Die Börsengeschichte scheint sich zu wiederholen, beinahe auf den Tag genau. Im Jahr 2025 schickte Donald Trump die Märkte mit den inzwischen legendären reziproken Zöllen auf Talfahrt. Danach brauchten die Anleger nur wenige Wochen, um sich wieder an die Existenz der Theorie des „TACO Trade“ zu erinnern - also an die Idee, auf eine schrittweise Abschwächung der Position des US-Präsidenten zu setzen. Denn Trump beginnt Verhandlungen bekanntlich gern damit, das Tischtuch wegzuziehen, sodass das gesamte Geschirr scheppernd zu Boden geht – möglichst lautstark und maximal spektakulär.

Am 7. April 2025 markierte der Markt sein Tief, zögerte kurz und legte dann wieder den Vorwärtsgang ein. Zwischen dem 22. April und dem 19. Mai verbuchte er in 20 Sitzungen 17 Gewinne. Zwar machten sich viele noch Sorgen über die langfristigen Auswirkungen der Zölle auf die Inflation, gekauft wurde dennoch – einfach, um dabei zu sein. Im Jahr 2026 hat der Krieg im Iran die Rolle der Zölle übernommen. Die Märkte sorgen sich nun um die Auswirkungen hoher Ölpreise auf die Inflation, kaufen aber trotzdem – schließlich hat es im Vorjahr funktioniert.

Die Erholung im April 2026 hat die Wall Street wieder auf Rekordniveau geführt. Trotz einer Vielzahl an Risiken zeigen sich Unternehmen bislang robust, ebenso die Gesamtwirtschaft. „Zumindest vorerst“, wie Ökonomen gerne einschränkend hinzufügen – eine Pflichtübung ihres Berufsstands. Gleichwohl greifen US-Investoren beherzt zu und nutzen Rücksetzer konsequent zum Einstieg. In Europa hingegen ist diese Bereitschaft deutlich geringer – insbesondere bei europäischen Aktien. Die Indizes auf dem Kontinent haben sich trotz Waffenruhe und Hoffnungen auf eine diplomatische Lösung nur schleppend erholt. Der Ölpreis bleibt hoch: Brent notiert bei rund 98 Dollar, WTI bei etwa 93 Dollar – rund 60 Prozent über dem Niveau zu Jahresbeginn.

Ohne die massiven Kapitalzuflüsse in den KI-Sektor sähe das Bild an den Aktienmärkten vermutlich deutlich trüber aus. Analystenberichte der Investmentbanken wären wohl geprägt von Begriffen wie Rezession, Stagflation oder steigender Arbeitslosigkeit. Doch die Sogwirkung der künstlichen Intelligenz überdeckt derzeit viele dieser Risiken. Beim Thema Beschäftigung ist jedoch Vorsicht angebracht – eine Neubewertung dürfte spätestens am 17. April 2027 anstehen.

Aktuell agieren Investoren mit zwei klar getrennten Körben: Auf der einen Seite stehen gefallene Technologiewerte, auf der anderen KI-getriebene Titel. Für den Rest des Marktes interessiert man sich kaum. Schokoladenhersteller wie Barry Callebaut geraten nach schwachen Zahlen massiv unter Druck (-15,6%). Streaming verliert an Reiz: Netflix bricht nachbörslich um 9% ein, belastet von enttäuschenden Prognosen und dem Rückzug eines Mitgründers. Auch Reisen scheinen derzeit nicht hoch im Kurs zu stehen – Airlines und Kreuzfahrtanbieter führen die Verliererlisten an. Und Alstom dürfte ebenfalls keinen Käufer finden: Die Aktie sackt im vorbörslichen Handel nach einer deutlichen Gewinnwarnung um 12% ab.

Auf geopolitischer und makroökonomischer Ebene wollen rund 40 Staaten in Paris über eine Mission in der Straße von Hormus beraten. Das könnte Donald Trump entgegenkommen, der seine Verbündeten jüngst als „Feiglinge“ bezeichnet hatte, nachdem sie sich nicht am Konflikt beteiligen wollten. Eine koordinierte Initiative könnte dazu beitragen, die Risikoprämie beim Ölpreis zu senken. Konjunkturdaten von größerer Bedeutung stehen zum Wochenschluss nicht an.

In Asien zeigt sich die jüngste Rally inzwischen ermüdend: Hongkong verliert 1,3%, Japan 1,0%, Südkorea 0,5% und Australien 0,2%. Indien hingegen entzieht sich weitgehend den globalen Bewegungen und legt um 0,3% zu. Europa bleibt derweil unentschlossen – die Leitindizes tendieren um die Nulllinie.

Wirtschaftliche Höhepunkte:

Auf der heutigen Agenda: die Handelsbilanz in Italien und der Eurozone; in China die ausländischen Direktinvestitionen im Jahresvergleich; in Kanada die Wohnungsbaubeginne; in den Vereinigten Staaten die Reden von Fed Barkin und Fed Waller. Die gesamte Agenda gibt es hier.

  • EUR / USD: 1,18 $
  • Gold: 4.786,32 $
  • Rohöl (Brent): 98,29 $
  • Anleihe Vereinigte Staaten 10 Jahre: 4,32 %
  • BITCOIN: 74.817,8 $

In den Nachrichten:

  • Adecco hat erfolgreich eine Hybridanleihe über 450 Millionen Euro mit Laufzeit bis 2056 platziert.
  • SIG: Die Aktionäre haben den Vergütungsbericht 2025 abgelehnt. Alle anderen Anträge an der Generalversammlung wurden angenommen.
  • Gerresheimer hat sich mit seinen Kreditgebern auf eine Fristverlängerung für den Jahresabschluss 2025 geeinigt. Die Aktie legte daraufhin deutlich zu.
  • Sulzer hat in Libyen ein Joint Venture gegründet, das Dienstleistungen für die Öl- und Gasindustrie anbieten soll.
  • Volkswagen rechnet im ersten Quartal nach einer Wertberichtigung in den USA mit einer Belastung von bis zu 600 Millionen Dollar.
  • BASF investiert 40 Millionen Euro in die Modernisierung seiner Anlagen zur Saatgutbehandlung in den Niederlanden.
  • Oversea-Chinese Banking / HSBC Holdings: Oversea-Chinese Banking führt das Bieterverfahren für das indonesische Privatkundengeschäft von HSBC Holdings an. Der Bereich wird mit 350 Millionen Dollar bewertet.
  • EagleRock hat in den Unterlagen für seinen Börsengang in den USA einen deutlichen Umsatzanstieg auf 72,2 Millionen Dollar gemeldet.
  • D'Ieteren bereitet laut der Financial Times den Börsengang von Belron (Carglass) vor. Das Unternehmen könnte mit 30 Milliarden Euro bewertet werden.
  • Kone / TK Elevator: Kone befindet sich laut Bloomberg in fortgeschrittenen Gesprächen über eine Übernahme von TK Elevator.
  • Ericsson hat im ersten Quartal einen Rückgang bei Umsatz und Nettogewinn gemeldet.
  • Pirelli erhöht seine Preise, um die Folgen der Krise im Nahen Osten abzufedern.
  • Wereldhave hat für das erste Quartal Mieteinnahmen von netto 38,97 Millionen Euro ausgewiesen.
  • Julius Bär hat eine vorrangige Anleihe über 500 Millionen Franken in zwei Tranchen platziert.
  • Novo Nordisk / Eli Lilly: Eine Studie zeigt, dass die neue Adipositas-Therapie von Novo Nordisk die fettfreie Körpermasse besser erhält als das Präparat von Eli Lilly.
  • CEPD / DocMorris: CEPD hat keine Pläne, DocMorris auf indirektem Weg zu übernehmen.
  • Wärtsilä liefert mit seinem Motor 34SG erstmals Technik für Rechenzentren. Das Unternehmen ist an einem Projekt mit 412 MW in den USA beteiligt.
  • Netflix verlor nachbörslich 9,8%, nachdem das Unternehmen Quartalszahlen vorgelegt und den Abgang seines Mitgründers angekündigt hatte.
  • OpenAI / Cerebras: OpenAI will laut The Information mehr als 20 Milliarden Dollar in Chips von Cerebras investieren und sich an dem Unternehmen beteiligen.
  • Ford will laut dem Wall Street Journal seine Partnerschaften mit chinesischen Autoherstellern ausbauen.
  • Intel / Samsung: Intel holt einen erfahrenen Chipmanager von Samsung, um sein Foundry-Geschäft zu stärken.
  • Meta erhöht in den USA wegen Engpässen bei Bauteilen die Preise für Quest-Headsets.
  • Lockheed Martin hat von der US Space Force einen Auftrag über 105 Millionen Dollar zur Modernisierung des GPS-Systems erhalten.

Weitere Nachrichten von Unternehmen, die in Deutschland notiert sind, finden Sie hier.

Analystenempfehlungen:

  • At&S - Austria Technologie & Systemtechnik Aktiengesellschaft: Deutsche Bank hält an seiner Kaufempfehlung fest und erhöht das Kursziel von 82 EUR auf 100 EUR.
  • Vat Group Ag: Deutsche Bank hält an seiner Halte-Empfehlung fest und erhöht das Kursziel von CHF 520 auf CHF 550.
  • Hensoldt Ag: Stifel gibt eine Kaufempfehlung mit einem Kursziel von 90 EUR ab.
  • Adidas: BNP Paribas hält an seiner Outperform-Empfehlung fest und senkt das Kursziel von 200 auf 185 EUR.
  • Pfisterer Holding Se: Landesbank Baden-Wuerttemberg hält an seiner Kaufempfehlung fest und erhöht das Kursziel von 80 auf 100 EUR.
  • Barry Callebaut Ag: Barclays hält an seiner Untergewichtungsempfehlung fest und reduziert das Kursziel von CHF 1275 auf CHF 1020.
  • Nemetschek Se: Morgan Stanley hält an seiner Marktgewichtungsempfehlung fest und reduziert das Kursziel von 83,75 EUR auf 74,25 EUR.
  • United Internet Ag: UBS hält an seiner Kaufempfehlung fest und reduziert das Kursziel von 31,80 auf 31,30 EUR.
  • Voestalpine Ag: Citi hält an seiner neutralen Empfehlung fest und erhöht das Kursziel von 42 auf 45 EUR.
  • Alstom: Goldman Sachs hält an seiner Verkaufsempfehlung fest und senkt das Kursziel von 21,50 EUR auf 18,50 EUR.
  • Asml Holding N.v.: Kempen hält an seiner neutralen Empfehlung fest und erhöht das Kursziel von 1250 auf 1320 EUR.
  • Kering: Grupo Santander hält an seiner Outperform-Empfehlung fest und reduziert das Kursziel von 355 auf 334 EUR.