Nach mehr als sechs Wochen Konflikt und angesichts steigender Energiepreise wenden sich viele Verbraucher verstärkt grüneren Lösungen zu, die weniger anfällig für geopolitische Schocks sind. Ningbo Deye Technology, ein Spezialist für integrierte Lösungen im Energiesektor, rechnet für das erste Quartal mit einem Gewinnanstieg von bis zu 70 %. Treiber ist insbesondere die starke Nachfrage nach Energiespeicherlösungen in Europa, im Nahen Osten und in Südostasien. Angesichts hoher Kraftstoffpreise und der ausgeprägten Importabhängigkeit Europas beim Öl überdenken viele Haushalte zudem den Kauf von Elektrofahrzeugen.

Hersteller wie BYD und Geely profitieren von diesem Zustrom potenzieller Neukunden. Im März haben sich die Exporte von Elektrofahrzeugen laut Bloomberg auf ein Rekordniveau von 349.000 Einheiten verdoppelt. Nach jahrelangen Investitionen ist China heute fest in der Wertschöpfungskette elektrischer Technologien verankert und profitiert in vollem Umfang von der weltweit steigenden Nachfrage. Doch auch andere Sektoren ziehen Nutzen aus der aktuellen Lage.

Pekings geheime Waffe

Bereits vor mehr als drei Jahrzehnten brachte Deng Xiaoping die strategische Bedeutung auf den Punkt: „Seltene Erden sind für China das, was Öl für den Nahen Osten ist.“ Diese Einschätzung hat heute nichts an Aktualität verloren. Rund 80 % der iranischen Ölexporte gehen derzeit nach China. Gleichzeitig kontrolliert Peking etwa 70 % der weltweiten Förderung sowie nahezu 90 % der Verarbeitungskapazitäten für seltene Erden.

Nach Angaben von The Guardian und Axios ist die US-Rüstungsindustrie bei bestimmten seltenen Erden, die unter anderem in F-35-Kampfflugzeugen und Radarsystemen eingesetzt werden, zu 72 % von China abhängig. Damit ergibt sich eine heikle gegenseitige Abhängigkeit: Ein möglicher Blockadeversuch der Straße von Hormus durch Donald Trump würde sowohl die Energieversorgung Chinas als auch indirekt die Versorgung mit seltenen Erden beeinträchtigen.

Die Aktien chinesischer Unternehmen aus diesem Sektor haben vor dem Hintergrund der Spannungen deutlich zugelegt. Baotou Steel Union Co verzeichnet auf Wochensicht ein Plus von 12 %, während China Northern Rare Earth Group um 10 % steigt. Beide Unternehmen haben ihre Preise für das zweite Quartal laut Bloomberg um rund 45 % angehoben. Seit der Reform des Preisbildungsmechanismus im Jahr 2023 kontrolliert Peking den Zugang zu seltenen Erden deutlich strenger. Das Thema dürfte auch im Mittelpunkt des Treffens zwischen dem US-Präsidenten und Xi Jinping stehen, das für den 14. und 15. Mai angesetzt ist.

Stark nach außen, anfällig im Inland

So überzeugend sich China international positioniert, so gemischt fällt das Bild im Inland aus. Die Wirtschaft bleibt stark exportabhängig, während der private Konsum schwächelt. Der Immobiliensektor steckt in einer anhaltenden Krise: Die Immobilienkäufe sind eingebrochen, und trotz einer jüngsten leichten Stabilisierung bleibt die Investitionstätigkeit niedrig.

Vor diesem Hintergrund erhöhen viele Haushalte ihre Sparquote. Diese Vorsicht spiegelt ein tief sitzendes Misstrauen wider: Angesichts unsicherer Zukunftsaussichten verschieben Verbraucher größere Anschaffungen.

China Economic Update - World Bank Group - Dezember 2025

Langfristig dürfte der durch Exporte generierte Wohlstand nicht ausreichen, um die strukturellen Schwächen der chinesischen Wirtschaft auszugleichen. Der geopolitische Konflikt zwischen den USA und dem Iran gefährdet bereits heute den wichtigsten Wachstumsmotor des Landes – insbesondere dann, wenn eine Blockade der Straße von Hormus durch die US-Marine von Dauer sein sollte. Die zentrale Frage ist daher nicht mehr die Stärke der chinesischen Exporte, sondern die Fähigkeit Pekings, den Binnenkonsum mitten in der Krise wieder in Gang zu bringen.