morgen folgt der wichtigste Termin: der Arbeitsmarktbericht für Februar. Ökonomen erwarten eine deutliche Abschwächung bei den Neueinstellungen, mit rund 50.000 neuen Jobs nach 130.000 im Januar. Sollte sich diese Abkühlung bestätigen, würde das normalerweise die Argumente für Zinssenkungen stärken.
Die Federal Reserve hatte monatelang gehofft, dass die Inflation sanft in Richtung ihres Zielwerts von 2 % sinken würde. Ein Energieschock droht diesen Plan zu durchkreuzen. Analysten schätzen, dass ein deutlicher Anstieg der Ölpreise – etwa ein Sprung um 25 % – die Verbraucherpreisinflation um rund einen halben Prozentpunkt erhöhen könnte. Das klingt nicht dramatisch, doch Zentralbanker verlieren über solche Zahlen schnell den Schlaf.
Mit anderen Worten: Die Aufgabe der Fed ist gerade schwieriger geworden. Zinssenkungen, die Investoren einst bis zum Hochsommer erwartet hatten, könnten nun später kommen – falls sie überhaupt kommen. Dennoch bewegen sich Märkte selten nur in eine Richtung. Selbst in angespannten Phasen finden sie Gründe für Erholungen.
Einer dieser Gründe ist in dieser Woche die künstliche Intelligenz – genauer gesagt die Unternehmen, die Chips und Infrastruktur für den Boom liefern. Broadcom lieferte den jüngsten Beweis dafür, dass der Ausbau der KI-Infrastruktur weiterhin sehr real ist. Das Unternehmen veröffentlichte starke Ergebnisse und prognostizierte, dass seine Umsätze mit KI-Chips in den kommenden Jahren die Marke von 100 Milliarden US-Dollar überschreiten könnten. Die Aktie legte daraufhin noch vor Börseneröffnung deutlich zu. Zum Vergleich: Der gesamte Jahresumsatz von Broadcom liegt heute unter 70 Milliarden US-Dollar.
Andernorts sprang The Trade Desk nach Berichten nach oben, wonach OpenAI eine Zusammenarbeit mit dem Adtech-Unternehmen geprüft habe. Cracker Barrel legte zu, nachdem Hinweise auf eine funktionierende Turnaround-Strategie aufkamen – ein Beweis dafür, dass Optimismus manchmal an den unerwartetsten Stellen des Marktes auftaucht. Gleichzeitig plant Morgan Stanley Berichten zufolge den Abbau von rund 3 % seiner Belegschaft.
Die große Unbekannte bleibt jedoch der Ölpreis. Wenn Tanker die Straße von Hormus nicht mehr passieren können, breiten sich die Folgen schnell aus. Energiepreise steigen. Transportkosten ziehen an. Inflation folgt. Und Zentralbanker – die auf ein ruhiges Jahr gehofft hatten – finden sich plötzlich wieder im Krisenmodus.
Was für ein Unterschied zum Jahresanfang! Im Januar schien die Markterzählung noch beruhigend einfach. Aktien sollten von drei mächtigen Kräften profitieren: Zinssenkungen der Federal Reserve, massiven Investitionen in künstliche Intelligenz sowie fiskalischen Stimuli in den Vereinigten Staaten und Europa. Viele Analysten erwarteten ein weiteres Jahr mit zweistelligen Kursgewinnen für die großen Aktienindizes.
Doch dann begann sich die Geschichte zu verändern. Zunächst kamen Turbulenzen rund um den KI-Trade selbst, dann folgte der Krieg. Der Konflikt zwischen den Vereinigten Staaten und dem Iran, der nun in seinen sechsten Tag geht, hat bereits über die Region hinaus Auswirkungen. Die militärischen Auseinandersetzungen haben sich intensiviert, die politische Unterstützung in Washington hat sich verhärtet, und Regierungsvertreter deuteten an, dass die Konfrontation Wochen andauern könnte. Gleichzeitig breiten sich die wirtschaftlichen Konsequenzen immer weiter aus.
Tausende Schiffe wurden im und um den Persischen Golf aufgehalten. Ölproduzenten beginnen, ihre Förderung zu drosseln, da sich Lager mit Rohöl füllen, das nicht verschifft werden kann. Regierungen versuchen fieberhaft, den Energiefluss zu stabilisieren, bevor sich der Schock auf die gesamte Weltwirtschaft ausbreitet.
Die gestrige Markterholung erinnerte kurz daran, dass Investoren weiterhin Hoffnung schöpfen können. Westliche Aktienindizes stiegen, nachdem Wirtschaftsdaten darauf hindeuteten, dass sich die US-Wirtschaft weiterhin robust zeigt. Die Beschäftigung im privaten Sektor wuchs im Februar um 63.000 Stellen. Der ISM-Index für das verarbeitende Gewerbe kletterte zum zweiten Mal in Folge über die Marke von 50 und signalisierte damit Expansion nach fast einem Jahr der Schrumpfung. Die Aktivität im Dienstleistungssektor erreichte den höchsten Stand seit Ende 2024. Zudem kursierten Gerüchte, wonach iranische Vertreter über Vermittler mögliche Gespräche mit Washington sondiert hätten.
Die Ölpreise gaben daraufhin nach. Aktien legten zu. Technologiewerte führten die Erholung an. Europäische Indizes machten einen Teil ihrer starken Verluste vom Wochenbeginn wett, während die US-Märkte insgesamt im Plus schlossen.
Doch Hoffnung hat an den Märkten – wie in der Geopolitik – meist eine kurze Halbwertszeit. Teheran bestritt den diplomatischen Vorstoß. Öl setzte seinen Anstieg fort. Und Händler wachten heute Morgen mit derselben unbequemen Frage auf: Wie lange wird das dauern?
Dax tritt auf der Stelle – Anleger bleiben wegen Nahost-Konflikt vorsichtig
Der deutsche Aktienmarkt hat nach der Erholung vom Vortag am Donnerstag kaum Bewegung gezeigt. Angesichts der unübersichtlichen Lage im Nahen Osten halten sich viele Investoren mit neuen Engagements zurück. Der Leitindex Dax pendelte um den Schlusskurs vom Mittwoch und lag am frühen Nachmittag leicht im Minus bei 24.158 Punkten. Der MDax der mittelgroßen Werte verharrte bei 30.355 Punkten nahezu unverändert, während der EuroStoxx 50 ebenfalls etwas nachgab.
Unternehmensnachrichten aus der laufenden Berichtssaison sorgten dennoch für Bewegung bei einzelnen Titeln. Schlusslicht im Dax war DHL mit einem Kursrückgang von gut drei Prozent, nachdem der Logistikkonzern einen verhaltenen Ausblick für 2026 gegeben hatte. Auch Merck geriet unter Druck: Der Chemie- und Pharmakonzern rechnet für dieses Jahr mit einem Gewinnrückgang, die Aktie verlor 1,7 Prozent. Dagegen profitierten Airbus von einer Kaufempfehlung der Citigroup und legten um 1,5 Prozent zu. Die Aktien von Puma verteuerten sich sogar um 6 Prozent. Der britische Milliardär und Investor Mike Ashley hat eine Beteiligung von knapp sechs Prozent an dem Sportartikelhersteller aufgebaut. Bei den Papieren der Rüstungshersteller Renk und Hensoldt nahmen Anleger Kursgewinne mit.
In der zweiten Reihe enttäuschte der Werbedienstleister Ströer mit seiner Gewinnprognose für 2026, die Aktien gaben 4,3 Prozent nach. Im SDax sprang Jenoptik um 5,5 Prozent nach oben, nachdem der Optikspezialist überraschend zum 23. März in den MDax aufsteigt. Ebenfalls in den Index der mittelgroßen Werte rücken Salzgitter und Deutz auf, während Teamviewer, Fielmann und Carl Zeiss Meditec in den SDax absteigen. Keine Veränderungen gibt es im Dax. Unter Druck standen zudem Dürr mit minus 3,5 Prozent nach kritisierten Auftragsaussichten, während starke Geschäftszahlen die Aktie von GFT Technologies um fast elf Prozent nach oben trieben.





















