Bitcoin konnte das in der vergangenen Woche kurzzeitig zurückeroberte Niveau von 79.000 USD nicht halten und hat sich seither bei rund 77.000 USD eingependelt.
Auf kürzeren Zeithorizonten fiel der Rückgang mit einem Minus von etwa 1 % im Nasdaq 100 zusammen, nachdem enttäuschende Nachrichten von OpenAI zu Umsatz und Nutzerwachstum die Stimmung belastet hatten. In diesem Kontext verhält sich BTC weiterhin wie ein High-Beta-Risikoasset, das sensibel auf Veränderungen im Sentiment rund um Technologie und künstliche Intelligenz reagiert.
Auf längere Sicht bleibt Bitcoin jedoch ein eigenständiger monetärer Vermögenswert mit einem strukturellen Zyklus, der durch den vierjährigen Halving-Rhythmus geprägt ist. Gemessen daran befindet sich der Markt weiterhin in einer Bärenphase: BTC notiert rund 39 % unter seinem Allzeithoch vom Oktober 2025.
Historisch deutet der Halving-Zyklus darauf hin, dass eine nachhaltige Aufwärtsphase erst später im Zyklus einsetzt, wobei frühere Bärenmärkte etwa ein Jahr andauerten. Dennoch folgt der Markt keinem festen Zeitplan: Entscheidend ist vielmehr die Entwicklung der Kostenbasis und der Angebotsstruktur. Ein Boden entsteht, wenn das Angebot absorbiert wird – nicht zu einem bestimmten Zeitpunkt.
Wie Bärenmärkte bei Bitcoin enden
Analysen von Glassnode zeigen, dass das Ende eines Bärenmarktes nicht durch ein einzelnes Ereignis ausgelöst wird, sondern durch eine Abfolge struktureller Veränderungen.
Zunächst kommt es zur Kapitulation: Starke Kursrückgänge führen zu einem Anstieg realisierter Verluste, da schwächere Marktteilnehmer ihre Positionen aufgeben. Diese Phase markiert häufig die Erschöpfung der Verkäufer.
Darauf folgt eine weniger sichtbare, aber entscheidende Phase: Langfristige Investoren beginnen, das Angebot zu absorbieren. Während kurzfristige Anleger mit Verlust verkaufen, wechseln Coins in „stärkere Hände“. Das reduziert das verfügbare Angebot und schafft die Grundlage für eine Stabilisierung der Preise. In früheren Zyklen fiel diese Phase mit einem hohen Anteil verlusttragender Positionen zusammen – ein Zeichen maximaler Skepsis.
Anschließend tritt der Markt in eine Gleichgewichtsphase ein: Kennzahlen zu Gewinnen und Verlusten gleichen sich an, die Volatilität sinkt und die Kurse stabilisieren sich. Der Boden entsteht typischerweise in dieser Phase – nicht in einer schnellen Erholung, sondern in einer Phase der Gleichgültigkeit.
Die Erholung beginnt meist leise: Erste Nachfrage kehrt zurück, häufig von langfristigen Investoren und institutionellen Akteuren, während die breite Marktteilnahme noch begrenzt bleibt. Bitcoin kann dabei wichtige On-Chain-Kostenbasen zurückerobern, wodurch der Verkaufsdruck nachlässt. Dieser Prozess verläuft schrittweise und selten narrativ getrieben.
Über mehrere Monate hinweg entfaltet sich diese Dynamik im Einklang mit dem Halving-Zyklus, da das reduzierte Angebot den Markt zunehmend anfälliger für neue Nachfrage macht.
Die Schwelle von 79.000–81.000 USD
Die zentrale Frage ist nun, wo sich Bitcoin innerhalb dieses Prozesses befindet. Die Antwort ist differenziert: Der Markt scheint die frühen Phasen des Bärenmarktes hinter sich gelassen zu haben, doch die Bodenbildung ist noch nicht abgeschlossen.
So haben die realisierten Verluste seit Februar deutlich zugenommen und nähern sich laut Coinglass den Niveaus des Bärenmarktes von 2022. Gleichzeitig ist das Angebot langfristiger Halter zuletzt gestiegen, nachdem es seit Oktober rückläufig war – ein Hinweis darauf, dass stärkere Hände beginnen, die Kontrolle zu übernehmen.
Dennoch könnte es verfrüht sein, bereits aggressiv Positionen aufzubauen.
Der Kryptoanalyst Willy Woo betont, dass ein nachhaltiger Boden in der Regel eine längere Seitwärtsphase erfordert, um eine tragfähige Struktur zu bilden. Er beschreibt den Prozess in zwei Schritten: Zunächst muss der Preis klar unter die Kostenbasis jüngerer Käufer fallen (rund 79.000 USD). Anschließend hebt eine neue Nachfragewelle diese Kostenbasis wieder an, wenn Investoren in die Bewegung hinein kaufen. Erst dann entsteht die Grundlage für eine nachhaltige Erholung.
Derzeit sieht der Analyst nur eine Wahrscheinlichkeit von 30 %, dass die Marke von 79.000 USD im ersten Anlauf nachhaltig überwunden wird, und erwartet, dass die kommenden drei bis sechs Wochen entscheidend sein werden.
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BTC-Kostenbasis, Quelle: Willy Woo auf X
Eine ähnliche Einschätzung liefert André Dragosch, Research-Chef bei Bitwise. Er verweist auf eine dichte Konzentration von Kostenbasen im Bereich zwischen 80.000 und 81.000 USD. Diese Zone umfasst unter anderem den True Market Mean, die Kostenbasis kurzfristiger Anleger sowie Einstiegsniveaus von ETFs – und bildet damit einen psychologisch wichtigen Wendepunkt.
Solange Bitcoin diese Zone nicht zurückerobert, bleibt der Markt am ehesten als späte Phase eines Bärenmarktes zu charakterisieren – geprägt von nachlassendem Verkaufsdruck, jedoch noch ohne bestätigten Übergang in eine neue Aufwärtsbewegung.



















