(Alliance News) - In 60 Jahren unternehmerischer Tätigkeit hat Francesco Gaetano Caltagirone viele Epochen der italienischen Wirtschaft durchlaufen: vom römischen Baugewerbe der 60er Jahre über die Zementindustrie, Großprojekte und das Verlagswesen bis hin zum Finanzsektor. Dabei formte er eine schuldenfreie Gruppe mit strategischen Beteiligungen an MPS, Mediobanca und Generali. Heute zählt er mit einem Vermögen von rund 12 Mrd. EUR zu den einflussreichsten Akteuren der italienischen Finanzwelt.
'Mein Vater verließ Sizilien im Jahr 1926, um nach Rom zu ziehen und dort dank des Darlehens eines Freundes mit dem Bauen zu beginnen', erzählt er in einem Interview mit dem Corriere della Sera.
Das Wachstum der Gruppe basierte auf der Fähigkeit, Liquidität zu generieren und diese zu reinvestieren: erst Vianini, dann Cementir im Zuge der Privatisierungen, später Zeitungen und schließlich Banken - von BNL über UniCredit, Mediobanca und Banco BPM bis hin zu MPS.
Bezüglich seiner Rückkehr zu MPS unterscheidet er zwischen Rationalität und Emotion: 'Das Investment war hervorragend, aber es gab auch eine umfassendere Vision. Mehr als 55% der Bevölkerung leben südlich der Po-Ebene, und die einzige große Bank, die im Zentrum und Süden verwurzelt ist, ist MPS. Ich dachte mir, sie könnte zu einem Pol werden, der das System wieder ins Gleichgewicht bringt'.
Für Caltagirone ist eine Regionalbank nicht nur für die Finanzierung von Unternehmen und Haushalten von entscheidender Bedeutung, sondern auch als Zentrum für Ausbildung und die Gewinnung von Kompetenzen. Daraus resultierte auch sein Widerstand gegen das Generali-Natixis-Projekt, das er als Risiko für das Land bezeichnete.
Einer möglichen Integration von MPS und Mediobanca steht er ablehnend gegenüber, da er ein Modell ablehnt, das Ressourcen von der Realwirtschaft in den Finanzsektor verlagert: 'Dadurch wird die soziale Funktion der Banken geschmälert'. Gleichzeitig verteidigt er die historische Rolle der Mediobanca und hofft, dass das über Jahre aufgebaute Humankapital nicht verloren geht.
Was Lovaglio betrifft, erkennt er die bei MPS geleistete Sanierungsarbeit an, merkt jedoch an, dass es 'keinen Mann für alle Fälle' gebe und nun Vermittlungsgeschick sowie strategische Weitsicht gefragt seien.
Caltagirone ist zudem der Ansicht, dass Mediobanca die Beteiligung an Generali halten sollte: 'Wenn alle großen Banken Generali wollen, verstehe ich nicht, warum derjenige, der sie bereits besitzt, sie verkaufen sollte'.
Mit Sorge blickt er hingegen auf eine eventuelle Fusion zwischen MPS und Banco BPM. Er befürchtet, dass Siena seine zentrale Bedeutung zugunsten von Mailand verlieren könnte: 'Es bestünde das Risiko, dass ein über fünf Jahrhunderte angesammeltes professionelles Erbe verloren geht'.
Von Giuseppe Fabio Ciccomascolo, Alliance News Senior Reporter
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