Der australische U-Boot-Stützpunkt der AUKUS-Allianz und dessen Umgebung werden laut von Reuters eingesehenen Dokumenten diskret an drei leistungsstarke neue Untersee-Internetkabel angebunden, die von Alphabets Google und dem Unternehmen SUBCO geplant werden.

Der Marinestützpunkt HMAS Stirling an Australiens Westküste wird ab 2027 vier von den USA kommandierte Virginia-Klasse-U-Boote beherbergen. Damit erhält die US-Marine einen strategischen Zugang zum Indischen Ozean, während Washington und Canberra ihre Überwachung chinesischer U-Boot-Aktivitäten verstärken.

Die von Google und dem lokalen Unternehmen SUBCO geplanten Hochgeschwindigkeitskabel, die den Indischen Ozean bis nach Afrika und Asien überspannen und Australiens Ost- und Westküste verbinden sollen, laufen bei oder in der Nähe von HMAS Stirling an Land. Damit rückt der Stützpunkt ins Zentrum eines rasant wachsenden Netzwerks, während das australische Militär seine digitale Widerstandsfähigkeit stärken will.

SUBCO erklärte, dass ein neues Hochleistungskabel, das Australiens Ost- und Westküste verbindet, einen Abzweig zu HMAS Stirling enthalten wird. In öffentlichen Projektunterlagen wird jedoch nur ein Landepunkt in der Stadt Perth erwähnt, rund 60 km nördlich.

,,Diese neuen Routen, die von SUBCO und Google gebaut werden, sind entscheidend, um die Kapazität und Widerstandsfähigkeit bereitzustellen, die nicht nur als sicherer Knotenpunkt für die gesamte Region erforderlich sind, sondern auch für Australiens KI-Ambitionen", sagte Gründer Bevan Slattery in einer Erklärung gegenüber Reuters.

SUBCO hatte 2022 das erste Australien-Oman-Kabel fertiggestellt, das laut Reuters teilweise vom Pentagon finanziert wurde, um einen ,,geheimen" Abzweig zum gemeinsamen US-britischen Luftwaffenstützpunkt Diego Garcia zu ermöglichen.

Strategische Vorteile

Googles Pläne sehen unter anderem ein Kabel nach Norden zu Australiens entlegenem Außenposten auf der Weihnachtsinsel im Indischen Ozean sowie ein weiteres Kabel nach Afrika vor. Beide sollen in Madora Bay nahe dem Marinestützpunkt HMAS Stirling anlanden.

Ein Google-Sprecher erklärte, die Landeeinrichtung werde ,,im Landesinneren in einer Industriezone" liegen, wollte jedoch keine weiteren Details nennen.

Googles Umweltantrag für ein separates Pazifikkabel an Australiens Ostküste, das mit den Vereinigten Staaten verbunden werden soll, verweist auf ,,geostrategische Veränderungen im Indopazifik" und eine Entscheidung der Quad-Diplomatiegruppe (Australien, USA, Japan und Indien), in Unterseekabel zu investieren, als Kontext für das Projekt.

Reuters berichtete vergangene Woche, dass der Technologiekonzern plant, ein Rechenzentrum auf der Weihnachtsinsel zu errichten. Militärexperten sehen darin einen strategischen Vorteil für den Betrieb von Drohnen und autonomen Systemen. Das chinesische Außenministerium erklärte, von dem Vorhaben nichts zu wissen.

Auf Anfragen zu den Plänen teilte die australische Kommunikations- und Medienbehörde mit, ihr seien keine bestehenden Kabel in Madora Bay bekannt.

Bessere Widerstandsfähigkeit

Etwa 1.000 US-Marineangehörige werden voraussichtlich ab dem kommenden Jahr in Rockingham, dem Standort von HMAS Stirling, und im benachbarten Mandurah leben, um die nuklearbetriebenen U-Boote zu unterstützen, wie australische Regierungsvertreter mitteilten.

,,Militärs sind wie andere große Unternehmen auf sehr schnelle Datenverbindungen angewiesen - sie benötigen sie zwischen militärischen Einrichtungen, aber auch zwischen Verbündeten und diplomatischen Netzwerken", sagte Sam Bashfield, Experte für maritime Sicherheit im Indischen Ozean an der La Trobe University.

Australiens Marinechef, Vizeadmiral Mark Hammond, erklärte vergangene Woche, dass Seekabel für Australien sowohl Lebensader als auch größte Verwundbarkeit seien und verwies auf weltweit zunehmende Fälle von Sabotage an Kabeln.

Der Bau weiterer Kabel über Ozeane, in denen es bisher nur wenige Verbindungen gab, erhöhe die Widerstandsfähigkeit, betonte Bashfield.

Die australische Umweltbehörde hat die Prüfung der von Google geplanten Kabel in Westaustralien vorerst ausgesetzt, um ,,nationale Umweltbelange, einschließlich bedrohter und wandernder Meeresarten", zu berücksichtigen, sagte ein Sprecher des Ministeriums für Klimawandel, Energie, Umwelt und Wasser.

Google erklärte, das Unternehmen werde ,,alle geltenden Umweltvorschriften einhalten".