Der britische Branchenverband SMMT erklärte am Donnerstag, dass Automobilhersteller umgehend Klarheit darüber benötigen, ob Großbritannien im Rahmen des Industrial Accelerator Act (IAA) der Europäischen Kommission als "Made in EU" eingestuft wird, da die anhaltende Ungewissheit Investitionen zu verzögern droht.

Die Handelsunsicherheit fällt in eine Zeit, in der sowohl Großbritannien als auch die EU einem harten Wettbewerb durch preisgünstige chinesische Elektrofahrzeuge ausgesetzt sind.

"Das Ziel bestand darin, die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Industrie gegenüber der zunehmenden Herausforderung durch Niedriglohnländer aus Fernost zu stärken. Wir sind kein Niedriglohnland. Die Absicht dieser Verordnung war es nicht, den Handel zwischen der EU und dem Vereinigten Königreich zu beeinträchtigen", sagte SMMT-Geschäftsführer Michael Hawes vor Journalisten.

Der IAA legt Anforderungen an niedrige CO2-Emissionen und das Label "Made in EU" für die öffentliche Auftragsvergabe oder Subventionen bei der Herstellung von Aluminium, Zement, Stahl, erneuerbaren Energien und Green Tech fest.

Dem Vorschlag zufolge würden Länder, mit denen die EU Handelsabkommen geschlossen hat, unter "Made in EU" fallen, wobei etwaige Ausschlüsse erst nach der Verabschiedung des IAA veröffentlicht werden sollen, was mindestens ein Jahr dauern könnte.

Hawes betonte jedoch, dass die Automobilindustrie früher eine politische Erklärung zu Großbritannien benötige - idealerweise noch vor dem für Juni oder Juli geplanten EU-UK-Gipfel. Ein spezifischer IAA-Anhang für Automobilhersteller würde vorschreiben, dass Fahrzeuge in der EU montiert werden müssen, was britische Hersteller ausschließen könnte.

Laut SMMT beläuft sich der jährliche Wert des Automobilhandels zwischen der EU und Großbritannien auf rund 80 Milliarden Euro (94,34 Milliarden Dollar), und beide Seiten bleiben füreinander die größten Absatzmärkte für Personenkraftwagen. Zudem sei Großbritannien der größte Abnehmer von Automobilkomponenten aus der EU, so der SMMT unter Berufung auf UN-Daten.

"Ohne einen klaren Hinweis von Beginn an liegt für einige Jahre ein Schatten über der britischen Automobilindustrie. Es ist schwieriger, Investitionen im Vereinigten Königreich auf die Tagesordnung einer Vorstandssitzung zu setzen, wenn man die Zukunft nicht kalkulieren kann. Wir bemühen uns jetzt um eine klare politische Aussage", sagte Hawes.

(1 Dollar = 0,8480 Euro)