Die Tech-Branche steckt derzeit in der Defensive. Nachdem sie die großen Indizes über Jahre hinweg getragen hat, wirkt sie nun erstaunlich kraftlos. Diese Verschiebung spiegelt sich deutlich in der Indexentwicklung wider: Während der Nasdaq ins Stocken gerät, marschiert der Dow Jones unbeirrt weiter. Der Index, der die traditionelleren Sektoren der US-Wirtschaft abbildet, durchbrach Ende vergangener Woche erstmals sogar die symbolträchtige Marke von 50.000 Punkten.
Nachdem der Markt lange Zeit kompromisslos auf die Gewinner der KI-Welle gesetzt hatte, richtet sich der Blick nun auffällig auf die Verlierer. Von Software über Vermögensverwaltung bis hin zu Verlagen, Gaming und jüngst den Transportunternehmen – Gewinnwarnungen und Kurseinbrüche gehören in dieser Berichtssaison fast schon zur Tagesordnung.
Und selbst bei den bisherigen KI-Überfliegern kommen Zweifel auf. Investoren fragen sich zunehmend, wie sich die immer weiter steigenden Investitionen tatsächlich monetarisieren lassen. Die jüngsten Quartalszahlen der Hyperscaler wurden entsprechend zurückhaltend aufgenommen – trotz deutlich angehobener Investitionspläne. Alphabet, Amazon, Meta und Microsoft wollen ihre Investitionsausgaben (Capex) im Jahr 2026 auf insgesamt 660 Milliarden US-Dollar steigern. Eine gewaltige Summe – und ein noch gewaltigeres Versprechen an die Zukunft.
Einzig der Halbleitersektor entzieht sich bislang der allgemeinen Schwäche. Titel wie SK Hynix, Samsung, TSMC oder ASML verzeichnen seit Jahresbeginn deutliche Kursgewinne. Niemand weiß mit Sicherheit, wohin die KI-Revolution am Ende führen wird – doch eines ist klar: Die Anbieter von Schaufeln und Spitzhacken verdienen schon jetzt prächtig daran.
Die Zweifel an der KI-Euphorie sind nicht neu. Seit mehreren Monaten zeichnen sie sich ab – und schlagen sich in einem Führungswechsel am US-Aktienmarkt nieder. Der Nasdaq 100 markierte sein jüngstes Hoch am 29. Oktober, mitten in der vorherigen Berichtssaison. Doch die Tech-Werte haben den Gesamtmarkt nicht mehr mitgezogen. Stattdessen erleben wir eine klassische Sektorrotation.
 
Performance verschiedener S&P-500-Sektoren seit dem 29. Oktober
In den vergangenen drei Jahren hatten sich Investoren nahezu blindlings auf Tech-Werte gestürzt, um vom KI-Boom zu profitieren – und dabei andere Marktsegmente links liegen lassen. Diese Begeisterung führte zu erheblichen Bewertungsunterschieden, die nun eine gewisse Rotation durchaus plausibel erscheinen lassen.
Seit Jahresbeginn liegt der Dow Jones im Plus, während der Nasdaq im Minus notiert. In den vergangenen zehn Jahren konnte der Dow den Nasdaq lediglich zweimal outperformen: 2016 und 2022. Vielleicht ist es also wieder so weit – und diesmal stehen nicht die Algorithmen im Rampenlicht, sondern ganz profan Industrie, Banken und Konsumwerte. Manchmal gewinnt eben doch der gute alte Schraubenschlüssel gegen den neuesten Chip.






















