--Wachstum knapp zur Hälfte mit Zukäufen geplant
--Margen sollen auf Spitzenniveau steigen
--Bilfinger will neue Märkte erschließen und setzt auf Digitalisierung
(Neu: Aussagen aus der Pressekonferenz)
Von Olaf Ridder
DOW JONES--Bilfinger will in den nächsten Jahren trotz weltweiter Herausforderungen und Risiken das Wachstum noch etwas beschleunigen und die eigene Profitabilität bedeutend verbessern. In den Jahren bis 2030 strebt der Mannheimer Industriedienstleister an, den Umsatz jährlich im Durchschnitt um 8 bis 10 Prozent zu steigern und damit noch etwas mehr als im Durchschnitt der Jahre 2022 bis 2025, als die Rate bei etwa 8 Prozent lag. Die EBITA-Marge soll unterdessen auf 8 bis 9 Prozent stiegen - verglichen mit avisierten 5,5 Prozent im laufenden Jahr, wie Bilfinger auf einem Kapitalmarkttag in Frankfurt mitteilte. Der Konzern solle künftig zu den profitabelsten Anbietern auf dem Markt gehören, sagte Finanzchef Matti Jäkel.
Vorstandschef Thomas Schulz räumte ein, dass das Wachstum wohl erst ab 2027 Fahrt aufnehmen werde. Man dürfte aber die aktuelle Situation in Deutschland nicht zum Maßstab für den Rest der Welt machen, sagte er in einer Pressekonferenz. Auch sei Bilfinger in der Lage, auch dann noch deutlich zuzulegen, wenn die Kunden aus der Prozessindustrie unter Druck stünden. Schulz setzt auf einen verstärkten Vertrieb und Geschäfte in angrenzenden Bereichen, will aber auch den Anteil der Digitalisierung am Geschäft von derzeit 15 Prozent auf über 80 Prozent im Jahr 2030 steigern.
Mit Robotern und Drohnen könne man inzwischen bei Industrieanlagen in Bereiche vordringen und Daten erfassen, wo man die Mitarbeiter nicht reinschicken wolle. Mit ihrer Hilfe werde es möglich, dann "Effizienzverbesserungen auf einem Niveau anzubieten, was es dem Kunden erlaubt, auch für sich selbst einen bedeutend höheren Profit zu fahren", sagte Schulz.
3 bis 4 Prozent des angepeilten Wachstums will Bilfinger in den nächsten Jahren mit verstärktem Outsourcing und Expansion in andere Märkte schaffen, mit 1 bis 2 Prozent wird das Marktwachstum in den angestammten Branchen veranschlagt, weitere 4 Prozent sollen Zukäufe bringen. Auf dem Heimatmarkt suche man nach kleineren Wettbewerbern, ansonsten seien hier vor allem die USA und Nahost interessant. "Es muss aber zu uns passen", sagte Schulz.
Laut Finanzchef Jäkel könnten für Zukäufe rechnerisch bis zu 600 Millionen Euro im Rahmen der selbst gesteckten Schuldengrenzen locker gemacht werden. Er machte jedoch deutlich, dass organisches Wachstum Vorrang hat und kleinere Zukäufe aus dem Cashflow finanziert werden sollen.
Wachstumschancen sieht Konzernchef Schulz in der boomenden Branche für Rechenzentren, um deren Abwärme zu nutzen. "Die Entwicklung der Datencenter-Industrie ist ein guter Markt für uns", sagte Schulz. Chancen böten auch die Wasserelektrolyse und Technologien zur Reduzierung der CO2-Emissionen. Auslaufen lassen will Bilfinger unterdessen das Geschäft mit der Verstromung von Kohle und Öl. Hier könne man nicht mehr zu einer Verbesserung der Nachhaltigkeit beitragen, hieß es.
An der Dividendenpolitik mit einer Ausschüttungsquote von 40 bis 60 Prozent des bereinigten Jahresüberschusses hält das Unternehmen fest. Das noch vor Weihnachten auslaufende Aktienrückkaufprogramm wird zunächst keinen Nachfolger bekommen. Rückkäufe blieben grundsätzlich aber eine Option, machte Jäkel deutlich.
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December 02, 2025 06:48 ET (11:48 GMT)





















