Wien, 13. Mai (Reuters) - Im Bieterkampf um die österreichische Addiko Bank will die Raiffeisen Bank International (RBI) tiefer in die Tasche greifen. Das in Osteuropa vertretene Wiener Institut erhöhte seine Offerte am Mittwoch von ursprünglich 23,05 auf 26,50 Euro je Aktie, hinkt der Konkurrenz aus Slowenien damit aber weiterhin hinterher. Die Nova Ljubljanska banka (NLB) veröffentlichte zeitgleich ihre offizielle Angebotsunterlage und bietet den Aktionären wie angekündigt 29,00 Euro je Anteilsschein. Damit bewertet die NLB die Addiko mit rund 566 Millionen Euro, die RBI kommt auf rund 517 Millionen Euro. Während die Addiko-Aktionäre die NLB-Offerte ab sofort und bis zum 22. Juli annehmen können, wird das Angebot der RBI noch von der Übernahmekommission geprüft und voraussichtlich in Kürze veröffentlicht.
Beide Kontrahenten machen eine Mindestannahmequote von 75 Prozent zur Voraussetzung. Zudem müssen die Aufsichtsbehörden zustimmen. Nach einem erfolgreichen Kauf soll die Addiko-Aktie laut der NLB-Angebotsunterlage bis auf Weiteres an der Wiener Börse notiert bleiben, auch ein Bankbetrieb in Österreich sei mittelfristig weiter erforderlich. Mit dem Zukauf will die größte Bank Sloweniens ihr Geschäft mit Konsumentenkrediten beschleunigen und hat es dabei auch auf die digitalen Kreditvergabeplattformen der Addiko abgesehen. Für die NLB ist insbesondere der kroatische Markt attraktiv, da sie dort bislang nicht vertreten ist. In den Ländern, in denen sich das Geschäft beider Institute überschneidet, strebt die NLB mittelfristig Synergien an - etwa durch Filialschließungen.
Die RBI verfolgt ähnliche Ziele: Das Institut will mit der Übernahme zur viertgrößten Bank in Kroatien aufsteigen und in den slowenischen Markt zurückkehren. Ähnliche Pläne verfolgen beide Banken auch für die Addiko-Töchter außerhalb der Europäischen Union. Die NLB kündigte an, einen möglichen Verkauf zu prüfen. Die RBI will das Geschäft in Serbien, Bosnien und Herzegowina sowie Montenegro im Falle einer Übernahme umgehend an die serbische Alta Group abgeben. Dieser Investor hält rund 9,6 Prozent an Addiko, einschließlich Finanzinstrumenten werden ihm knapp 30 Prozent zugerechnet.
Für die NLB ist es bereits der zweite Anlauf auf die aus der früheren Kärntner Skandalbank Hypo Alpe-Adria hervorgegangene Addiko: Im Sommer 2024 waren die Slowenen mit einem Gebot von 22 Euro gescheitert. Seit dem Börsengang 2019 stand das Institut wegen seiner fragmentierten Aktionärsstruktur wiederholt im Visier von Investoren.
(Bericht von Alexandra Schwarz-Goerlich, redigiert von Myria Mildenberger. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)


















