In meiner heutigen Kolumne befasse ich mich mit einem akuten Problem, mit dem die Fed und andere G4-Zentralbanken angesichts der anziehenden Inflation plötzlich konfrontiert sind: negative Realzinsen. Diese wirken stark stimulierend - das Letzte, was die Währungshüter derzeit brauchen.
Falls Sie mehr Zeit zum Lesen haben, empfehle ich Ihnen die folgenden Artikel, um das heutige Marktgeschehen besser einordnen zu können.
1. Globaler Ausverkauf bei Anleihen verschärft sich durch anhaltenden Iran-Krieg und schürt Inflationsängste
2. Ein neuer Tag bei der Fed, doch die Prognosen für Warsh, Trump und die USA bleiben vage
3. G7-Finanzchefs wollen Ungleichgewichte infolge des Bond-Sell-offs angehen
4. Citi kooperiert mit BlackRocks HPS für ein 17,5 Milliarden Dollar schweres Private-Credit-Programm
5. Samsung Electronics und Gewerkschaft verlängern Gespräche, um Streik in globalen Lieferketten abzuwenden
Wichtige Marktbewegungen des Tages
o AKTIEN: Japan -1%, Australien -1,5%; UK +1%, Europa +0,5%. S&P 500 und Nasdaq im Minus, Dow +0,3%.
o SEKTOREN/AKTIEN: Vier S&P 500-Sektoren fallen, sieben steigen. Tech -1%, Energie +1,8%. Philly-Halbleiterindex -2,5%, Micron Technology -6%, Nvidia -1,3%. Dominion Energy +9,5%, 3M +4%.
o DEVISEN: Der Dollar-Index markiert ein 6-Wochen-Hoch, schließt dann aber erstmals seit sechs Tagen niedriger. Das Pfund Sterling ist der größte G10-Gewinner. Bitcoin fällt den vierten Tag in Folge.
o ANLEIHEN: Langläufer brechen ein - Rendite 30-jähriger JGBs auf Rekordhoch, 30-jährige Bunds auf höchstem Stand seit 2011, 30-jährige Gilts höchster Stand seit 1998. Treasuries schließen nahezu unverändert.
o ROHSTOFFE/METALLE: Öl legt zu, Gold +0,5%.
Die Themen des Tages
* Alarmsignale am Rentenmarkt werden lauter
Die Renditen von US-Staatsanleihen und vielen anderen entwickelten Volkswirtschaften schlossen am Montag zwar niedriger, markierten zuvor jedoch neue historische Höchststände. Die Investoren führten den Notenbankern damit erneut vor Augen, wie sie die Inflationsaussichten einschätzen. Und das Bild ist düster.
Am kurzen Ende der Kurve nehmen die Zinserwartungen zu, während am langen Ende die Renditen auf Mehrjahreshoch liegen, da die Inflationserwartungen zu entankern drohen. Japans Renditen für Langläufer waren nie höher. Die Mischung aus Energieschock, Angebotsengpässen und fiskalischen Sorgen fordert ihren Tribut. Können die Zentralbanker den Geist wieder in die Flasche zurückholen?
* Chinas Binnenprobleme
Die jüngsten Wirtschaftsdaten aus China für April waren laut Barclays ein 'besonders besorgniserregender Realitätscheck'. Einzelhandelsumsätze, Industrieproduktion und Kreditnachfrage blieben hinter den Erwartungen zurück, was die größte Volkswirtschaft Asiens zu Beginn des zweiten Quartals auf ein schwaches Fundament stellt.
Die Ökonomen von Barclays weisen auf drei spezifische Problemfelder hin: die sich verlangsamende Industrieproduktion trotz starken Exportwachstums, die deutliche Verschlechterung des privaten Konsums und die zunehmende Entschuldung der privaten Haushalte, die zu den höchsten Nettokreditrückzahlungen aller Zeiten führte. Alles deutet auf eine schwache Binnennachfrage hin.
* Die Kostenrechnung
Sofern in den nächsten 10 Tagen keine dauerhafte Lösung gefunden wird, geht der Iran-Krieg bald in seinen vierten Monat. Die Auswirkungen auf die Unternehmen zeigten sich bisher vor allem in sprunghaft ansteigenden Öl- und Energiepreisen, doch die Folgen sind weitreichender.
Eine Reuters-Analyse von 279 Unternehmensberichten aus den USA, Europa und Asien ergab, dass sich die Kosten für die Unternehmen bereits auf mindestens 25 Milliarden Dollar belaufen - Tendenz steigend. Zum Vergleich: Bis zum vergangenen Oktober hatten hunderte Unternehmen Kosten von mehr als 35 Milliarden Dollar infolge der Zölle von Präsident Donald Trump für 2025 gemeldet. Zusammen mit den steigenden Anleiherenditen gerät die Rentabilität der Unternehmen unter Druck.
Was könnte die Märkte morgen bewegen?
o Entwicklungen im Nahen Osten
o Verbrauchervertrauen Australien (Mai)
o BIP Japan (Q1, vorläufig)
o Reden von Philip Lane und Claudia Buch (EZB)
o Handelsbilanz Eurozone (März)
o Arbeitslosenquote UK (März)
o Rede von Sarah Breeden (Bank of England, Vize-Gouverneurin für Finanzstabilität)
o Inflation Kanada (April)
o Geplante Reden von US-Notenbankvertretern: Gouverneur Christopher Waller, Anna Paulson (Fed Philadelphia), Cheryl Venable (Interimspräsidentin Fed Atlanta)
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Die geäußerten Meinungen sind die des Autors. Sie spiegeln nicht die Ansichten von Reuters News wider, das gemäß den Trust Principles der Integrität, Unabhängigkeit und Freiheit von Voreingenommenheit verpflichtet ist.

















