Zwei Sektoren stehen dabei im Mittelpunkt: Infrastruktur und Verteidigung. Diese Bereiche werden den Großteil der zusätzlichen Haushaltsmittel auf sich vereinen. Zwar werden auch andere Industrien von Sekundäreffekten profitieren, doch sie stehen nicht im Zentrum der Konjunkturmaßnahmen.
Die Kapitalmärkte haben schnell reagiert: Die Aktien führender Unternehmen dieser Prioritätssektoren haben seit Jahresbeginn eine bemerkenswerte Performance hingelegt. In dieser Ausgabe nehmen wir einen dieser Profiteure unter die Lupe – Bilfinger.
Bilfinger: Industrielle Kompetenz mit strategischer Relevanz
Bilfinger zählt zu den führenden Industriedienstleistern in Europa. Das Unternehmen ist auf Dienstleistungen für komplexe Industrieanlagen in Bereichen wie Energie, Chemie, Pharma und Öl & Gas spezialisiert. Der Hauptumsatz – rund 85 % – stammt aus dem Segment Engineering & Maintenance, das sich auf Planung, Umsetzung und langfristige Unterstützung industrieller Infrastrukturen konzentriert. Davon werden etwa 70 % in Europa erwirtschaftet.
Bilfinger übernimmt für seine Kunden die Auslagerung nicht-kritischer, aber komplexer Tätigkeiten mit dem Ziel, deren industrielle Leistungsfähigkeit zu optimieren.

Branchenengagement von Bilfinger (Quelle: UBS)
Bilfingers strategische Neuausrichtung
In den frühen 2000er-Jahren machten Dienstleistungen lediglich 5 % des Umsatzes aus. Seitdem hat sich Bilfinger systematisch auf schlüsselfertige Serviceverträge ausgerichtet, um vom Trend zur industriellen Auslagerung zu profitieren. Diese strategische Wende trägt Früchte: Seit 2022 stieg die EBITA-Marge von 3,2 % auf 5,1 % im Jahr 2024.
Mittelfristig peilt das Unternehmen eine Marge von 7 bis 8 % an. Die Analysten von UBS zeigen sich zuversichtlich, dass diese Ziele erreicht werden können.
Bilfinger bleibt stark auf Europa fokussiert: 82 % des Umsatzes in Höhe von 5 Mrd. € im Jahr 2024 wurden auf dem alten Kontinent erwirtschaftet. Der Heimatmarkt Deutschland trägt mit 21 % einen bedeutenden Anteil.
Positioniert für das Konjunkturprogramm
Bilfinger ist hervorragend positioniert, um vom deutschen Konjunkturprogramm zu profitieren. Das Unternehmen ist in Bereichen tätig, die von der Bundesregierung als strategisch relevant eingestuft wurden – darunter die energetische Modernisierung und die digitale Transformation von Infrastrukturen.
Der Investitionsstau ist bekannt: Bereits im Mai 2024 bezifferte das Institut der deutschen Wirtschaft den Modernisierungsbedarf der Infrastruktur auf 600 Mrd. € über die nächsten zehn Jahre. Deutschland steht somit vor einer Zeitenwende und wird zum größten öffentlichen Kreditnehmer Europas – mit dem klaren Ziel, Infrastrukturdefizite zu beseitigen, die Digitalisierung voranzutreiben und die Energiewende zu beschleunigen.
Bilfinger kann auf umfassende Erfahrung mit öffentlichen Aufträgen zurückblicken, die aktuell 12 % des Umsatzes ausmachen. Das Unternehmen war unter anderem an der Erweiterung und Wartung von Autobahnen, dem U-Bahn-Bau in Berlin sowie bei Ausschreibungen im Bereich Energiedienstleistungen beteiligt. Laut Bloomberg ist Bilfinger zudem gut aufgestellt für Pipeline-Projekte in den Bereichen Fernwärme, Erdgas und Wasserstoff.
Impulse auch vom Privatsektor
Die Wachstumschancen beruhen jedoch nicht allein auf öffentlichen Investitionen. Auch der Privatsektor könnte in Deutschland neuen Schwung gewinnen – gestützt durch solide wirtschaftliche Fundamentaldaten, Investitionsanreize durch Steuererleichterungen und verbesserte Wachstumsperspektiven. Die Bundesregierung hat sich verpflichtet, Genehmigungsverfahren zu beschleunigen und die Bürokratie zu entschlacken – eine zentrale Forderung der Industrie.
„Made for Germany“ – Die Rückkehr der Investitionsnation
Bilfinger steht stellvertretend für den industriellen Neustart Deutschlands. Die Regierung hat erkannt, dass der Wandel nur gemeinsam mit der Privatwirtschaft gelingen kann. Daher wurden Maßnahmen wie niedrigere Energiekosten, modernisierte Infrastrukturen und der Bürokratieabbau priorisiert.
In diesem Kontext haben sich 61 Großunternehmen zur Initiative „Made for Germany“ zusammengeschlossen, mit dem Ziel, bis 2028 insgesamt 631 Mrd. € in neue Standorte, Forschung & Entwicklung und Infrastrukturmodernisierung zu investieren. Bundeskanzler Friedrich Merz formulierte es deutlich: „Deutschland ist zurück. Es lohnt sich wieder, in Deutschland zu investieren. Wir sind kein Land der Vergangenheit, sondern eines der Gegenwart – und vor allem der Zukunft.“
Bewertung
Einige Analysten mahnen zur Vorsicht beim Timing: Die Auswirkungen des Konjunkturpakets dürften sich laut UBS erst ab Ende 2026 in den Geschäftszahlen von Bilfinger bemerkbar machen. Der Aktienkurs hat bereits einen Großteil dieser Erwartungen eingepreist und notiert aktuell auf historischem Höchststand – nachdem sich der Börsenwert in nur sieben Monaten verdoppelt hat. Auf dem Weg könnten sich daher attraktive Einstiegschancen ergeben.






















