Wiesbaden, 19. Mai (Reuters) - Im Abwehrkampf gegen die italienische Großbank UniCredit hat Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp die Übernahmepläne auf der Hauptversammlung kritisiert und sich die Rückendeckung großer Fondsgesellschaften gesichert. "Der Plan, den die UniCredit vorgelegt hat, ist vage, birgt erhebliche Risiken und bietet kaum Wertsteigerungspotenzial", sagte Orlopp am Mittwoch in Wiesbaden. UniCredit sehe das Kostensenkungspotenzial zu optimistisch. Zuvor hatten bereits Dutzende Beschäftigte vor dem Veranstaltungsort gegen einen Zusammenschluss demonstriert. UniCredit nimmt einem Reuters-Bericht von Dienstag zufolge nicht an dem Aktionärstreffen teil und entschied sich vorerst für eine passive Rolle.
Die Vertreter der Fondsgesellschaften Deka und DWS stellten sich hinter den Kurs des Vorstands, die Eigenständigkeit des Frankfurter Instituts zu wahren. Deka-Vertreter Andreas Thomae bezeichnete das Vorgehen der UniCredit als "ungestüm und nicht freundlich". Das Angebot sei mangels Prämie unattraktiv. Auch DWS-Vertreter Hendrik Schmidt warnte, die UniCredit werde nicht locker lassen. Er warf die Frage auf, ob die Italiener mit der üppigen Commerzbank-Dividende ihre eigene, zunehmend feindliche Übernahme finanzierten. Vor dem Veranstaltungsort machten derweil die Mitarbeiter ihrer Wut Luft. "Für uns ist ganz klar, wir können diesem Mann nicht trauen", sagte Frederik Werning, Verdi-Gewerkschaftssekretär und Aufsichtsratsmitglied der Commerzbank, mit Blick auf UniCredit-Chef Andrea Orcel.
Orlopp will das Institut mit der Strategie "Momentum 2030" aus eigener Kraft profitabler machen und so den Aktienkurs treiben, um eine Übernahme zu verteuern. Dazu sollen unter anderem weitere 3000 Stellen abgebaut und massiv in Künstliche Intelligenz (KI) investiert werden. Die Aktionäre äußerten jedoch Zweifel an der reibungslosen Umsetzung. DWS-Vertreter Schmidt sah vor allem bei der geplanten Expansion im internationalen Firmenkundengeschäft große Wettbewerbsrisiken, da die Commerzbank dort auf globale Schwergewichte treffe.
KRITIK AN EX-KONZERNCHEF
Für Zündstoff sorgte die Aufarbeitung der Amtszeit von Ex-Konzernchef Manfred Knof. Dieser hatte sich im September 2024 kurz nach dem Einstieg der UniCredit mit Orcel getroffen, ohne die Gremien der Commerzbank zu informieren. Beide Fondsgesellschaften forderten Aufklärung über die Ergebnisse eines vom Aufsichtsrat in Auftrag gegebenen juristischen Gutachtens zu einer möglichen Pflichtverletzung Knofs. "Es darf nicht sein, dass ein Vorstandsvorsitzender seinen Kontrolleuren solche Kontakte verschweigt, kurze Zeit nach seiner vorzeitigen Vertragsverlängerung den Posten räumt und wir Aktionäre hierfür bezahlen", kritisierte Schmidt. Die DWS kündigte an, dem Vergütungsbericht auch aus diesem Grund die Zustimmung zu verweigern. Thomae fragte nach möglichen Bonuskürzungen oder Gehaltsrückforderungen.
Hintergrund des Widerstands ist auch die Sorge vor einem massiven Stellenabbau im Falle einer Fusion mit der UniCredit-Tochter HypoVereinsbank (HVB). Die Commerzbank rechnet nach eigenen Angaben mit dem Wegfall von 10.000 bis 11.000 Arbeitsplätzen, UniCredit hatte von 7000 überzähligen Stellen in Deutschland gesprochen. Der Betriebsrat fürchtet sogar den Verlust von bis zu 23.000 Jobs. Vorstand und Aufsichtsrat der Commerzbank hatten den Aktionären erst am Montag offiziell geraten, das Tauschangebot der UniCredit auszuschlagen. Unterstützung erhält das Institut aus der deutschen Wirtschaft: Einer Umfrage des "Finance"-Magazins zufolge bewerten 71 Prozent der befragten Finanzentscheider eine Übernahme negativ, unter den Commerzbank-Kunden sind es sogar 77 Prozent.
(Bericht von Philipp Krach und Tom Sims, redigiert von Myria Mildenberger. Bei Rückfragen wenden Sie sich an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)





















