BoA stellt zudem fest, dass die chinesischen Hersteller in Europa schnell expandieren und bereits einen Marktanteil von rund 8% halten. Dabei nutzen sie lokale, ungenutzte Produktionskapazitäten, um den Preisdruck weiter zu erhöhen.

Angesichts dieses Risikos haben die Analysten ihre Positionen bei mehreren europäischen Herstellern angepasst. Stellantis wurde auf 'Underperform' herabgestuft, wobei das Kursziel von 7,5 auf 5,5 Euro gesenkt wurde. Bei Renault lautet das Votum nun 'Neutral', mit einem Kursziel von 33 Euro nach zuvor 36 Euro. Für Volkswagen blieb die Kaufempfehlung zwar bestehen, das Kursziel wurde jedoch auf 99 Euro für Vorzugsaktien und 105 Euro für Stammaktien reduziert.

In Bezug auf Renault, die Aktie verzeichnete mit einem Minus von 2,90% auf 27,7 Euro einen der stärksten Rückgänge im CAC 40, ist die Bank of America der Meinung, dass der Titel zwar günstig bewertet bleibt, es jedoch an Katalysatoren mangelt. In ihrer Analyse erinnert die US-Bank daran, dass die Nettoliquidität und die Beteiligung an Nissan vor einem übermäßigen Kursverfall schützen, der BEV-Mix (Elektrofahrzeuge) und steigende Rohstoffkosten jedoch die Margen verwässern. Zudem mache die starke Ausrichtung auf Europa und das B-Segment (Kleinwagen) Renault anfällig für den Preisdruck aus China. Schließlich bestehe laut BoA das Potenzial für Abwärtsrevisionen der Prognosen für 2026.

Für Stellantis (-1,06% auf 6,453 Euro) sind die Analysten der Ansicht, dass bereits zu viele Erholungshoffnungen in die Kurse eingepreist sind. Zudem basiere die Erholung in den USA stark auf dem Mix der V8-Motoren, während Europa strukturell schwach bleibe. Gleichzeitig seien die Profitzentren in Lateinamerika sowie im Nahen Osten und Afrika der chinesischen Lokalisierung ausgesetzt. Bei der operativen Marge für das Geschäftsjahr 27/28 rechnet die Bank of America mit Werten zwischen 2,9 und 3,2%, was deutlich unter dem Konsens liegt.

Bezüglich Volkswagen ist die BoA der Auffassung, dass der wichtigste Hebel intern liegt: in der Restrukturierung der Belegschaft, der Werke, der Forschung und Entwicklung sowie der Gemeinkosten.

Abschließend merken die Analysten an, dass sich der chinesische Produktionsüberschuss auf Europa ergießt, beschleunigt durch den Druck der Kraftstoffpreise. Chinesische Marken bieten Elektrofahrzeuge bei vergleichbarer Reichweite um etwa 5% günstiger an, während Plug-in-Hybride bei 10% mehr elektrischer Reichweite sogar 30% preiswerter sind. Großbritannien dient dabei als Brückenkopf, aber auch in Italien, Spanien und Deutschland steigen die chinesischen Marktanteile zusehends.