Der Anleihemarkt erlebt derzeit eine schwierige Phase, die sich am Montagnachmittag (ab exakt 15:30 Uhr) noch einmal deutlich verschärft: Die Renditen der Bundesanleihen steigen um +7,5 Basispunkte auf 2,875 %, die französischen OATs um +6,3 Basispunkte auf 3,597 %, die italienischen BTPs um +8 Basispunkte auf 3,578 %. Dennoch verhalten sich die Aktienindizes, als wäre nichts geschehen - obwohl dies die schlechtesten Niveaus seit dem 25. September sind.
Bereits am Morgen hatte sich in Japan ein negatives Bild abgezeichnet, mit einer 10-jährigen Staatsanleihe bei 1,97 %, einem Allzeithoch der 20-jährigen bei 2,95 % und einer 30-jährigen bei 3,395 %.
Wie es zu dieser heutigen Entkopplung der beiden Welten (Zinsen/Aktien) kommt, bleibt ein Rätsel: Die Pariser Börse bewegt sich seit Handelsbeginn kaum, der CAC40 (-0,2 %) pendelt weiterhin um die Marke von 8.100 Punkten, was die Initiative-Armut der letzten neun Sitzungen fortsetzt (Stagnation um diese Schwelle seit dem 26. November). Auch der Euro-Stoxx50 rutscht nach sechs Stunden Stabilität ins Minus, während DAX40 und BEL-20 von +0,2 % auf 0,00 % zurückfallen.
Als Zeichen erhöhter Vorsicht der Investoren am Ende eines bislang erfolgreichen Börsenjahres 2025 bewegte sich der Pariser Markt in der vergangenen Woche in einer besonders engen Handelsspanne zwischen 8.040 und 8.160 Punkten, mit stets begrenzten Schwankungen von -0,1 % bis 0,4 %.
Auch an der Wall Street ist seit sechs Sitzungen eine ähnliche Dynamik zu beobachten: Die großen Indizes erzielten vergangene Woche nur marginale Gewinne (+0,1 % für den S&P500), was ihnen jedoch ermöglichte, wieder in Reichweite ihrer Allzeithochs zu gelangen - der Nasdaq liegt weniger als 2 % unter seinem Höchststand.
Am Montag verliert der Nasdaq -0,3 %, der Dow Jones -0,35 % und der S&P500 -0,3 % - ein treffendes Bild für die abwartende Haltung vor der in 48 Stunden erwarteten Mitteilung der US-Notenbank (FED).
Sofern es keine große Überraschung gibt, scheint nichts darauf hinzudeuten, dass die Erwartungen an eine erneute Senkung des US-Leitzinses um 25 Basispunkte angesichts der jüngsten Anzeichen einer Abschwächung am Arbeitsmarkt und besserer Inflationskontrolle korrigiert werden müssten.
Damit würde sich die seit September 2024 von der US-Notenbank vollzogene geldpolitische Lockerung auf insgesamt 1,75 Basispunkte summieren - ein in den USA bislang nur in Rezessionsphasen gesehenes Ausmaß, und das bei einer Inflation oberhalb des FED-Ziels.
Doch seit zehn Tagen, obwohl das Fedwatch-Barometer mit 85/90 % Wahrscheinlichkeit eine Zinssenkung erwartet, verschlechtern sich die Renditen weiter: Die T-Bonds steigen um +4,8 Basispunkte auf 4,188 %, die 2-jährigen um +4,2 Basispunkte auf 3,606 %. Das sind die gleichen Niveaus wie Mitte November, als eine dritte Zinssenkung am 10. Dezember noch als unwahrscheinlich galt.
Auch wenn sie bereits weitgehend eingepreist scheint, würde eine Zinssenkung, begleitet von einer weiterhin lockeren Botschaft, das Interesse an risikoreichen Anlagen zum Jahresende hin stimulieren - eine traditionell günstige Zeit für die Börsen. Das könnte den Weg für die bekannte "Santa Claus Rally" ebnen.
Für einige Analysten erscheint es nicht völlig ausgeschlossen, dass der S&P500 bis zum 31. Dezember die symbolische Marke von 7.000 Punkten erreicht, bevor er Anfang 2026 Kurs auf 7.500 Punkte nimmt - ein psychologisch wichtiges Ziel, das von zahlreichen Strategen genannt wird.
Nach der Fed-Sitzung richtet sich der Blick zwangsläufig auf das Jahr 2026, das von der Ernennung eines neuen Fed-Präsidenten geprägt sein wird, der voraussichtlich Donald Trumps langjähriger Wirtschaftsberater Kevin Hassett sein wird - auch wenn dieser noch nicht offiziell nominiert wurde.
Aktienmärkte begrüßen in der Regel Zinssenkungen, doch die Aussicht auf eine noch expansivere Politik der Notenbank unter einem für seine lockere Haltung bekannten Vorsitzenden könnte die Marktteilnehmer zunächst verunsichern.
Die jüngste Häufung von Zinssenkungen birgt zudem das Risiko, dass die weiterhin robuste US-Wirtschaft in eine Überhitzung gerät, was die in Washington ansässige Institution zwingen könnte, auf die Bremse zu treten, die Zinsen wieder anzuheben und so möglicherweise eine erneute Rezession auszulösen, warnen einige Experten.
"Wir sehen gute Gründe, warum die Fed vorsichtiger werden und das Tempo der Zinssenkungen drosseln sollte", prognostizierte vergangene Woche Henry Alle, Marktanalyst bei der Deutschen Bank.
Die Nachrichtenlage bleibt auf Seiten der Konjunkturindikatoren und Unternehmensberichte hingegen ruhig, auch wenn die für Mittwochabend geplante Quartalszahlenvorlage von Oracle mit besonderer Aufmerksamkeit verfolgt werden dürfte.
Der Dollar legt gegenüber dem Euro um +0,15 % auf 1,1620 zu, der Schweizer Franken schwächt sich weiter ab und verliert 0,25 % gegenüber dem Euro auf 0,9392 - der niedrigste Stand seit einem Monat.
Die Aktie des Softwareentwicklers war nach der letzten Veröffentlichung infolge eines riesigen Cloud-Auftragsbestands im Zuge starker Investitionen in Künstliche Intelligenz um fast 40 % gestiegen, hat seither jedoch sämtliche Gewinne wieder abgegeben, da Zweifel an der Nachhaltigkeit des außergewöhnlichen Tech-Booms der vergangenen drei Jahre aufgekommen sind.
Die Prognosen, die der kalifornische Konzern anlässlich der Veröffentlichung abgeben wird, dürften daher umso genauer beobachtet werden.
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