Die widersprüchlichen Signale aus Washington zum Nahostkonflikt scheinen die Märkte nicht mehr zu beunruhigen, denn sie setzen aktuell wohl auf eine baldige Lösung. Eine zentrale Frage bleibt aber noch offen: Ist mit einem Abkommen zu rechnen, das eine Verlängerung des Waffenstillstands um 60 Tage sowie die Wiederöffnung der Meerenge vorsieht, oder kommt es ganz im Gegenteil zu einem baldigen Wiederaufflammen der militärischen Konfrontation? Noch scheint nichts entschieden, obwohl der Konflikt bereits seit drei Monaten andauert. Dennoch ist die Risikobereitschaft an den Märkten ungebrochen, wie die praktisch im Tagesrhythmus an der Wall Street aufgestellten Rekorde zeigen. Diese speisen sich vor allem aus dem anhaltenden KI-Hype.
Wochenperformance*
DAX
25.104  +0,87 %Chart EURO / US DOLLAR
STOXX EUROPE 600
626  +0,14 %
Chart STOXX EUROPE 600
S&P 500
7.580,06  +1,43 %
Chart S&P 500
NIKKEI 225
66.385  +4,83 %
Chart NIKKEI 225
GOLD
4.538,16 $  -0,64 %
Chart GOLD
BRENT CRUDE OIL ...
91,6 $  -7,15 %
Chart BRENT CRUDE OIL ...
EURO / US DOLLAR
1,17 $  +0,14 %
Chart EURO / US DOLLAR
Tops / Flops der Woche

TOPS EUROPA

Akzo Nobel +26,56 %: Der niederländische Hersteller von Farben und Beschichtungen profitierte von der Ablehnung eines 12,5 Mrd. EUR schweren Übernahmeangebots von Nippon Paint und Sherwin-Williams. Die Offerte wurde zwar zurückgewiesen, doch versieht sie das Unternehmen mit einem Preisschild und lässt das Szenario einer Übernahmeschlacht wieder aufleben.

Salvatore Ferragamo +22,73 %: Das für seine Schuhe und Lederwaren bekannte italienische Luxus-Modelabel erhielt Auftrieb von der Ankündigung eines Aktienrückkaufprogramms im Volumen von bis zu 53 Mio. EUR. Ein willkommener Impuls für den Titel, der sich ohnehin bereits in einer Erholungsphase befindet.

Air France-KLM +14,43 %: Nach Entspannungssignalen an der Straße von Hormus gab der Brent-Preis diese Woche um circa 7% nach, was der französisch-niederländischen Fluggesellschaft zugutekam. Die Abschwächung eines der größten Kostenfaktoren der Branche wird vom Markt begrüßt.

Derichebourg +7,42 %: Der Recycling-Spezialist und Dienstleister für Unternehmen verzeichnete Kursgewinne dank überraschend starker Halbjahreszahlen: Das bereinigte EBITDA stieg um 9,7% und die Jahresprognose wurde angehoben. Die Analysten zogen nach und korrigierten ihre Schätzungen nach oben.

FLOPS EUROPA

Electrolux -42,19 %: Nach einer technischen Anpassung im Zusammenhang mit der Abspaltung der Bezugsrechte aus der Kapitalerhöhung kam es zu einem Kursrutsch. Der Haushaltsgerätehersteller notiert nun ex Bezugsrechte, da diese separat gehandelt werden. Der Preis wurde auf 16,75 SEK je neue Aktie festgelegt und lag damit deutlich unter dem vorherigen Niveau, was zwangsläufig zu einer Abwärtskorrektur führte.

Flow Traders -17,55 %: Die Analysten der ING haben die Aktie von Halten auf Verkaufen herabgestuft und das Kursziel gesenkt. Der Bank zufolge hat die vor zwei Jahren mit der Aussetzung der Dividende eingeleitete Strategie keine Früchte getragen. Der Anbieter börsennotierter Produkte verliere weiterhin Marktanteile.

Teleperformance -12,69 %: Nach Ausschüttung einer Dividende von 4,50 EUR je Aktie verlor der Titel des Callcenter-Betreibers an Boden. Das Unternehmen gab zudem den Abschluss des Rückkaufs von ausgegebenen Anleihen im Wert von fast 600 Mio. EUR bekannt - finanziert durch eine neue Anleiheemission in Höhe von 1,2 Mrd. EUR, die letzte Woche abgeschlossen wurde.

BP plc -5,33 %: Der Ölriese ließ verlauten, dass Unternehmenschef Albert Manifold mit sofortiger Wirkung von seinen Ämtern als Vorsitzender und Direktor des Verwaltungsrats entbunden worden sei. Begründet wurde der Schritt mit schwerwiegenden Bedenken in Bezug auf wichtige Governance-Standards, Aufsicht und Verhalten.

TOPS USA

Dell Technologies
+42,59 %: Bereits im vorbörslichen Handel kletterte der Kurs dank der über den Erwartungen liegenden Geschäftszahlen um fast 40%. Das Management knüpfte an diese Dynamik an und korrigierte den Ausblick für das Geschäftsjahr 2026 nach oben.

Snowflake +48,4 %: Auch Snowflake profitiert vom KI-Boom: Das auf Cloud-Lösungen spezialisierte Unternehmen übertraf sowohl die selbst gesteckten Ziele als auch die Analystenschätzungen und hob daraufhin seine Prognosen an. Zudem verkündete Snowflake eine über mehrere Jahre laufende strategische Kooperationsvereinbarung mit Amazon Web Services (AWS) und die Übernahme von Natoma. Das Unternehmen entwickelt eine Model-Context-Protocol-(MCP)-Plattform für KI-Agenten in Unternehmen.

FLOPS USA

Zscaler 
-23,38 %: Ungeachtet des eher positiv verlaufenen 1. Quartals brach der Kurs des Cybersicherheitsunternehmens ein. Der Ausblick für das 2. Quartal wurde als zu konservativ eingeschätzt. Den Analysten von Oppenheimer zufolge dürften auch personelle Veränderungen im Vertrieb die Ergebnisse belasten.

PDD Holding -10,66 %: Die Muttergesellschaft von Temu überraschte den Markt - im negativen Sinne. Im 1. Quartal verbuchte das Unternehmen einen unerwarteten Rückgang im Vergleich zum Vorjahreszeitraum, und auch der Umsatz blieb hinter den Marktschätzungen zurück. Laut Co-Unternehmenschef Lei Chen markiere das Berichtsquartal den Beginn tiefgreifender Veränderungen im Geschäft des Unternehmens.

Chart Rohstoffe
Rohstoffe

Energie: Die Rohölpreise gaben diese Woche erneut stark nach: Der Brent-Preis fiel um 8%, die US-Referenzsorte WTI verbilligte sich um 5%. Damit erreichten die Preise fast wieder die Talsohle des Monats April. Brent notiert aktuell bei ca. 91 USD, WTI bei 87,50 USD je Barrel. Die Korrektur spiegelt die Markterwartungen hinsichtlich einer möglichen Lösung des Nahostkonflikts wider; dennoch ist noch vieles unklar. Washington und Teheran sollen eine Absichtserklärung unterzeichnet haben, mit der die Waffenruhe um 60 Tage verlängert und die Blockade der Straße von Hormus beendet werden soll. Allerdings steht die Vereinbarung noch unter dem Vorbehalt der Zustimmung von US-Präsident Donald Trump, und auch die zuständigen iranischen Regierungsstellen haben den Abschluss noch nicht bestätigt. Ungeachtet dessen blieb sich der Markt aber treu und sah das Glas eher halb voll. Die Wiederöffnung der Meerenge würde dem Rohölmarkt sofortige Erleichterung verschaffen, denn damit könnten die Öl- und Flüssigerdgaslieferungen aus dem Persischen Golf wieder anlaufen.

Metalle: Ausgelöst durch Meldungen über eine mögliche Waffenruhe zwischen den USA und dem Iran setzte Gold Ende der Woche zu einer Erholung an. Ein schwacher Dollar und niedrige US-Anleiherenditen trugen das ihre zum erneuten Anstieg des Goldkurses bei. Ob sich die diplomatischen Fortschritte indes als nachhaltig erweisen werden, betrachten die Märkte noch mit Skepsis. Die Unsicherheiten im Zusammenhang mit den hohen Energiepreisen schüren die Inflationsrisiken, was die Erwartung längerfristig hoher Zinsen untermauern könnte. Diese Aussichten sind für Gold im Allgemeinen ungünstig, da das gelbe Metall keine Rendite abwirft. Im Wochenverlauf verzeichnete Gold somit unter dem Strich einen leichten Rückgang um 0,1%. In London beobachten wir Woche für Woche das gleiche Spiel: So hat sich der Preis für eine Tonne Kupfer bei 13.700 USD eingependelt. In Erwartung des Ausgangs der Friedensverhandlungen zwischen den USA und dem Iran setzt sich der Seitwärtstrend fort.

Agrarrohstoffe: In Chicago ging der Weizenpreis leicht auf 625 Cent je Scheffel zurück (Kontrakt mit Fälligkeit im Juli 2026). Die Grundtendenz bleibt jedoch positiv, da aufgrund der Dürre in den USA mit rückläufigen Ernteerträgen gerechnet wird. Die anderen weltweit führenden Weizenproduzenten veröffentlichten indes optimistischere Ernteprognosen, was das kurzfristige Kurspotenzial begrenzt. Auch Mais verlor an Boden und sank auf 454 Cent je Scheffel (Kontrakt mit Fälligkeit im Juli 2026), da die Preise für Biokraftstoffe von den fallenden Ölpreisen in Mitleidenschaft gezogen wurden. Soja stabilisierte sich bei 1.200 Cent je Scheffel (Kontrakt mit Fälligkeit im Juli 2026). Mit einem Anstieg in dieser Woche um nahezu 10% gerät Kakao wieder in die Schlagzeilen. Verantwortlich für diesen erneuten sprunghaften Preisanstieg sind in erster Linie die Sorgen über die Witterungsbedingungen in Westafrika.

Chart Rohstoffe
Makroökonomie

Marktstimmung: Während die Straße von Hormus nach wie vor blockiert ist, befeuert die Hoffnung auf ein Friedensabkommen zwischen dem Iran und den USA weiterhin den Aufschwung an den Aktienmärkten. Diese sind jedoch noch immer stark auf Technologiewerte fokussiert. Auch der Ölmarkt möchte gern an ein Ende des Konflikts glauben, doch ist es noch zu früh, um eine Lösung zu verkünden. An der Anleihefront ließ der Druck etwas nach, wie an der Rendite 10-jähriger US-Treasuries ablesbar war, die die Marke von 4,70% touchierte. Doch müsste die Unterstützungslinie von 4,44% deutlich durchbrochen werden, um eine deutlichere Entspannung in Richtung 4,24% einzuläuten. Die mit Spannung erwartete Unterzeichnung des Friedensabkommens dürfte auch den Edelmetallen zugutekommen, die in den letzten Monaten unter besonderem Druck standen. Der US-Dollar dürfte sich hingegen wieder konsolidieren. Bleibt zu hoffen, dass das letzte Maiwochenende im Zeichen guter Nachrichten steht.

Kryptowährungen: Für den Bitcoin (BTC) ging es bereits die dritte Woche in Folge bergab. Die marktführende Kryptowährung verlor diese Woche fast 5% und fiel erneut auf rund 73.000 USD. Bereits in den beiden vorangegangenen Wochen hatte der BTC 6,8% abgegeben. In den letzten Wochen folgte er eher dem Trend des Goldpreises, statt sich wie zuvor an Technologiewerten zu orientieren. In den vergangenen Jahren hatten wir uns ja praktisch schon daran gewöhnt, dass er sich im Sog der Big-Tech-Aktien bewegte. Damals war allerdings von der KI-Euphorie noch nichts zu spüren. Heute scheinen die Anleger eher dem Potenzial der KI als den technischen Parametern des BTC zuzuneigen. Der Kryptomarkt braucht daher wohl eigene positive Impulse, um wieder an Attraktivität zu gewinnen. Angesichts des KI-Booms ist das aber alles andere als einfach. Unterdessen drehten auch die anderen Kryptowährungen ins Minus: Der Ether (ETH) fiel um 5% und rutschte wieder unter die Schwelle von 2.000 USD, der Solana (SOL) gab um 4,5% auf 81 USD nach, und der XRP musste einen Rücksetzer von 3,5% auf 1,30 USD verkraften.

Kurs und Volumen
In diesem Jahr wäre die berühmte britische Börsenweisheit ein denkbar schlechter Rat gewesen. Eindeutig besser war es nämlich, im Mai investiert zu bleiben.
Denn die Aktienmärkte legten zu: in Europa nur leicht, in den USA schon etwas stärker. Und noch deutlicher in Südkorea und Japan, wo der KI-Hype spektakuläre Kurssprünge auslöste.
Derweil bleiben die Anleger den Ölpreisschwankungen ausgeliefert, während die USA und der Iran kurz vor einer Einigung zu stehen scheinen, ohne dass diese jedoch bereits durch Handschlag besiegelt worden wäre.
In der ersten Juniwoche stehen am Dienstag die Zahlen zur Inflation in Europa im Mai an sowie die üblichen monatlichen US-Arbeitsmarktdaten (Freitag).
Auch die Berichtssaison sollte man noch nicht ganz abschreiben, denn Hewlett-Packard, Palo Alto, Broadcom, CrowdStrike und Inditex veröffentlichen in der kommenden Woche ihre Zahlen.
Das gesamte MarketScreener-Team wünscht Ihnen ein schönes und sonniges Wochenende!
*Die Wochenperformance der Indizes und Aktien bezieht sich auf den Zeitraum von der Eröffnung der Märkte am Montag bis zur Erstellung dieses Newsletters am Freitag.
Die Wochenperformance von Rohstoffen, Edelmetallen und Währungen bezieht sich auf den 7-Tage-Zeitraum von Freitag bis Freitag (bis zur Erstellung des Newsletters). Diese Vermögenswerte notieren auch an Wochenenden.