Einer Reuters-Umfrage unter Analysten und Portfoliomanagern zufolge könnte der paneuropäische Stoxx 600 um 11 % zulegen und 623 Punkte erreichen – nach einem Anstieg von 11,9 % im Jahr 2025. Europäische Aktien, so die Experten, gelten als weniger anfällig für eine mögliche Korrektur im Zusammenhang mit der Entwicklung der künstlichen Intelligenz und könnten daher stabiler bleiben als ihre US-Pendants. Das Jahr begann mit einer Aufwärtsbewegung, die durch das Aussetzen der Schuldenbremse in Deutschland und zunehmende Handelskonflikte zwischen Europa und den USA unter dem erneut gewählten Präsidenten Donald Trump ausgelöst wurde. Das Resultat: Eine anhaltend positive Dynamik in Europa, während die US-Börse erst im zweiten Halbjahr richtig Fahrt aufnahm.
Die anhaltende Unterbewertung europäischer Aktien im Vergleich zu US-Werten steigert die Attraktivität des alten Kontinents zusätzlich. „Die Bewertungsdifferenz erreicht Rekordhöhen“, betont Kevin Thozet, Mitglied des Investmentkomitees von Carmignac, der von einer schrittweisen Aufholbewegung und einer Konvergenz der wirtschaftlichen Entwicklung ausgeht. So könnte der EuroStoxx 50 bis Ende 2026 auf 5.900 Punkte steigen (+6,7 %) und zur Jahresmitte 2027 sogar 5.955 Punkte erreichen. Für den DAX erwarten Experten 25.500 Punkte (+9,7 %), getragen von Aufrüstungs- und Infrastrukturplänen des Deutschen Bundeskanzlers Friedrich Merz. In Frankreich könnte der CAC 40 um 8 % auf 8.600 Punkte zulegen, trotz der anhaltenden politischen Unsicherheiten.
Wall Street: Tech bleibt Zugpferd, Inflation bleibt Risiko
Für den S&P 500 erwartet die Reuters-Umfrage einen Anstieg auf 7.490 Punkte bis Ende 2026 (+11,7 %), Evercore ISI sieht sogar einen Höchststand bei 7.750 Punkten. Die Entwicklung basiert auf den starken Unternehmenszahlen, mit einem prognostizierten Gewinnwachstum von 14,3 % für 2026 – maßgeblich getrieben durch KI-Technologien. Allerdings könnten eine mögliche Rückkehr der Inflation und Unsicherheiten über die Zinspolitik der Fed diese Dynamik gefährden. Acht von vierzehn befragten Experten halten eine Korrektur in den nächsten drei Monaten für wahrscheinlich. Hinzu kommen die Unberechenbarkeit von Donald Trump und die erwarteten Handelskonflikte, die das Jahr 2026 vor den US-Kongresswahlen prägen dürften. Für den Dow Jones werden 50.566 Punkte erwartet, aktuell notiert der Index bei 47.112 Punkten.
Vor einem Jahr rechneten die Strategen damit, dass der S&P 500 zum Jahresende 6.500 Punkte erreichen würde – heute liegt der breite US-Index bereits 5 % darüber. In diesem Umfeld würden die Profis wohl lieber falsch liegen, als richtig zu liegen und im Dezember einen deutlichen Rücksetzer zu erleben. Auf europäischer Seite lag die Prognose für den Stoxx Europe 600 Ende 2025 bei 536 Punkten, tatsächlich bewegt sich der Index derzeit um die 574 Punkte und liegt damit rund 7 % über der damaligen Einschätzung.



















