Dienstag, 16. Juni 2026, Handelsstart an der Nasdaq. Ein neues Tickersymbol erscheint auf den Bildschirmen: BITA. Dahinter verbirgt sich der iShares Bitcoin Premium Income ETF, das jüngste Produkt aus der ETF-Familie von BlackRock. Robert Mitchnick, Leiter des Bereichs Digital Assets bei BlackRock, beschreibt den Fonds als Hybridlösung: Anleger sollen weiterhin an der Entwicklung des Bitcoin partizipieren und gleichzeitig jeden Monat eine Barausschüttung erhalten.
Das Marktumfeld hätte allerdings günstiger sein können. In den Wochen vor der Einführung verzeichneten die US-Spot-Bitcoin-ETFs an 13 Handelstagen in Folge Nettoabflüsse. Zwischen dem 15. Mai und dem 3. Juni flossen laut Galaxy Research, zitiert von BeInCrypto, insgesamt 4,33 Mrd. US-Dollar beziehungsweise 59.351 Bitcoin aus den Fonds ab. Selbst IBIT, der große Bitcoin-ETF von BlackRock, blieb von diesem Verkaufsdruck nicht verschont. Die untenstehende Grafik zeigt, dass sich die Nettoabflüsse im Juni letztlich auf 4,51 Mrd. US-Dollar summierten. BITA wurde somit in einem ausgesprochen schwierigen Monat für Spot-Bitcoin-ETFs aufgelegt.

Monatliche ETF-Flüsse auf Bitcoin. Quelle: SoSoValue
BITA erhebt eine jährliche Verwaltungsgebühr von 0,65 %, während für IBIT lediglich 0,25 % anfallen. Der Gebührenaufschlag finanziert die monatlichen Barausschüttungen an die Anleger.
Woher stammt das ausgeschüttete Geld?
BITA erzeugt keine Rendite aus dem Nichts. Der Fonds investiert in Bitcoin – teilweise direkt über Spot-Bitcoin, teilweise über Anteile am BlackRock-ETF IBIT. Zusätzlich verkauft er Kaufoptionen (Call-Optionen) auf IBIT im Umfang von rund 25 bis 35 % des Portfolios.
Hinter der als Covered Call bezeichneten Strategie verbirgt sich ein vergleichsweise einfaches Prinzip: Der Fonds verkauft einem Dritten das Recht, IBIT-Anteile zu einem vorher festgelegten Preis zu kaufen. Im Gegenzug erhält BITA sofort eine Optionsprämie. Steigt der Markt über den vereinbarten Ausübungspreis hinaus, kann der Käufer sein Recht ausüben. Bis dahin verbleibt die vereinnahmte Prämie beim Fonds und bildet die Grundlage für die monatlichen Ausschüttungen.
Je höher die erwartete Volatilität des Bitcoin ist, desto wertvoller werden diese Optionen. Anders ausgedrückt: Je stärker der Markt mit heftigen Kursschwankungen rechnet, desto mehr ist der Käufer bereit, für das Kaufrecht zu bezahlen.
Mitchnick sprach gegenüber Medien von einer angestrebten jährlichen Ausschüttungsrendite von etwa 15 bis 20 %. Gleichzeitig könnten Anleger unter den damaligen Marktbedingungen noch rund 70 % der Kursgewinne von IBIT mitnehmen. Die übrigen 30 % entsprechen vereinfacht dem Teil der Aufwärtsbewegung, den der Fonds über den Verkauf der Call-Optionen gegen eine Prämie an den Optionsmarkt abgegeben hat.
Der Preis für die Ausschüttungen
Nehmen wir an, ein Anleger investiert zum Start des Fonds 1.000 Euro, während der Bitcoin-Kurs bei 52.000 Euro liegt.
Bereits zu Beginn erzielt der Fonds Einnahmen durch den Verkauf von Kaufoptionen. Im Gegenzug verpflichtet er sich, einen Teil der Kursgewinne abzugeben, falls der Bitcoin einen vorher festgelegten Schwellenwert überschreitet – beispielsweise 57.000 Euro. Der Anleger freut sich zunächst über seine monatlichen Ausschüttungen. Entscheidend ist jedoch, wie sich der Markt entwickelt.
Szenario 1: Sechs Monate später notiert der Bitcoin bei 55.000 Euro. Der vereinbarte Schwellenwert wurde nicht erreicht. Niemand übt die Option aus. Der Fonds vereinnahmt Monat für Monat die Optionsprämien, während der Anleger zusätzlich von der moderaten Kurssteigerung profitiert. In diesem Fall gewinnt er auf beiden Seiten.
Szenario 2: Der Bitcoin steigt auf 68.000 Euro. Die Marke von 57.000 Euro wird deutlich überschritten. Der Käufer der Option macht sein Recht geltend und erhält den Teil des Kursanstiegs oberhalb dieses Niveaus – allerdings nur für den abgesicherten Teil des Portfolios. Der BITA-Anleger behält zwar die vereinnahmten Prämien und profitiert teilweise vom Kursanstieg, verpasst jedoch einen erheblichen Teil der Rally. Wer stattdessen direkt in IBIT investiert hätte, hätte die gesamte Kursentwicklung mitgenommen.
Szenario 3: Der Bitcoin fällt auf 36.000 Euro. Niemand wird sein Kaufrecht zu einem Preis ausüben, der über dem aktuellen Marktpreis liegt. Die Option verfällt wertlos. Zwar behält BITA die vereinnahmten Prämien, diese fallen gegenüber einem Kursverlust von rund 30 % jedoch kaum ins Gewicht. Der Anleger trägt damit nahezu den gesamten Rückgang des Bitcoin.
BlackRock betritt kein Neuland
Die Idee ist keineswegs neu. Bereits im Januar 2024 brachte Roundhill mit YBTC einen ETF auf den Markt, der nach einem ähnlichen Prinzip funktioniert und seinen Anlegern wöchentliche Ausschüttungen zahlt. Im Juni 2025 folgte Global X mit BCCC. Wenige Wochen vor dem Nasdaq-Debüt von BITA reichte zudem Goldman Sachs einen entsprechenden ETF-Antrag bei der US-Börsenaufsicht SEC ein.
BlackRock unterscheidet sich daher weniger durch das Konzept als vielmehr durch seine enorme Vertriebskraft. Der Vermögensverwalter verfügt über ein dichtes Netzwerk an Finanzberatern und kann auf den bereits etablierten Bitcoin-ETF IBIT zurückgreifen, der auf denselben Handelsplattformen verfügbar ist.
Mitchnick machte auch keinen Hehl daraus, an wen sich BITA richtet. Viele Finanzberater, Versicherungen und Pensionsfonds fänden Bitcoin zwar grundsätzlich attraktiv, störten sich aber an einem entscheidenden Punkt: Bitcoin wirft keine laufenden Erträge ab. Genau dieses Problem soll BITA lösen. Der Zeitpunkt ist dabei bemerkenswert, denn das Produkt kommt genau in einer Phase auf den Markt, in der klassische Bitcoin-ETFs unter Mittelabflüssen leiden. Während das Interesse an einer reinen Bitcoin-Position nachlässt, bietet BlackRock eine alternative Form des Engagements an.
Bitcoin wird zum Baukastensystem
Der vielleicht interessanteste Aspekt ist nicht einmal BITA selbst. Lange Zeit kannte die Wall Street nur einen Weg, in Bitcoin zu investieren: kaufen, halten und auf den Kursverlauf schauen.
Diese Phase geht langsam zu Ende. Innerhalb von weniger als zwei Jahren ist aus derselben Anlageklasse ein ganzes Produktspektrum entstanden: IBIT richtet sich an Anleger, die uneingeschränkt an steigenden Bitcoin-Kursen partizipieren möchten, BITA an Investoren mit Fokus auf monatliche Ausschüttungen und YBTC an jene, die wöchentliche Erträge bevorzugen.
Bitcoin entwickelt sich damit zunehmend von einer einzelnen Anlage zu einer Produktfamilie mit unterschiedlichen Ertragsprofilen. Anleger können künftig nicht mehr nur über ihre Markterwartung entscheiden, sondern auch darüber, in welcher Form sie diese Rendite erhalten möchten.



















