China hat sein wirtschaftliches Wachstumsziel für 2026 auf 4,5%-5% festgelegt und liegt damit leicht unter dem im vergangenen Jahr erreichten Tempo von 5%. Dies signalisiert Spielraum für weitere, wenn auch nicht entscheidende Maßnahmen zur Bekämpfung von industrieller Überkapazität und zur Neuausrichtung der Wirtschaft.

Analysten erklärten, dass ein niedrigeres Wachstumsziel Peking mehr Flexibilität verschafft, Reformen umzusetzen, die die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt weniger abhängig vom Exportwachstum machen. Im Jahr 2025 wurde ein Rekord-Handelsüberschuss von 1,2 Billionen US-Dollar verzeichnet.

KOMMENTARE:

MARCO SUN, CHEFANALYST FÜR FINANZMÄRKTE, MUFG (CHINA), SHANGHAI:

"Es scheint, dass die politischen Entscheidungsträger beabsichtigen, einen insgesamt unterstützenden Kurs beizubehalten, der mit dem seit 2025 verfolgten Ansatz übereinstimmt. Die quantitativen Modelle unseres Onshore-Desks deuten darauf hin, dass die Wachstumsdynamik sich stabilisieren und 2026 möglicherweise einen Tiefpunkt erreichen könnte. Zusammengenommen deuten diese Signale darauf hin, dass die Geldpolitik voraussichtlich weiterhin locker bleibt, mit einem Schwerpunkt auf der Unterstützung von Sektoren der 'neuen Wirtschaft', insbesondere KI und verwandte Branchen, durch niedrigere Finanzierungskosten und gezielte Kreditförderung, anstatt breit angelegte Konjunkturpakete zu schnüren."

MOHAMED EL-ERIAN, CHEFÖKONOMISCHER BERATER, ALLIANZ:

"Angesichts interner und externer Gegenwinde hat China sein Wachstumsziel für 2026 auf 4,5-5,0% zurückgenommen. Auch wenn dies den niedrigsten Wert seit 1991 markiert, könnte es sich dennoch als ehrgeizig erweisen, sofern Peking die inländischen Wirtschaftsreformen nicht massiv verstärkt."

LI HAO, FORSCHUNGSLEITER, CYPRESS FUND, PEKING:

"China hat eine proaktivere Fiskalpolitik als im Vorjahr festgelegt und strebt ein Defizitverhältnis von 4% an, begleitet von einer moderat lockeren Geldpolitik und einem anhaltenden Fokus auf die Stärkung der Binnennachfrage.

"Die politischen Entscheidungsträger haben ein neues Instrument zur Ankurbelung des Konsums vorgestellt: einen 100 Milliarden Yuan schweren Fonds zur 'fiskalisch-finanziellen Koordination', der gezielt die Nachfrage stärken soll und auf mehr zielgerichtete Unterstützung hinweist. Die Finanzierung von Wissenschaft und Technologie wird ebenfalls steigen; die landesweiten FuE-Ausgaben sollen jährlich um mehr als 7% wachsen und damit das BIP-Wachstumsziel übertreffen.

"Die Untergrenze des BIP-Ziels liegt bei 4,5% und damit unter dem Marktkonsens von rund 5%, was die Betonung auf qualitativ höherwertiges Wachstum unterstreicht."