Starke Zahlen, noch ambitioniertere Pläne

Alphabet ist das erste der „Glorreichen Sieben“, das Quartalszahlen vorlegt – und setzt direkt ein Ausrufezeichen. Der Umsatz im zweiten Quartal liegt mit 96,43 Milliarden US-Dollar deutlich über den 94 Milliarden, die laut LSEG-Konsens erwartet wurden. Auch der Gewinn pro Aktie übertrifft mit 2,31 US-Dollar die Prognosen (2,18 US-Dollar). Doch anstatt sich mit dieser überzeugenden Performance zufrieden zu geben, kündigte Finanzchefin Anat Ashkenazi Investitionen in Höhe von nunmehr 85 Milliarden US-Dollar an – 10 Milliarden mehr als zuvor.

Eine mutige Entscheidung in einem wirtschaftlichen Umfeld, das auch für Technologiegiganten nicht frei von Risiken ist.

Ein neuer Zyklus gigantischer KI-Investitionen

Bereits Anfang 2025 hatte die Ankündigung von DeepSeek die großen Tech-Konzerne zu massiven Investitionsoffensiven im Bereich Künstliche Intelligenz veranlasst. Microsoft sah sich damals gezwungen, einen Capex von 100 Milliarden US-Dollar für das laufende Jahr zu rechtfertigen. Alphabet hatte seinerseits Ausgaben von 75 Milliarden angekündigt – mit Fokus auf Google Cloud.

Dass jetzt noch einmal zehn Milliarden obendrauf kommen, ließ Investoren zunächst innehalten – ehe die Analystenkonferenz die Gemüter beruhigte.

Denn Alphabet bleibt eine treibende Kraft im KI-Sektor – nicht zuletzt dank seines Sprachmodells Gemini, das von vielen als eines der besten am Markt angesehen wird. „Im Fall von Google ist ein steigender Capex ein Luxusproblem“, erklärt Doug Anmuth von JPMorgan. „Er reflektiert eine starke KI-Nachfrage und Googles Fähigkeit, dank besserer Infrastruktur gezielt zu investieren.“ Finanzchefin Ashkenazi betonte: „Diese Investitionen sind notwendig, um unser Wachstum langfristig zu sichern.“

Google Cloud als Wachstumsmotor

Und das Wachstum ist sichtbar: Die Cloud-Sparte von Google übertraf mit einem Umsatzplus von 32 % deutlich die Erwartungen (+26,5 %). Auch die Zahl der Kunden wuchs kräftig – um 28 %.

Doug Anmuth bringt es auf den Punkt: „Google Cloud entspricht inzwischen fast der Hälfte der Größe von AWS und zwei Dritteln von Azure – wächst aber rund doppelt so schnell wie AWS und fast so schnell wie Azure.“

In diesem Kontext könnten auch Partnerunternehmen wie Broadcom profitieren. Der Konzern liefert die begehrten Ironwood-TPUs, die in Googles KI-Rechenzentren zum Einsatz kommen. Laut Reuters hat selbst OpenAI – eigentlich ein direkter Konkurrent mit ChatGPT – kürzlich begonnen, auf Google Cloud zuzugreifen, um sich diese Rechenleistung zu sichern. Das stärkt Alphabets Position im Zentrum des KI-Ökosystems.

Zwei Risikofaktoren im Blick

Trotz der überzeugenden Entwicklung bleiben zwei Punkte, die Anleger im Auge behalten sollten.

Erstens: Noch immer stammen rund 75 % der Einnahmen aus dem Werbegeschäft – getragen von der dominanten Position im Bereich Online-Suche. Doch mit dem Vormarsch der Künstlichen Intelligenz und neuen Nutzungsgewohnheiten im Netz könnte dieses Modell auf die Probe gestellt werden. Alphabet verweist zwar auf wachsende Nutzerzahlen bei Funktionen wie „AI Overviews“ und „AI Mode“ – ob sich diese auch dauerhaft monetarisieren lassen, bleibt abzuwarten. Laut JPMorgan liegt die Monetarisierung der KI-Antworten derzeit in etwa auf dem Niveau der klassischen Suche. Gleichzeitig zeigen sich Werbekunden bereit, für hochwertigere Leads mehr zu zahlen.

Zweitens: Alphabet steht unter regulatorischem Druck. Das US-Justizministerium (DOJ) führt ein Verfahren wegen Wettbewerbsverzerrung. Ein Urteil wird im August erwartet – und könnte schwerwiegende Folgen haben. Im Raum steht eine mögliche Abspaltung des Chrome-Browsers. Justin Post und Nitin Bansal von der Bank of America warnen: Eine Entscheidung gegen Alphabet wäre ein erheblicher Risikofaktor.

Alphabet überzeugt zwar operativ – und setzt im KI-Wettrennen weiter Maßstäbe. Doch strukturelle Risiken mahnen zur Wachsamkeit.