Als Schwergewicht im Online-Glücksspiel mit Betclic hat sich Banijay seit der Übernahme von Endemol Shine zugleich als unangefochtener europäischer Marktführer in der audiovisuellen Produktion etabliert. Externes Wachstum bleibt die zentrale strategische Stoßrichtung – wie die jüngsten Übernahmen von Tipico, einer besonders attraktiven Zielgesellschaft im Glücksspielsektor, sowie All3Media im Produktionsgeschäft zeigen.

Auf Pro-forma-Basis bedeutet dies zwischen 2019 und 2026 eine Verfünffachung des Umsatzes, allerdings auch einen deutlichen Anstieg der Anzahl ausstehender Aktien. Angesichts der ambitionierten Ziele und der aktuellen Solvenzkennzahlen erscheint es durchaus wahrscheinlich, dass in naher Zukunft weitere Kapitalerhöhungen notwendig werden.

Genau das könnte – zusammen mit der Skepsis der Investoren gegenüber dem europäischen Glücksspielsektor, der zunehmend fiskalisch belastet wird, sowie einem äußerst geringen Streubesitz – dazu beigetragen haben, Anleger abzuschrecken. Denn trotz des spektakulären Wachstums wird Banijay aktuell zu bemerkenswert niedrigen Multiplikatoren auf den operativen Gewinn gehandelt.

Es handelt sich in jedem Fall um eine langfristige Investmentstory, die die Geduld weniger erfahrener Anleger auf die Probe stellen dürfte. Die gute Nachricht dabei ist, dass die Struktur des Konzerns – solange die Kontrolle der Ankeraktionäre gesichert bleibt – es ermöglichen dürfte, die Entwicklung konsequent fortzusetzen. Ziel ist es, die hohen Cashflows aus dem Online-Glücksspiel zu nutzen, um die Expansion im Content-Produktionsgeschäft zu finanzieren und sich so als bevorzugter Partner der Streaming-Plattformen zu etablieren.

Anhänger des Unternehmerteams an der Spitze weisen zudem darauf hin, dass selbst auf Basis der aktuell gedrückten Bewertungsmultiplikatoren die konsolidierte Bewertung von Banijay – das inzwischen mehr als die Hälfte seines operativen Gewinns im Online-Glücksspiel erzielt – allein dieses Segment abdeckt. Das profitable Produktionsgeschäft würde damit vom Markt praktisch vollständig ignoriert.

Und das bei einem Konzern, der bis 2029 einen Umsatz von 10 Mrd. Euro erreichen will, seine ursprünglichen Ziele bislang stets übertroffen hat und gestern starke Quartalszahlen vorlegte.