Seit Anfang der Woche gerät die Aktie unter Druck – ausgelöst durch das Wall Street Journal, das von einer möglichen Abspaltung des Saatgutgeschäfts (57 % des Umsatzes) von der Pflanzenschutzsparte (43 %) berichtete. Zwei Lager prallen dabei aufeinander: Auf der einen Seite stehen Befürworter eines integrierten Konzerns, der Synergien in Forschung, Entwicklung und Vertrieb heben kann; auf der anderen Seite Investoren, die in einer Abspaltung ein Mittel zur „Freisetzung“ verborgener Bewertungsmultiplikatoren sehen.

Tatsächlich lassen sich beide Positionen nachvollziehen: Die Wachstumsdynamik des Unternehmens blieb seit dem Börsengang verhalten – ein Argument für die Abspaltung. Andererseits hat sich der Aktienkurs seit dem IPO verdreifacht – was durchaus für den Status quo spricht.

Besonders spannend ist die Diskussion vor dem Hintergrund der aktuellen Herausforderungen im Pflanzenschutzgeschäft. Der Markt steht unter Druck: Asiatische Generikahersteller bieten Produkte zu Tiefstpreisen an, der öffentliche Widerstand gegen Pestizide nimmt zu, und die Präzisionslandwirtschaft senkt den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln. Hinzu kommen potenzielle rechtliche Risiken – wie die milliardenschweren Vergleichszahlungen, die Bayer aufgrund seiner Monsanto-Tochter und dem Herbizid RoundUp leisten musste.

Dass Corteva sich dennoch so gut hält, liegt vor allem an der Saatgutsparte, die seit dem Börsengang kontinuierlich wächst – im Gegensatz zu den rückläufigen Erlösen im Pflanzenschutzsegment über die letzten beiden Geschäftsjahre.

Vor diesem Hintergrund erscheint ein möglicher Aufspaltungszeitpunkt jetzt besonders günstig. Sowohl die operative als auch die finanzielle Lage scheinen es zuzulassen. Beim letzten Quartalsbericht hatte das Management die Jahresziele angehoben – beide Geschäftsbereiche zeigten sich robust. Das Saatgutgeschäft profitierte von einer Ausweitung der Maisanbauflächen, Marktanteilsgewinnen in Nordamerika sowie von Preiserhöhungen. Der Pflanzenschutzbereich legte unter anderem dank der starken Nachfrage nach Spinosyn-Insektiziden, dem Biokontrollsortiment in Nordamerika und dem Wachstum in Lateinamerika zu.

Eine Abspaltung käme also keineswegs einer Notlösung gleich. Gleichwohl könnte eine Trennung der Bereiche bestehende Synergien zerstören und somit langfristig beide Einheiten schwächen. Genau an diesem Punkt scheiden sich die Geister der Analysten: Während Bank of America keinen strategischen oder finanziellen Mehrwert in einer Spaltung sieht, glaubt die Deutsche Bank, dass insbesondere das Saatgutsegment dadurch „erhebliches“ Potenzial freisetzen könnte – etwa durch eine Neubewertung im Einklang mit den Vergleichsunternehmen.

Einig sind sich die Investoren immerhin in einem Punkt: Eine Aufspaltung ist finanziell plausibel – aber nur dann sinnvoll, wenn der daraus resultierende Wertzuwachs die Kosten des Synergieverlustes übertrifft. Zudem müsste sichergestellt sein, dass die Trennung die Cashflows nicht durch operative Komplikationen oder hohe Abspaltungskosten beeinträchtigt.