Innerhalb einer Woche hat der Bitcoin um 10.000 USD zugelegt und ist von 65.000 USD auf nahezu 75.000 USD gestiegen. Eine bemerkenswerte Erholung für einen risikobehafteten Vermögenswert, der sich zuletzt besonders anfällig für angespannte Marktphasen gezeigt hatte. Die Entwicklung erinnert an ein historisches Beispiel: Nach dem russischen Einmarsch in die Ukraine im Februar 2022 verzeichnete der Bitcoin ebenfalls eine überraschend starke Performance und gewann innerhalb eines Monats mehr als 30 %, bevor er erneut in eine Korrekturphase überging. Auch diesmal fällt der Ausbruch des Konflikts im Nahen Osten Ende Februar 2026 mit einer deutlichen Zunahme der Volatilität zusammen. Zunächst fiel der Bitcoin auf rund 60.000 USD, bevor er abrupt wieder anzog.

Doch diese einfache Erklärung greift zu kurz und verdeckt tieferliegende Faktoren. Hinter den geopolitischen Spannungen zeichnet sich ein langfristigerer Trend ab: die Rückkehr institutioneller Investoren und die mögliche Öffnung eines neuen regulatorischen Kapitels in den USA. Nüchterner formuliert: Der Bitcoin könnte sich am Beginn eines neuen Aufwärtszyklus befinden – oder lediglich eine technische Bodenbildung durchlaufen, bevor ein weiterer Rückschlag folgt.

Kurs des BTC/USD
MarketScreener

Mehrere Elemente sprechen bereits jetzt für eine Outperformance des Bitcoin, die über den reinen Kriegseffekt hinausgeht. Paradoxerweise beginnt dies damit, dass der Kurs bereits vor dem jüngsten Konflikt deutlich gefallen war. Ende Februar 2026 lag der Bitcoin rund 50 % unter seinem Allzeithoch – eine kräftige, aber keineswegs ungewöhnliche Korrektur in seiner Geschichte.

Drawdowns bei Bitcoin
Glassnode

Mit anderen Worten: Der Vermögenswert war bereits vor dem Konflikt stark abverkauft. Bei rund 60.000 USD hatte der Bitcoin vor wenigen Tagen eine Phase extremer Angst ausgelöst, vergleichbar mit Kapitulationsphasen wie während des FTX-Zusammenbruchs oder der Covid-Krise.

Fear and Greed Index
Glassnode

Die heftigen Kursbewegungen dürfen jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich parallel ein weniger sichtbarer, aber entscheidender Wandel vollzieht: Wall Street und große Finanzinstitute integrieren den Bitcoin zunehmend in ihre Infrastruktur. Anfang März gab die Plattform Kraken bekannt, dass ihre Banktochter Kraken Financial ein erstes „Masterkonto“ bei der US-Notenbank erhalten hat - wir haben hier darüber berichtet. Konkret erhält Kraken damit direkten Zugang zum Zahlungssystem Fedwire, ohne den Umweg über traditionelle Banken. Dies ermöglicht schnellere Transaktionen großer USD-Beträge für institutionelle Kunden. Dieser Meilenstein macht den Kryptosektor faktisch zu einem Teilnehmer des staatlichen US-Zahlungsnetzwerks – ein starkes Signal für die zunehmende Konvergenz zwischen Krypto-Infrastruktur und traditionellem Finanzsystem.

Parallel dazu hat der Betreiber der New Yorker Börse, Intercontinental Exchange (ICE), in die Plattform OKX investiert, die mit 25 Milliarden USD bewertet wird. Diese Beteiligung stärkt die direkte Verbindung zwischen Aktienmärkten und Kryptowährungen: ICE wird künftig die Kryptopreise von OKX für eigene Derivate nutzen, während OKX im Gegenzug ausgewählte ICE-Kontrakte an Millionen von Investoren weltweit vertreibt.

Über diese finanziellen Entwicklungen hinaus trägt auch das regulatorische Umfeld in den USA zur Dynamik bei. Die Vereinigten Staaten könnten sich an einem Wendepunkt befinden, der das Vertrauen der Investoren nachhaltig stärkt. Der sogenannte „Clarity Act“, der die Regulierung von Kryptowährungen präzisieren soll, steht nach Jahren der Unsicherheit offenbar kurz vor einem Durchbruch im Kongress. Streitpunkt war bislang vor allem die Frage der Verzinsung von Stablecoins: Traditionelle Banken lehnen es ab, dass Emittenten dieser an den Dollar gekoppelten Kryptowährungen attraktive Zinsen anbieten, da sie einen Abfluss von Bankeinlagen befürchten.

Ende Februar organisierte das Weiße Haus daher vertrauliche Gespräche zwischen Bankenvertretern und Krypto-Unternehmen, um einen Kompromiss zu finden. Medienberichten zufolge könnte eine Einigung noch im Laufe des März erzielt werden. Demnach sollen Erträge aus Stablecoins auf Peer-to-Peer-Transaktionen beschränkt und für inaktive Wallets untersagt werden. Sollte dieser Kompromiss zustande kommen, könnte der Clarity Act in den folgenden Monaten den Senat passieren und als solide Grundlage für eine breitere Integration von Krypto-Produkten in die globale Finanzarchitektur dienen. Die offene Unterstützung durch Donald Trump, dessen Umfeld sich jüngst für das Gesetz ausgesprochen hat, verstärkt diese Perspektive zusätzlich. Während die Aufmerksamkeit weiterhin auf die militärischen Entwicklungen im Nahen Osten gerichtet ist, könnte somit ein weniger sichtbarer, aber strukturell entscheidender Prozess – die Schaffung eines klaren regulatorischen Rahmens – dem Krypto-Ökosystem neuen Schwung verleihen.

All dies bedeutet jedoch nicht, dass ein nachhaltiger Aufwärtstrend bereits gesichert ist. Die Finanzmärkte bleiben angespannt. Kurzfristig wirkt die aktuelle Erholung weiterhin fragil, solange sich die Bewegung nicht über einen längeren Zeitraum bestätigt. Für Privatanleger ergibt sich daraus eine vergleichsweise nüchterne Erkenntnis: Der Bitcoin bleibt ein zweischneidiges Schwert. Einerseits hat der lange Bärenmarkt die psychologische Schwelle vieler Marktteilnehmer deutlich angehoben. Vorsicht dominiert, und kaum jemand spricht derzeit von einem neuen Bullenmarkt, wie es noch 2020 der Fall war. Andererseits zeigen die zugrunde liegenden Mechanismen, dass das System Bitcoin weiterhin intakt ist. Die finanziellen Hebel sind vorhanden, die Liquidität ist da, und vor allem beginnt das makroökonomische, technologische und institutionelle Umfeld zunehmend in Richtung steigender Kurse zu wirken.

Die entscheidende Frage lautet daher weniger, ob der Bitcoin weiter steigen wird – denn das weiß niemand –, sondern ob das bullische Szenario angesichts der aktuellen strukturellen Entwicklungen an Plausibilität gewinnt. In dieser Hinsicht hat die Dynamik der vergangenen Woche die Argumente für steigende Kurse gestärkt, ohne sie endgültig zu bestätigen. Die Antwort dürfte sich in den kommenden Tagen und Wochen herauskristallisieren.