Auf den ersten Blick mag ein Segment mit einem Volumen von knapp 80 Milliarden Euro im Kontext des europäischen Marktes für Vermögensverwaltung eher unbedeutend erscheinen. Gleichwohl zählen sogenannte aktive ETFs derzeit eindeutig zu den dynamischsten Wachstumsfeldern der Branche.
Das belegt auch die jüngste Erhebung von Morningstar. Dank Mittelzuflüssen von 22,7 Milliarden Euro im Jahr 2025 haben sich die verwalteten Vermögen binnen zwei Jahren nahezu verdreifacht und erreichten 78,4 Milliarden Euro. Während das Angebot bis 2023 noch überschaubar blieb, hat es in den vergangenen beiden Jahren deutlich an Fahrt gewonnen – mit nicht weniger als 50 Neuauflagen im Jahr 2024 und 139 weiteren Produkten im Jahr 2025. Mit inzwischen mehr als 280 verfügbaren aktiven ETFs hat sich das Angebot zwischen 2024 und 2025 damit nahezu verdoppelt.
JP Morgan weiterhin marktführend
Auch die Zahl der Emittenten ist deutlich gestiegen. Anbieter wie Goldman Sachs, Fineco, Nordea, HSBC oder M&G sind neu in dieses Segment eingestiegen. „Viele dieser Gesellschaften hatten ETFs historisch gemieden, da sie mit passiven, kostengünstigen Indexanlagen assoziiert wurden. Diese Haltung ändert sich derzeit. Vermögensverwalter betrachten ETFs zunehmend als leistungsfähigen Vertriebskanal und als Möglichkeit, den Zugang zu ihren aktiven Kompetenzen zu verbreitern“, erläutert das Analysehaus. Gleichwohl behaupten die etablierten Schwergewichte ihre Spitzenpositionen. JP Morgan kontrolliert weiterhin 47 % des Marktes, deutlich vor Fidelity (10,4 %) und Pimco (6,7 %).
Im Detail dominieren vor allem Aktienstrategien – sowohl hinsichtlich der Produktpalette als auch des verwalteten Vermögens. Sie stehen für 71 % der Assets under Management. Von den 139 Neuauflagen im Jahr 2025 entfielen 90 auf aktiv gemanagte Aktien-ETFs. Aktiv gemanagte Anleihe-ETFs liegen weiterhin eine Stufe darunter, wenngleich ihr Anteil am Gesamtmarkt zwischen 2024 und 2025 leicht von 21,3 % auf 22,5 % gestiegen ist.
Aktive oder passive ETFs?
ETFs haben sich vor allem aufgrund ihrer niedrigen Verwaltungsgebühren – in der Regel zwischen 0,05 % und 0,25 % – zu unverzichtbaren Anlageinstrumenten entwickelt. Aktive ETFs erweitern dieses Argument um den Anspruch, den jeweiligen Referenzindex zu übertreffen. Das Managementteam beschränkt sich somit nicht auf die rein passive Nachbildung eines Index, sondern passt die Positionierung entsprechend seiner Markteinschätzungen an.
Konzeptionell nähern sich sogenannte aktive ETFs damit der klassischen aktiven Vermögensverwaltung an. Dennoch unterscheiden sie sich in zwei wesentlichen Punkten: Sie werden fortlaufend an der Börse gehandelt und weisen deutlich niedrigere Kostenstrukturen auf – typischerweise zwischen 0,2 % und 0,5 %, verglichen mit rund 2 % bei traditionellen aktiv gemanagten Fonds.
Und wie geht es weiter?
Nach dem Siegeszug der passiven ETFs stehen nun offenbar auch aktive ETFs vor einer vielversprechenden Entwicklungsphase. Ein Blick in die USA stützt diese Einschätzung. In Europa machen aktive ETFs bislang lediglich 2,9 % des gesamten ETF-Marktes aus. In den Vereinigten Staaten liegt ihr Marktanteil bereits bei 11 %.





















