In einem am 7. April veröffentlichten Kommentar beschrieb Scott Rubner einen Markt, der zwar fragil geblieben sei, nach einer Phase massiven Deleveragings, defensiver Positionierungen und extrem gedrückter Stimmung jedoch ein asymmetrisch attraktives Aufwärtspotenzial entwickelt habe. Sechs Wochen später bleibt er zwar mittelfristig konstruktiv, sieht den Markt kurzfristig jedoch deutlich schlechter abgesichert.

Der Stimmungswechsel erklärt sich vor allem durch die Kapitalflüsse, die nicht mehr denselben Rückenwind liefern wie zu Beginn des Frühjahrs. Im April beruhte das bullishe Szenario auf einem Markt mit geringer Aktienquote und umfangreichen Absicherungen, der von einer schrittweisen Rückkehr der Käufer profitieren konnte. Diese Ströme sind inzwischen jedoch mit voller Wucht zurückgekehrt – getragen von Aktienrückkäufen der Unternehmen, passiven ETFs, Privatanlegern und gehebelten Produkten.

US-ETFs haben seit Jahresbeginn rund 852 Mrd. US-Dollar angezogen, während das verwaltete Vermögen gehebelter ETFs mit 203 Mrd. US-Dollar ein Rekordniveau erreicht hat – mit einer starken Konzentration auf Technologiewerte. In einem Markt, in dem Absicherungen weitgehend abgebaut wurden, könnte selbst ein kleiner Momentumverlust nun deutlich größere Auswirkungen entfalten. Die Positionierungen systematischer Strategien wurden weitgehend wieder aufgebaut, die Nachfrage nach Absicherung gegen Kursverluste ist gesunken, und die implizite Einmonatsvolatilität des S&P 500 fiel innerhalb von sechs Wochen von rund 26 auf 15.

Hinzu kommt eine weiterhin enge Marktbreite: Nur 27 % der Indexmitglieder entwickelten sich in den vergangenen 30 Handelstagen besser als der S&P 500. Verschärft wird diese fragile Lage durch einen traditionelleren, aber potenziell restriktiveren Belastungsfaktor: steigende Langfristzinsen und höhere Realrenditen, die Anleihen allmählich wieder attraktiver machen.

Für Citadel Securities bedeutet das nicht zwangsläufig eine bärische Trendwende, wohl aber einen Markt, der seine günstige Asymmetrie verloren hat. Nach einer Rally von rund 17 % seit den Tiefstständen argumentiert Scott Rubner, dass sich das Chancen-Risiko-Profil deutlich verschlechtert habe. Sollte das Momentum nachlassen, könnte eine Auflösung der Long-Positionierungen aus einer normalen Konsolidierung rasch eine deutlich schärfere Korrektur machen.