Der niederländische Ausrüster verfügt – wie allgemein bekannt – über ein echtes technologisches Monopol: jenes auf dem Gebiet der extrem-ultravioletten Lithographieanlagen, das ihm bislang kein Konkurrent streitig machen konnte.
Diese Maschinen, die von allen großen Chipherstellern eingesetzt werden – darunter TSMC und Samsung, die zusammen rund die Hälfte des Umsatzes von ASML ausmachen – bestehen aus nahezu einer halben Million Einzelteilen.
Diese hochkomplexen Konstruktionen aus Präzisionsoptik, Hochleistungslasern, ultra-stabilen mechanischen Komponenten und extremem Vakuum erreichen Verkaufspreise von bis zu 350 Millionen US-Dollar. Ihre Abnahme ist zudem an die Zustimmung der Kunden zu regelmäßigen Preiserhöhungen gekoppelt, mit denen ASML die Inflation weitergibt.
Sicher ist nur: Der Bedarf an Rechenleistung wird weiter steigen – eine Entwicklung, von der ASML dank seiner technologischen Schlüsselposition zweifellos profitieren wird. Auch das ist allgemein bekannt.
Schon das vergangene Jahrzehnt war überaus erfolgreich für das Unternehmen: Umsatz und Gewinn pro Aktie haben sich beinahe verfünffacht, während knapp 35 Milliarden Euro in Form von Aktienrückkäufen und Dividenden an die Aktionäre zurückgeflossen sind. Entsprechend ist auch die Marktkapitalisierung deutlich gestiegen.
Doch ein zentrales, wenn nicht gar heikles Thema bleibt das China-Geschäft. Trotz wachsender amerikanischer Sanktionen gingen im laufenden Quartal immer noch 42 % der ASML-Lieferungen in die Volksrepublik – ein klares Zeichen für die fortbestehende Abhängigkeit des Konzerns vom chinesischen Markt.
Hinzu kommt die inhärente Zyklizität des Geschäfts mit Anlagen für die Halbleiterindustrie. Im Vergleich zum Vorjahr hat ASML in diesem Quartal nur halb so viele Systeme ausgeliefert. Allerdings bleibt der Auftragsbestand stabil und liegt im Durchschnitt der vergangenen Jahre – ein beruhigendes Signal.
Diese Wachstumsschwäche schlägt sich auch im Umsatz nieder, der unter dem Niveau der beiden vorangegangenen Quartale liegt und dem des Vorjahreszeitraums entspricht. Der operative Gewinn stagniert weiterhin bei rund 2,5 Milliarden Euro pro Quartal.
Nach Angaben des Unternehmens ist der chinesische Nachfragerückgang der Hauptgrund für die aktuelle Stagnation – ein Rücksetzer nach zwei bis drei Jahren ungewöhnlich hoher Auftragseingänge. Diese Phase könnte sich fortsetzen, wenn man der vorsichtigen Formulierung von CEO Christophe Fouquet folgt, der für 2026 „nicht mit einem geringeren Umsatz als 2025“ rechnet.
Der neue strategische Plan des Unternehmens trägt der breiten Spanne möglicher Szenarien Rechnung: Bis 2030 visiert ASML einen Jahresumsatz zwischen 44 und 60 Milliarden Euro an – etwa das Doppelte des für 2025 erwarteten Niveaus.
Nach einem von MarketScreener-Analysten weitgehend geteilten Modell – und vorausgesetzt, ASML hält den bisherigen Rhythmus bei Aktienrückkäufen aufrecht – prognostizieren die Experten von JPMorgan bis dahin einen Gewinn pro Aktie zwischen 36 und 65 Euro. Die aktuelle Bewertung am Markt spiegelt somit einen recht ausgeprägten Optimismus wider.
Ein Optimismus, den der drittgrößte Aktionär des Konzerns offenbar nicht mehr teilt: Capital Research hat in den letzten Wochen 29 Millionen Aktien veräußert, mehr als zwei Drittel seiner Beteiligung. Trotz dieses erheblichen Verkaufsdrucks legte die Aktie jedoch deutlich zu – ein Zeichen dafür, dass die Nachfrage vonseiten anderer Investoren weiterhin stark ist.
Im September beteiligte sich ASML mit 11 % am französischen KI-Vorzeigeunternehmen Mistral, das bei seiner jüngsten Finanzierungsrunde mit 12 Milliarden Euro bewertet wurde. Wenige Tage zuvor hatte das US-Unternehmen Anthropic – Entwickler der Claude-KI und Konkurrent von OpenAI – 13 Milliarden Dollar bei einer Bewertung von 183 Milliarden eingesammelt.




















