Gegen 13:00 Uhr verliert der DAX rund 1,4 % auf 24.950 Punkte – ein Rückgang im Gleichschritt mit dem gesamteuropäischen Euro Stoxx 50, der um 1,7 % nachgibt. Die US-Börsen bleiben heute wegen des „Martin Luther King Day“ geschlossen.

Auslöser der aktuellen Nervosität ist eine Ankündigung von Donald Trump vom Samstag: Der US-Präsident versprach, ab dem 1. Februar Strafzölle in Höhe von 10 % auf eine Reihe europäischer Produkte zu erheben – mit einer Erhöhung auf 25 % ab dem 1. Juni. Dies solle so lange gelten, „bis die USA Grönland erhalten“.

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen reagierte prompt und stellte sich demonstrativ an die Seite Dänemarks. Weitere Strafzölle, so ihre Warnung, könnten die transatlantischen Beziehungen ernsthaft beschädigen.

Wie Bloomberg berichtet, erwägt die Europäische Union nun Gegenzölle auf US-Waren im Volumen von rund 93 Milliarden Dollar. Die Angst vor einer Rückkehr des Handelskonflikts zwischen Washington und Brüssel ist entsprechend groß.

„Wir raten Investoren jedoch zur Ruhe“, mahnt Joachim Klement von Panmure Liberum. Die geplanten Zölle ließen sich seiner Ansicht nach von betroffenen Unternehmen vergleichsweise einfach umgehen.

„Europäische Hersteller könnten ihre Produkte über Länder in die USA liefern, die von den Zöllen ausgenommen sind – wie Spanien, Italien, Belgien oder Irland“, erklärt der Marktstratege.

Vor diesem Hintergrund schenken die Anleger auch positiven Nachrichten wenig Beachtung: Eurostat hat den Verbraucherpreisanstieg in der Eurozone für Dezember leicht nach unten korrigiert – von zuvor geschätzten 2 % auf nun 1,9 %. Im November hatte die Inflationsrate noch bei 2,1 % gelegen.

Im weiteren Wochenverlauf stehen zahlreiche wichtige Konjunkturdaten an. In den USA werden eine neue Schätzung des BIP für das dritte Quartal, Daten zu Einkommen und Konsum der Haushalte sowie der PCE-Preisindex veröffentlicht.

In Europa folgen unter anderem das ZEW-Stimmungsbarometer für Deutschland, das Geschäftsklima in Frankreich, Inflationsdaten aus Großbritannien sowie die Schnellschätzungen der Einkaufsmanagerindizes.

Parallel dazu nimmt die Berichtssaison Fahrt auf. In den USA präsentieren unter anderem Netflix, 3M, Johnson & Johnson, Travelers, Procter & Gamble und Intel ihre Zahlen. In Europa stehen unter anderem Rio Tinto, Mercedes-Benz, LVMH und Ericsson auf der Agenda.

In Frankfurt springt Bayer um 7 % nach oben. Der US-Supreme-Court hat angekündigt, den Fall Durnell zu prüfen, der ein Grundsatzurteil zu Schadenersatzansprüchen im Zusammenhang mit dem Unkrautvernichter Roundup darstellt – ein Thema mit erheblichem Risikopotenzial für den deutschen Chemiekonzern. Auch Rheinmetall steht auf der Gewinnerseite mit einem Plus von 3 % – ein Profiteur zunehmender Spannungen im transatlantischen Verhältnis. Das Schlusslicht bildet Adidas mit 5 %.

Der französische CAC 40 wird derweil vor allem von den Luxuswerten belastet: LVMH verliert 4 %, Hermès 3 %. Beide gelten als besonders anfällig für einen eskalierenden Handelsstreit.

In Brüssel legt D’Ieteren um 8 % zu. Laut einem Bericht der Financial Times vom Freitagabend befindet sich die Tochtergesellschaft Belron – Mutterkonzern von Carglass – in frühen Gesprächen über einen möglichen Börsengang.