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Thyssen-Chef gibt Stahlkochern für Fusion Rekord-Garantien

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22.12.2017 | 14:00
Thyssenkrupp steel workers hold protest rally in Bochum

- von Tom Käckenhoff und Matthias Inverardi

Mit einer Beschäftigungsgarantie von neun Jahren will der Manager die mehr als 20.000 Stahlkocher für die Pläne gewinnen, gegen die viele von ihnen seit anderthalb Jahren auf die Straßen gegangen waren. "Wir haben die Fusion nie gewollt, aber wir wollten eine Vereinbarung zum Schutz der Beschäftigten", sagte der stellvertretende Aufsichtsratschef von Thyssenkrupp Steel Europe, Detlef Wetzel, am Freitag der Nachrichtenagentur Reuters. Hiesinger behält sich für Thyssen auch die Möglichkeit vor, später aus dem Stahl-Gemeinschaftsunternehmen auszusteigen, etwa über einen Börsengang.

"Neun Jahre keine Kündigungen, neun Jahre keine Standortschließungen. Das hat es auch im Stahl so nie gegeben", betonte Wetzel, der früher Chef der IG Metall war. Diese hatte am Donnerstagabend eine Vereinbarung für einen Tarifvertrag geschlossen. Über das Papier sollen nun vom 13. Januar bis zum 2. Februar die rund 20.500 IG-Metall-Mitglieder unter den insgesamt 27.000 Stahlkochern des Konzerns abstimmen. Am 5. Februar werden die Urnen geöffnet und das Ergebnis präsentiert.

ALLES UNTER VORBEHALT - WIRTSCHAFTSPRÜFER RECHNEN NOCH

Die Vereinbarung sei eine wesentliche Voraussetzung zur Umsetzung der strategischen Ziele, betonte Hiesinger. "Sie gibt uns zum einen die Möglichkeit, die für das Joint Venture angekündigten wirtschaftlichen Vorteile und Synergien zu erzielen und damit wie geplant Mehrwert für Thyssenkrupp und seine Aktionäre zu schaffen. Gleichzeitig geben wir den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Gemeinschaftsunternehmens eine gute Zukunftsperspektive und sichern Arbeitsplätze."

In trockenen Tüchern ist die nun erzielte Einigung nicht. "Jeder der 13 Standorte muss der Vereinbarung zustimmen, sonst kommt diese nicht zustande", sagte Wetzel. Und selbst wenn es die Zustimmung gebe, stehe diese noch unter Vorbehalt. Wirtschaftliche Gutachten müssen bestätigen, dass das Joint Venture tragfähig ist. Es soll hohe Schulden mitbekommen.

Hiesinger kann die Pläne zwar auch gegen die Stimmen der Arbeitnehmervertreter vom Aufsichtsrat absegnen lassen. Er würde damit aber einen Bruch mit den Gewerkschaften riskieren, auf deren Unterstützung er bei der Umsetzung der Fusion setzt. Schließlich sollen dabei - sowohl bei Thyssen wie auch bei Tata - bis zu 2000 Jobs abgebaut werden.

IG METALL WILL RASCHEN AUSSTIEG THYSSENS AUS JV VERHINDERN

Hiesinger kam der IG Metall weit entgegen. Diese hatte zehn Jahre Sicherheit gefordert. Die Gewerkschaft lasse den Konzern als Eigentümer nicht aus der Verantwortung, betonte Wetzel: "Thyssenkrupp wird seinen 50-Prozent-Anteil mindestens sechs Jahre halten müssen. Damit ist das Thyssenkrupp-Management mit verantwortlich für Erfolg oder Scheitern eines möglichen Joint-Ventures." Nicht durchsetzen konnte sich die Gewerkschaft mit ihrer Kritik am geplanten Sitz des Joint Ventures in den Niederlanden. "Steuerflucht und Mitbestimmungsflucht. Das ist die bittere Pille, die wir nicht verhindern konnten."

Thyssenkrupp verwies zudem darauf, dass eine Veränderung der Anteilseignerstruktur nicht ausgeschlossen sei, etwa durch einen Börsengang. Dabei dürfe der Anteil der beiden Unternehmen an dem Joint Venture in den kommenden sechs Jahren insgesamt aber nicht unter 50,1 Prozent fallen, sagte Personalvorstand Oliver Burkhard. Im Fall einzelner Betriebsteile wie in Bochum, Eichen und Hüttenheim gelte zudem die Standortsicherheit nur bis Ende 2021. Ende 2020 solle eine Wirtschaftlichkeitüberprüfung klären, ob diese fortgeführt werden könnten.

Die Aktie von Thyssenkrupp notierte am Freitag zeitweise mehr als ein Prozent im Minus. Einige Analysten monierten, dass der Konzern große Zugeständnisse gemacht habe. Es sei gut, dass es eine Vereinbarung gebe und diese die Möglichkeit eines Börsengangs beinhalte, erklärten hingegen die Experten von Alpha Wertpapierhandel. Die Vereinbarung sei gesichtswahrend für alle Beteiligten, sagte auch Warburg-Analyst Björn Voss. "Hier gibt es keine Gewinner oder Verlierer, sondern der Gesamtplan wird umgesetzt wie avisiert."

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