Zürich, 02. Feb (Reuters) - Die Nachwehen des Signa-Debakels haben der Bank Julius Bär das Ergebnis 2025 verhagelt. Der Gewinn des Zürcher Vermögensverwalters sank um ein Viertel auf 764 Millionen Franken, wie Bär am Montag mitteilte. Auch der Verkauf des Geschäfts in Brasilien zu Beginn des Jahres belastete das Ergebnis.

Der seit gut einem Jahr amtierende Konzernchef Stefan Bollinger zeigte sich dennoch zufrieden. Bär habe Altlasten bereinigt, die Risiken reduziert, Kosten gesenkt und die Grundlage für eine neue Wachstumsphase gelegt. "Alles in allem war 2025 ein erfolgreiches Übergangsjahr, und wir sind nun gut aufgestellt, um unsere Mittelfristziele zu erreichen."

Die Kreditwertberichtigungen schlugen mit netto 213 Millionen Franken zu Buche. Anfang 2024 hatte Bär Kreditverluste von 586 Millionen Franken in Zusammenhang mit dem Kollaps der Immobiliengesellschaft Signa des österreichischen Investors René Benko eingefahren. Der Skandal kostete den damaligen Bär-Chef den Job. Bollinger ordnete an, das Kreditportfolio auf weitere Problemfälle zu durchforsten und strengere Kriterien für die Kreditqualität anzuwenden.

Im Mai nahm das Institut Wertberichtigungen auf Hypotheken und andere Kredite im Volumen von 130 Millionen Franken vor. Im November kamen weitere 149 Millionen Franken dazu, um Wohn- und Gewerbekreditpositionen abzubauen. Inzwischen konnte Bär einen Teil der Signa-Kreditverluste wieder zurückholen, so dass die Wertberichtigungen für 2025 geringer als erwartet ausfielen.

WARTEN AUF CHIEF COMPLIANCE OFFICER

Trotz des Gewinnrückgangs will Bär eine unveränderte Dividende von 2,60 Franken je Aktie ausschütten, insgesamt über eine halbe Milliarde Franken. Die Anleger hoffen zudem auf die Wiederaufnahme von Aktienrückkäufen. Voraussetzung dafür ist der Abschluss eines Enforcement-Verfahrens, der schärfsten Waffe der Schweizer Finanzmarktaufsicht Finma, zur Signa-Affäre. Solange dieser Bericht nicht abgeschlossen ist, will Bär bei der Finma keine Aktienrückkäufe beantragen.

Ende Februar soll die Goldman-Sachs-Managerin Victoria McLean als Chief Compliance Officer ihr Amt antreten. "Das ist natürlich eine der Voraussetzungen", erklärte Bollinger. Vontobel-Analyst Andreas Venditti rechnet früheren Angaben zufolge damit, dass Bär bis Ende des Jahres eigene Aktien im Wert von einer halben Milliarde Franken zurückkaufen dürfte.

Nach der Generalversammlung vom April soll der frühere Finma-Chef Urban Angehrn, der die Behörde während des Kollapses der Credit Suisse leitete, in den Bär-Verwaltungsrat einziehen. Richard Campbell-Breeden verlässt das Gremium.

REKORDHOHE VERWALTETE VERMÖGEN

Bär sammelte bei seinen reichen Privatkunden im vergangenen Jahr 14,4 Milliarden Franken an frischem Geld ein. Damit wuchs die nach der UBS größte reine Privatbank der Schweiz auf das Jahr hochgerechnet um 2,9 Prozent, während sich die eigene Vorgabe auf etwa 3,0 Prozent belief. Früheren Angaben zufolge hängt das verhaltene Wachstum damit zusammen, dass sich das Institut von Kunden mit zu hohen Risiken sowie von Kundenberatern trennt, die die notwendige Leistung nicht erbringen.

In diesem Jahr rechnet das Institut mit einer anziehenden Neugeldrate. Bis 2028 will Bär dann den mittelfristigen Zielwert von vier bis fünf Prozent erreichen. Zusammen mit den Kursgewinnen an den Finanzmärkten sorgten die eingeworbenen Neugelder dennoch dafür, dass die insgesamt verwalteten Vermögen um fünf Prozent auf den Rekordwert von 521 Milliarden Franken kletterten. Obwohl der Jahresabschluss insgesamt leicht über den Analystenerwartungen lag, büßten die Aktien 4,4 Prozent ein.

(Bericht von Oliver Hirt und Ariane Lüthi, redigiert von Thomas Seythal)