Diese Woche entwickelt sich zu einem Test dafür, wie viele schlechte Nachrichten die Märkte verkraften können, bevor sie aufhören, jeden Schock als vorübergehend abzutun. Die Stimmung an der Wall Street hat sich erneut eingetrübt: Die US-Aktienfutures gaben am Montagmittag nach, nachdem die Gespräche zwischen Washington und Teheran am Wochenende ohne Ergebnis beendet worden waren. Die Futures auf Dow Jones, S&P 500 und Nasdaq verloren zwischen 0,5 und 1 Prozent. Gleichzeitig stieg der Ölpreis wieder über 100 Dollar je Barrel. Der Volatilitätsindex VIX, das bevorzugte Barometer für die Nervosität an der Wall Street, kletterte über die Marke von 21.
Im Fokus steht nun die Berichtssaison, angeführt am Montag von Goldman Sachs, gefolgt von JPMorgan, Citigroup und weiteren Großbanken am Dienstag. Anleger werden dabei weit über die reinen Gewinnzahlen hinausblicken. Entscheidend ist, wie sich der Krieg im Nahen Osten, ein Ölpreis über 100 Dollar und die zunehmenden geopolitischen Spannungen auf das Geschäft mit Fusionen und Übernahmen, den Handel, die Kreditvergabe und das Vertrauen der Unternehmen auswirken.
Hinzu kommt das Thema Inflation. Die am Dienstag anstehenden Erzeugerpreisdaten sind diesmal von besonderer Bedeutung, da sie Aufschluss darüber geben könnten, in welchem Ausmaß die gestiegenen Energiekosten auf die Gesamtwirtschaft durchschlagen. Bereits die Verbraucherpreisdaten für März hatten den stärksten Anstieg seit nahezu vier Jahren gezeigt – getrieben von einem Rekordsprung bei Benzin- und Dieselpreisen. Damit sind auch die Sorgen vor einem stagflationären Schock zurück: schwächeres Wachstum bei zugleich hartnäckig hoher Inflation.
Am Wochenende sind die Gespräche zwischen den USA und dem Iran in Pakistan gescheitert. Nach 21 Stunden Verhandlungen gab es keinen Durchbruch. Das überrascht kaum, da beide Länder seit fast einem halben Jahrhundert keine diplomatischen Beziehungen unterhalten und gerade erst eine rund 40 Tage andauernde militärische Eskalation hinter sich haben. Das iranische Atomprogramm bleibt der zentrale Streitpunkt.
Präsident Trump reagierte mit einer weiteren Verschärfung der amerikanischen Position. Er kündigte an, dass am Montag um 10 Uhr Ortszeit an der US-Ostküste eine Blockade in Kraft treten werde, die den Schiffsverkehr zu und von iranischen Häfen sowie entlang der Küste ins Visier nimmt. Berichten zufolge zieht er zudem erneute begrenzte Militärschläge gegen den Iran in Betracht, während eine breit angelegte Bombenkampagne als weniger wahrscheinlich gilt. De facto versucht das Weiße Haus, den Druck auf Teheran zu erhöhen, ohne einen offenen regionalen Krieg zu riskieren.
Je länger die Störungen in der Straße von Hormus anhalten, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass hohe Ölpreise zu einem dauerhaften Faktor werden. Trump selbst räumte am Wochenende ein, dass die Benzinpreise in den USA bis zu den Zwischenwahlen im November auf erhöhtem Niveau verharren könnten.
Einen begrenzten Lichtblick gibt es: Saudi-Arabien meldet, dass seine Ost-West-Pipeline nach einem iranischen Angriff inzwischen wieder mit voller Kapazität von rund sieben Millionen Barrel pro Tag arbeitet.
An den Märkten zeigt sich eine klare Trennlinie: Energieverbraucher werden abgestraft, Energieproduzenten profitieren. Reiseaktien, insbesondere Fluggesellschaften und Kreuzfahrtanbieter, gerieten angesichts steigender Treibstoffkosten unter Druck. Delta, JetBlue, Carnival, United Airlines und Royal Caribbean gaben nach. Energieunternehmen entwickelten sich hingegen positiv. Chevron, Exxon Mobil, ConocoPhillips, Diamondback und Occidental legten im Zuge des Ölpreisanstiegs zu. Kryptowerte standen unter Druck, nachdem der Bitcoin um mehr als 3 Prozent gefallen war. Palantir dürfte sich nach den Verlusten der Vorwoche, ausgelöst durch Sorgen über neue Konkurrenz im KI-Bereich, teilweise erholen. Sandisk zog im Vorfeld seiner erwarteten Aufnahme in den Nasdaq-100 am 20. April an.
Und noch eine Randnotiz: Am Wochenende griff Trump den Papst dafür an, dass dieser sich für den Frieden aussprach – als handele es sich um eine unzulässige Abweichung von dessen eigentlicher Aufgabe – und veröffentlichte anschließend ein irritierendes Bild, das ihn selbst als heilenden Christus darstellt. Die Episode wirkt auf den ersten Blick absurd, ist aber zugleich aufschlussreich: Verbündete, Investoren und Wähler sehen sich nicht nur mit einer sich ausweitenden geopolitischen Krise konfrontiert, sondern auch mit einer Präsidentschaft, die zunehmend zwischen militärischer Führungsrolle und exzentrischer Internetinszenierung schwankt.
























