Nach einem schwierigen Herbstbeginn, in dem die Aktie zeitweise rund 25 % einbüßte, sorgte die Ankündigung der Wiederaufnahme der Dividendenzahlung für ein abruptes Comeback. Der Markt ging bislang davon aus, dass eine Ausschüttung erst dann realistisch wäre, wenn der Schuldenabbau ausreichend vorangeschritten sei – konkret bei einem Verschuldungsgrad von etwa dem 3,5-Fachen des EBITDA. Carnival hatte die Dividende zu Beginn der Pandemie im Jahr 2020 ausgesetzt.
Gleichzeitig hat das Unternehmen nun belastbare Anhaltspunkte für das kommende Jahr geliefert. So rechnet Carnival mit einem Anstieg der Umsätze pro Passagier um 2,5 %. Auch wenn dies etwas unter den Markterwartungen liegt, hilft diese Prognose, die größte Sorge der Anleger zu zerstreuen: dass das zunehmende Angebot an Schiffen – insbesondere in der Karibik – zu sinkenden Preisen führen könnte. Indem das Unternehmen aufzeigt, dass trotz wachsender Kapazitäten die Erträge pro Passagier steigen können, untermauert es seine Fähigkeit, die Margen zu schützen.
Ein weiterer Lichtblick: Die Einnahmen steigen schneller als die Ausgaben, was sich positiv auf die Rentabilität auswirkt. In der Jahresbetrachtung wird ein Anstieg der Umsätze pro Passagier um etwa 4 % erwartet, bei einem deutlich geringeren Anstieg der Stückkosten von etwa 2 %. Diese Differenz stärkt die Marge automatisch.
Zudem profitiert Carnival von einer soliden Buchungslage: Bereits rund zwei Drittel der Kapazitäten für das Jahr 2026 sind verkauft, und die Anzahlungen der Kunden sind um 7 % gestiegen. Da der Kreuzfahrtsektor besonders empfindlich auf Preisnachlässe reagiert, um Restplätze zu füllen, verringert dieser Buchungsstand das Risiko kurzfristiger Negativüberraschungen deutlich.
Ab Mitte 2026 will Carnival ein Treueprogramm einführen. Kurzfristig dürfte dies die Wachstumsrate leicht belasten, da ein Teil der Umsätze zur Finanzierung von Kundenboni zurückgestellt wird. Dieser Effekt sollte sich jedoch bis 2028 neutralisieren und langfristig sogar geschäftsunterstützend wirken.
Insgesamt ist die Entwicklung des Konzerns positiv zu bewerten. Carnival untermauert dies mit ehrgeizigen finanziellen Zielen: Ein angestrebter ROIC (Return on Invested Capital) von 12 % soll mittelfristig auf 14 % bis 2027 steigen.
Einige kritische Analysten werfen dem Management vor, mit der Dividendenankündigung lediglich davon abzulenken, dass der freie Cashflow weiterhin in den Schuldenabbau fließt. Doch trotz konservativer Wachstumsprognosen (+2,5 %) sind nun wieder entscheidende Elemente zurück: bessere Planbarkeit, konsequente Kostenkontrolle, Entschuldung – und ein wiederhergestellter Kapitalrückfluss an die Aktionäre.
Die Aktie notiert inzwischen auf dem höchsten Stand seit Februar 2020. Mit einem KGV von 13 auf Basis der aktuellen Gewinne – und nur 11 auf Basis der Gewinne für das nächste Jahr – bleibt das Papier im Branchenvergleich weiterhin attraktiv bewertet.



















