Berlin, 26. Mrz (Reuters) - Nach einem durchwachsenen Jahr will Bertelsmann 2026 wieder zulegen und nimmt dafür auch Übernahmen ins Visier. "Wir haben eine sehr gut gefüllte Pipeline", sagte Konzernchef Thomas Rabe der Nachrichtenagentur Reuters am Donnerstag. Zukäufe könne er sich in vielen Bereichen vorstellen - etwa bei der RTL-Inhaltetochter Fremantle, im Verlagsgeschäft von Penguin Random House oder bei der Musiktochter BMG. Auch bei Dienstleistungen oder Logistik von Arvato und in der Bildungssparte könne es zu Übernahmen kommen. "Es kann sein, dass wir in diesem Jahr noch ein, zwei größere Sachen machen." Auf die Frage, ob dies auch Investitionen im dreistelligen Millionen-Bereich umfasse, sagte Rabe: "Das ist dann schon groß und fällt ins Gewicht bei Bertelsmann."

Für 2025 muss das Gütersloher Medien-, Dienstleistungs- und Bildungsunternehmen einen Gewinnrückgang wegstecken. Das Konzernergebnis sank unter dem Strich um knapp drei Prozent auf eine Milliarde Euro, der operative Gewinn (bereinigtes Ebitda) fiel um rund drei Prozent auf drei Milliarden Euro. Bereinigt um Wechselkurs- und Portfolioeffekte wie den Verkauf von RTL Nederland lag das Ergebnis hier jedoch leicht über Vorjahr. Der Umsatz fiel minimal um 0,2 Prozent auf 19 Milliarden Euro, während das organische Wachstum 1,9 Prozent betrug. Vor allem die TV-Werbemärkte in Deutschland und Frankreich schwächelten und bremsten damit die Konzerntochter RTL, die einen Löwenanteil von Bertelsmanns Gewinn und Umsatz beisteuert.

UMSATZ SOLL ZULEGEN - TROTZ KONJUNKTURDÄMPFER DURCH KRIEG

Für 2026 peile man ein organisches Umsatzplus von zwei bis drei Prozent an, sagte Rabe. Voraussetzung sei allerdings, dass der Nahost-Krieg die Konjunktur nicht stärker als erwartet bremse. Die Bilanz für 2025 sei solide und für das schwierige Marktumfeld ordentlich, betonte der Manager. Für das laufende Jahr rechnet der Konzern "mit einer insgesamt stabilen Umsatz- und Ergebnisentwicklung", ergänzte Finanzchef Rolf Hellermann. "Für unsere fortgeführten Geschäfte rechnen wir mit einem Umsatz- und Ergebniswachstum."

Rabe ist seit 2012 Bertelsmann-Chef und gibt dieses Amt Ende 2026 ab. Im Januar 2027 übernimmt dann Thomas Coesfeld den Vorstandsvorsitz. Man plane bereits die Übergabe, sagte Rabe. "Es läuft sehr gut und harmonisch." Der 35-jährige Coesfeld ist ein Enkel des 2009 verstorbenen Firmenpatriarchen Reinhard Mohn und damit der erste Chef aus dem Kreis der Bertelsmann-Familie seit 1981.

Der 60-jährige Rabe ist seit 2019 auch Chef der RTL Group. Hier soll sein Nachfolger im Mai der frühere RTL-Manager Clement Schwebig werden, zuletzt bei Warner Bros. Discovery zuständig für Westeuropa und Afrika.

(Weitere Reporter: Emanuele Berro und Cian Münster. Redigiert von Olaf Brenner. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)

- von Klaus Lauer