Bei der Veröffentlichung der vorläufigen Ergebnisse für das Geschäftsjahr 2025-2026 wies der Konzern eine bereinigte operative Marge von rund 6 % aus. Dies entspricht einem Rückgang gegenüber den 6,4 % des Vorjahres und liegt deutlich unter der zuvor kommunizierten Prognose von etwa 7 %.

In den weiteren Bilanzpositionen stieg der Umsatz um 4 % bzw. organisch um 7 % auf 19,2 Milliarden Euro, während der Auftragseingang um 39 % bzw. organisch um 42 % auf 27,6 Milliarden Euro nach oben schnellte. Der freie Cashflow belief sich auf rund 330 Millionen Euro und lag damit innerhalb der vom Unternehmen ausgegebenen Prognosespanne (zwischen 200 und 400 Millionen Euro), sank jedoch im Vergleich zu den im Vorjahr erzielten 502 Millionen Euro.

Eine weitere Enttäuschung: Im Berichtszeitraum produzierte das Unternehmen 4 284 Wagen, was einen Rückgang gegenüber den 4 383 Einheiten des Geschäftsjahres 2024-2025 darstellt. Dieser Rückgang verdeutlicht das langsamer als erwartet verlaufende Tempo bei bestimmten Rollmaterial-Projekten, wodurch sich die Phase des Hochlaufs verlängert.

Ziele für die Free-Cashflow-Marge aufgegeben

Ein weiterer kritischer Punkt der Alstom-Veröffentlichung betrifft den Ausblick. Für das Anfang April begonnene Geschäftsjahr 2026-2027 rechnet der Konzern mit einem organischen Umsatzwachstum von rund 5 %, was etwas weniger als erwartet ist, und einer bereinigten operativen Marge von 6,5 %. Die Analysten von Jefferies weisen darauf hin, dass hier ein Wert von rund 7,1 % erwartet worden war und das Ziel von 6,5 % eine Abwärtskorrektur des EBIT um etwa 10 % impliziert. Alstom strebt zwar eine positive Generierung des freien Cashflows an, doch dürfte die Saisonalität im ersten Halbjahr 2026-2027 zu einem Mittelabfluss von rund 1,5 Milliarden Euro führen. Infolgedessen wird das Ziel eines kumulierten freien Cashflows von 1,5 Milliarden Euro für den Dreijahreszeitraum von 2024-2025 bis 2026-2027 nicht aufrechterhalten. Schließlich wird auch die mittelfristige Ambition einer bereinigten operativen Marge von 8 bis 10 % bis zum Geschäftsjahr 2026-2027 nicht erreicht werden.

Analysten reagieren

Für Jefferies ist dieses jährliche Update enttäuschend, obwohl die Nachfrage mit einem kontinuierlich wachsenden Auftragsbestand stark bleibt. Die Investmentbank stellt fest, dass die Projektausführung den Fortschritt behindert, insbesondere beim freien Cashflow, der das Schlüsselelement der Investmentstory bleibt. Die Daten zeigen laut Jefferies zudem, dass Alstom bei der operativen Umsetzung Verbesserungspotenzial hat. Dies dürfte die Priorität des neuen Vorstandsvorsitzenden sein, von dem erwartet wird, dass er einen operativen Plan und neue mittelfristige Ziele vorstellt. Jefferies belässt den Titel auf "Buy" mit einem Kursziel von 25 Euro.

Bei der Deutschen Bank ist man der Ansicht, dass die Geduld der Anleger auf eine harte Probe gestellt wird. Angesichts der Warnung bezüglich der Margen- und Cashflow-Ziele für das kommende Geschäftsjahr haben die Analysten ihre Schätzungen für den Gewinn pro Aktie für die nächsten Jahre um durchschnittlich 18 % gesenkt und prognostizieren einen Anstieg der Nettoverschuldung des Konzerns um 400 bis 600 Millionen Euro im Geschäftsjahr 2026-2027. Die deutsche Bank sieht dennoch langfristig erhebliches Wertschöpfungspotenzial. Die Empfehlung wird jedoch von "Buy" auf "Hold" herabgestuft, wobei das Kursziel von 31 auf 23 Euro gesenkt wurde.

Oddo BHF betont, dass Alstom sein Geschäftsjahr mit einem Rekordjahr in Bezug auf die Aktivität abgeschlossen hat, die Marge jedoch durch Probleme beim Hochlauf großer Projekte, Mehrkosten bei Projekten am Ende der Auslieferung und punktuelle Schwierigkeiten belastet wurde. Die Analysten erklären wie ihre Kollegen, dass die Aufgabe des Ziels eines kumulierten freien Cashflows von über 1,5 Milliarden Euro über drei Jahre die Folge von Ausführungsproblemen ist. Sie sind zudem der Ansicht, dass der Amtsantritt eines neuen CEO zwar eine Anpassung der Ziele befürchten ließ, diese jedoch ein beispielloses Ausmaß hat und "erneut eine Phase geringer Visibilität (und damit hoher Volatilität der Aktie) einleitet". Oddo BHF erwartet zwei entscheidende Schritte: die Entscheidung von Moody's (Bestätigung des Baa3-Ratings oder nicht) und die für Ende des Jahres erhoffte neue Roadmap. Die Analysten bleiben bei "Outperform", haben das Kursziel jedoch von 30 auf 25 Euro reduziert.

Schließlich wurde bei Goldman Sachs die EBIT-Prognose für das laufende Geschäftsjahr um 14 % gesenkt, um die Underperformance von Alstom im zweiten Halbjahr 2025-2026 und den schwächer als erwartet ausgefallenen Ausblick widerzuspiegeln. Die Analysten sind der Meinung, dass Anleger vorsichtig bleiben sollten, bis der neue Chef mehr Klarheit schafft, insbesondere über Sofortmaßnahmen zur Stabilisierung der Performance und über die vom Unternehmen erwähnten tiefgreifenden operativen Veränderungen zur Wiederherstellung einer nachhaltigen Projektausführung. Goldman Sachs bestätigt die Verkaufsempfehlung ("Sell") und senkt das Kursziel von 21,5 auf 18,5 Euro.