Die Pariser Börse scheint am Donnerstag auf dem besten Weg zu sein, neue Höchststände zu erreichen. Dies geschieht im Anschluss an die kräftige Erholungsrallye der vergangenen drei Tage, die den CAC 40-Index auf Rekordniveaus trieb. Auslöser war die Aussicht auf eine Wiedereroffnung der US-Bundesbehorden nach fast sechs Wochen Stillstand.

Gegen 8:10 Uhr gewinnt der Future-Kontrakt auf den CAC 40 (November-Lieferung) 29 Punkte auf 8.277,5 Punkte und deutet damit auf einen positiven Handelsstart hin.

Der Pariser Markt konnte seit Montag drei aufeinanderfolgende Handelstage mit deutlichen Gewinnen verbuchen. Diese positive Dynamik ermoglichte einen Anstieg um 3,6% und ein neues Allzeithoch von fast 8.281 Punkten im Verlauf des gestrigen Tages.

Auch zahlreiche andere europäische Borsen erreichten am Mittwoch neue Hochststände, darunter der Euro STOXX 50, der Europe STOXX 600 und der deutsche DAX. Sie profitierten von Schnäppchenkäufen insbesondere in den Sektoren Banken und Gesundheit.

Die Beilegung des ,,Shutdowns" in den Vereinigten Staaten, die gestern durch eine positive Abstimmung im Repräsentantenhaus und die abschließende Unterzeichnung durch US-Präsident Donald Trump besiegelt wurde, hat die Risikobereitschaft der Anleger wiederbelebt. Dies führte zu einer Umschichtung von Investitionsstromen in europäische Aktien - zulasten der US-Werte, allen voran der Technologietitel.

Diese Rotation zu Lasten der ,,Tech"-Branche zeigte sich auch an der Wall Street: Der Dow Jones stieg gestern um 0,7% auf neue Rekorde, während der Nasdaq um 0,3% nachgab.

Die Überperformance europäischer Aktienmärkte hat das Gefühl verstärkt, dass Investoren in großem Stil nach Europa zurückkehren - ein Trend, der die Indizes bereits zu Jahresbeginn beflügelt hatte, als Brüssel den gemeinsamen Verteidigungsplan und Deutschland das Konjunkturprogramm vorstellten.

Ein spezifischer Ausloser für dieses Phänomen ist nicht auszumachen, doch Analysten betonen, dass die europäischen Wirtschaftsaussichten trotz weiterhin moderaten Wachstums ,,solide" bleiben - wie die jüngste Erholung der Industrieproduktion belegt.

Darüber hinaus sind europäische Aktien angemessen bewertet, mit besonders günstigen Segmenten. Im Gegensatz dazu leidet der US-Markt unter einer extremen Konzentration auf wenige, inzwischen als überbewertet geltende Technologieriesen.

Was die politische Unsicherheit betrifft, die derzeit in Ländern wie Frankreich herrscht, so erscheint sie vergleichsweise gering im Vergleich zu den nahezu wochentlichen Turbulenzen in Washington.

Hinzu kommen die geldpolitische Lockerung der EZB sowie die Stärke des Euro, die die Renditen in der Region zusätzlich erhoht.

Ein Beweis für das gestiegene Interesse der Investoren: Der Handel mit europäischen Aktien über die OTC Markets-Plattform ist kürzlich um 53% gestiegen und macht nun 56% des täglichen Umsatzes aus.

In einer aktuellen Studie schätzen Ökonomen von JPMorgan, dass die Eurozone demnächst von einem idealen ,,Goldilocks"-Szenario profitieren konnte: moderate, aber nachhaltige Inflation und Wachstum.

Die Strategen von Goldman Sachs hoben gestern hervor, dass europäische Aktien nach ihrer Einschätzung in den nächsten zehn Jahren ein Aufwärtspotenzial von 7,1% bieten konnten - dank steigender Gewinne und Aktionärsrückflüsse. Das wäre mehr als die 6,5% jährliche Rendite, die von US-Werten erwartet werden.

Doch diese notwendigen Faktoren sind womoglich nicht ausreichend. Fast immer ist es das Misstrauen internationaler Anleger gegenüber US-Anlagen, das europäischen Aktiva wieder Attraktivität verleiht.

Das Kräftemessen Europa/USA wird jedenfalls bis zum Jahresende spannend bleiben: Während der Europe STOXX 600 aktuell ein Plus von über 15% für 2025 aufweist, liegt der S&P 500 mit einem Zuwachs von 16,5% im selben Zeitraum noch leicht vorn.