München/Paris, 03. Dez (Reuters) - Airbus verabschiedet sich nach der jüngsten Panne bei Rumpfteilen für seinen Bestseller A320 von seinem Auslieferungsziel für das laufende Jahr.
Der weltgrößte Flugzeugbauer rechnet nun damit, nur noch 790 Flugzeuge an die Kunden übergeben zu können. Bislang hatte Airbus mit 820 Maschinen gerechnet. Der Grund dafür seien die kürzlich aufgetauchten Qualitätsprobleme bei einem Zulieferer von Rumpfteilen für die A320-Baureihe, teilte Airbus am Mittwoch mit. Die Lufthansa ist davon auch betroffen, erwartet aber keine Auswirkungen auf den Flugplan, wie sie betonte.
An seinen finanziellen Zielen für das laufende Jahr hält Boeing-Rivale Airbus trotz der Panne und der verzögerten Auslieferungen fest: einem bereinigten Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) von rund 7,0 Milliarden Euro und einem operativen Mittelzufluss (Free Cash-flow) vor Kundenfinanzierungen von rund 4,5 Milliarden Euro. Airbus-Aktien legten am Mittwoch 2,7 Prozent zu.
Airbus-Chef Guillaume Faury hatte bereits am Dienstag eingeräumt, dass das Auslieferungsziel wegen der Rumpf-Panne nicht mehr zu halten sein würde. Schon im November seien erste Effekte erkennbar gewesen. Branchenkreisen zufolge wurden im abgelaufenen Monat 72 Flugzeuge an die Kunden übergeben, weniger als ursprünglich erwartet. Die offiziellen Zahlen werden für Freitag erwartet. Das ursprüngliche Auslieferungsziel galt allerdings schon zuvor als ambitioniert. Um die Zielmarke im Gesamtjahr zu schaffen, hätte das Unternehmen im Dezember mehr als 160 Maschinen an die Kunden übergeben müssen, das wäre ein Rekord gewesen.
Bei den betroffenen Teilen stimmt die Stärke des Metalls nicht, wie aus einer Präsentation hervorgeht, in die Reuters Einblick erhielt. Die Airbus-Ingenieure müssten deswegen 628 Flugzeuge genau unter die Lupe nehmen, darunter 168, die bereits bei den Kunden in Betrieb seien, heißt es in der Präsentation. Der Rest befindet sich noch in den Airbus-Werken. Branchenkreisen zufolge sollten von den Maschinen, die nun auf den Prüfstand müssen, 100 noch in diesem Jahr ausgeliefert werden.
Ein Airbus-Sprecher bestätigte, dass unter den Maschinen, die nun überprüft werden müssen, sowohl halbfertige Flugzeuge als auch solche in Kundenhand sind. Zahlen nannte er nicht. Bei der Lufthansa sind es elf Maschinen, die vor Kurzem ausgeliefert wurden, sowie zwei, die sie in dieser Woche erhalten sollte. "Lufthansa wird die empfohlene Untersuchung umgehend durchführen und ist mit dem Hersteller im engen Austausch", sagte eine Sprecherin. Die Sicherheit der Flugzeuge sei "zu jedem Zeitpunkt gewährleistet", Auswirkungen auf den Betrieb gebe es nicht.
Ein Insider bei einer Fluggesellschaft sagte, die Inspektion der Maschinen sei nach wenigen Stunden erledigt. Sollten dabei Schäden gefunden werden, dürfte es länger dauern. Einem Bericht des "Air Current" zufolge könnte sich eine Reparatur über drei bis fünf Wochen hinziehen. Reuters hatte am Montag zuerst über die Probleme mit den Rumpfteilen berichtet.
Für Airbus sind die Rumpf-Probleme die dritte schlechte Nachricht binnen weniger Tage. Erst am Wochenende hatte das Unternehmen rund 6000 A320-Flugzeuge für ein Softwareupdate zurückgerufen. Auslöser waren Steuerungsprobleme und ein unbeabsichtigter Höhenverlust bei einem JetBlue-Flug am 30. Oktober, bei dem zehn Passagiere verletzt wurden. Kurz zuvor hatte das Unternehmen den Betrieb einiger mit Triebwerken von Pratt & Whitney ausgestatteter Flugzeuge bei extremer Kälte eingeschränkt.
(Bericht von Tim Hepher, Alexander Hübner und Ilona Wissenbach, geschrieben von Christina Amann, redigiert von Myria Mildenberger. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)



















