(Alliance News) - Die Consob wirft der Borsa Italiana eine "wiederholte und systematische Verletzung" der Governance-Regeln vor. Der Verwaltungsrat sei zu einer "passiven, uninformierten" Rolle degradiert worden und zeige kaum Bewusstsein für die eigene Verantwortung.
Wie die Zeitung Il Messaggero am Dienstag berichtet, geht aus dem Inspektionsbericht hervor, dass das Board faktisch auf seine Funktionen verzichtet habe, indem es Entscheidungen auf Euronext-Ebene in einem mangelhaften Informationsumfeld akzeptierte.
Im Visier steht die Aushöhlung lokaler Befugnisse: Die Tarifhoheit wurde dem Generaldirektor entzogen, der CEO beschränkte sich darauf, Entscheidungen Dritter zu kommunizieren, und Budgets wurden lediglich formal abgesegnet. Ein Bild, das die "völlige Trägheit" des Verwaltungsrats verdeutlicht.
Diese Kritikpunkte überschneiden sich mit dem Rechtsstreit um die Governance: Das Gericht in Amsterdam gab Euronext bei der Wiederbestellung des CEO recht - eine Entscheidung, gegen die CdP Equity Berufung einlegen will.
Die Consob kritisiert zudem die mangelnde Debatte im Verwaltungsrat über den Debt-Pushdown in Höhe von 1,8 Mrd. EUR. Die Rechtfertigung hierfür wurde als "inkonsistent" bezeichnet, zudem wurden gravierende Informationsmängel und interne Asymmetrien gemeldet.
Beanstandungen gab es auch bei Kontrollen und Vergütungen: Ausgelagerte Funktionen wurden nach unklaren Regeln und mit oberflächlichen Prüfungen verwaltet, während Vergütungen ohne angemessene Dokumentation genehmigt wurden.
Insgesamt habe die Borsa Italiana unter Verletzung der Vorschriften agiert und dabei eine "marginale und wenig bewusste" Rolle eingenommen.
Von Giuseppe Fabio Ciccomascolo, Alliance News Senior Reporter
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