Zieht man das außergewöhnliche erste Halbjahr 2021 ab – in dem Notenbanken weltweit im Zuge der Pandemie expansive Geldpolitik betrieben und so rekordhohe Trading-Gewinne ermöglichten – handelt es sich um das beste Halbjahr für Barclays seit eineinhalb Jahrzehnten.
Wie bei vielen Wettbewerbern in diesem Jahr ist der Gewinnanstieg zum Großteil auf die starke Entwicklung im Investmentbanking zurückzuführen – insbesondere im Bereich Trading. Die Volatilität infolge der jüngsten Zolldebatten sorgte für ein überdurchschnittlich starkes Handelsumfeld.
Ein besonderer Lichtblick für Barclays ist das Retailgeschäft (Privatkunden) im Vereinigten Königreich: Die Nettozinsmarge stieg hier im Halbjahresvergleich um 17 %. Das erklärt sich auch durch die im internationalen Vergleich zurückhaltendere Zinspolitik der Bank of England – die britische Notenbank war im Gegensatz zur EZB und zur Fed bislang zögerlicher bei Zinssenkungen.
Infolgedessen ist die Rentabilität im Retailsegment derzeit besonders hoch. Doch die Party dürfte bald enden: Der Marktkonsens geht fest davon aus, dass die Bank of England am 7. August mit einer Zinssenkung beginnt. Damit dürften auch die Margen im Retailgeschäft an Dynamik verlieren.
In den USA zeigt sich Barclays stabil – zumindest vorerst. Die Auswirkungen der jüngsten Zollmaßnahmen haben bislang keine sichtbare Verschlechterung der Kreditqualität im Portfolio bewirkt. Ob dies auch im zweiten Halbjahr Bestand haben wird, bleibt abzuwarten.
Die US-Sparte von Barclays glänzt durch konsequente Kostenkontrolle – allerdings auf Kosten des Wachstums. Für das laufende Jahr wird sogar mit einem leichten Umsatzrückgang gerechnet.
Bemerkenswert: Barclays hat in den vergangenen fünf Jahren rund 20 % der im Umlauf befindlichen Aktien zurückgekauft. Angesichts einer Bewertung, die sich nach wie vor auf etwa der Hälfte des Buchwerts bewegt, war dies eine effiziente Kapitalallokation.



















