Die Präsentation des neuesten iPhones hatte Investoren zunächst eher kühl gelassen. Doch mit dem Start der Auslieferung hat Apple offensichtlich den Nerv der Konsumenten getroffen: Vorbestellungen liefen stark an, Zulieferer mussten ihre Produktionsmengen hochschrauben. In mehreren Ländern bildeten sich Schlangen vor den Stores, während die Lieferzeiten in Metropolen spürbar nach oben schnellten – Szenen, die man zuletzt eher in der Ära Steve Jobs erwartet hätte.

Analysten zeigen sich zunehmend optimistisch. Wedbush Securities erinnert daran, dass weltweit rund 1,5 Milliarden iPhones im Umlauf sind – davon rund 315 Millionen Geräte, die seit vier Jahren nicht ersetzt wurden. Ein riesiges Erneuerungspotenzial also. Sollte sich das iPhone 17 als Kassenschlager bestätigen, könnten viele Nutzer ihr Upgrade früher vorziehen. Wedbush hat seine Absatzprognose für 2026 jedenfalls nach oben geschraubt – von bislang 230 auf nunmehr 240 bis 250 Millionen verkaufte iPhones.

Parallel dazu eilt die Wall Street von Rekord zu Rekord. Die Angst, den Zug zu verpassen – im Fachjargon FOMO (Fear of Missing Out) – treibt die Anleger in Scharen in den Markt. Für Apple bedeutet das: Auch wenn der Konzern im Bereich künstliche Intelligenz nicht gerade als Innovationsführer glänzt, genügt schon eine kleine positive Nachricht, um den Kurs in die Höhe zu treiben. So notiert die Aktie aktuell dicht an den Höchstständen vom vergangenen Winter.

Doch der Glanz trügt. Apple hinkt in Sachen KI hinterher und löst längst nicht mehr den „Wow-Effekt“ aus, den frühere Produkte wie das erste iPhone oder das iPad hatten. Statt disruptiver Sprünge gibt es heute eher kosmetische Verbesserungen: bessere Kameras, mehr Speicher, neue Features für Geschwindigkeit, schmalere Designs oder ein seitlicher Button. In den letzten Quartalen fehlte Investoren daher zunehmend die klare Vision für künftiges Wachstum.

Das erfolgreiche Launch-Wochenende ist ohne Zweifel eine gute Nachricht – aber eben nur eine Momentaufnahme. Die strukturellen Herausforderungen bleiben dieselben. Apple mag aktuell Rückenwind spüren, doch das reicht allein nicht für einen Dauerflug in neue Kursdimensionen.