Die australische Zentralbank hat am Dienstag weitere geldpolitische Lockerungen ausgeschlossen, nachdem sie den Leitzins bei 3,6 % beibehalten hatte. Gleichzeitig warnte sie, dass der nächste Schritt bei anhaltendem Inflationsdruck eine Zinserhöhung sein könnte.
Zum Abschluss der letzten geldpolitischen Sitzung des Jahres erklärte Gouverneurin Michele Bullock, dass der Vorstand zwar nicht explizit über eine Zinserhöhung diskutiert habe, wohl aber über die Umstände, unter denen eine erneute Anhebung notwendig werden könnte.
„Was ich zum jetzigen Zeitpunkt sagen kann, ist: Nach heutigem Stand sehe ich auf absehbare Zeit keine Zinssenkungen am Horizont“, sagte Bullock auf der Pressekonferenz im Anschluss an die Sitzung.
„Die Frage ist, ob wir uns nun auf eine längere Pause einstellen oder ob eine Zinserhöhung möglich ist. Eine Wahrscheinlichkeit dafür kann ich nicht nennen.“
Während die Märkte die Stellungnahme der Reserve Bank of Australia (RBA) zunächst als ausgewogen interpretierten und nur geringfügige Kursbewegungen folgten, sorgten Bullocks restriktive Kommentare für neuen Auftrieb beim australischen Dollar, der um 0,3 % auf 0,6645 US-Dollar stieg. Die Renditen für dreijährige Staatsanleihen schnellten um 11 Basispunkte auf 4,152 % hoch und erreichten damit den höchsten Stand seit November des Vorjahres. Investoren zogen ihre Erwartungen für Zinserhöhungen im kommenden Jahr vor: Für Februar wird die Wahrscheinlichkeit einer Anhebung bereits auf 28 % geschätzt, für März liegt sie bei fast 50 %. Insgesamt rechnet der Markt 2025 mit einer Straffung um 47 Basispunkte, was zwei Zinsschritten entspricht.
„Die jüngsten Daten deuten darauf hin, dass die Inflationsrisiken nach oben tendieren, aber es wird noch etwas dauern, um die Beständigkeit des Preisdrucks einschätzen zu können“, erklärte der Vorstand in einer Stellungnahme.
„Es bestehen Unsicherheiten hinsichtlich der Entwicklung der heimischen Wirtschaft und Inflation sowie darüber, wie restriktiv die Geldpolitik weiterhin wirkt.“
Inflationsrisiken nehmen zu
Die RBA hat in diesem Jahr die Zinsen bereits dreimal gesenkt, doch die Inflation zeigt sich erneut hartnäckig: Sie stieg vier Monate in Folge und erreichte im Oktober 3,8 %. Das um Ausreißer bereinigte Kerninflationsmaß lag bei 3,3 % und damit über der Mitte des Zielkorridors von 2 - 3 %.
Der Vorstand äußerte sich unsicher darüber, wie aussagekräftig die neuen monatlichen Verbraucherpreisindizes tatsächlich sind.
„Dennoch deuten die Daten auf eine breiter angelegte Belebung der Inflation hin, von der ein Teil anhaltend sein könnte und daher genau beobachtet werden muss“, hieß es weiter.
Die Wirtschaft, die sich möglicherweise an ihrer Kapazitätsgrenze bewegt, wuchs im vergangenen Quartal so schnell wie seit zwei Jahren nicht mehr. Getragen wurde das Wachstum von Ausgaben der Unternehmen, des Staates und der Verbraucher. Auch der Arbeitsmarkt blieb robust: Die Arbeitslosenquote sank im Oktober von 4,5 % auf 4,3 %.
Die lange Zeit gedrückte Stimmung unter den Verbrauchern hat sich aufgehellt und sorgt für eine optimistischere Prognose beim privaten Konsum. Die Immobilienpreise kletterten auf Rekordhöhen, das Wachstum bei Wohnkrediten zog an und die freundlichen Aktienmärkte deuten darauf hin, dass die finanziellen Bedingungen weniger restriktiv sind als bisher angenommen.
„Unser Eindruck ist, dass die RBA bei Anzeichen für eine anhaltende Inflationsdynamik rasch reagieren würde“, sagte Sally Auld, Chefvolkswirtin der National Australia Bank.
„Derzeit erwarten wir für das kommende Jahr eine Zinspause, aber ... der Februar ist nun ein möglicher Termin für eine Anpassung, falls die Inflationsdaten am 7. und 28. Januar die Befürchtungen der RBA bestätigen.“


















