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Strategie: Stau in der Krebsforschung und dessen Konsequenzen

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07.11.2018 | 11:06

Die Fachleute aus der pharmazeutischen Industrie wissen es nur zu gut: die Krebsforschung nimmt in der klinischen Entwicklung einen immer wichtigeren Platz ein. Dies wirft Fragen in einer Branche auf, die seit der Gründung von Generika- und Biotechnologieunternehmen ohnehin in Aufruhr geraten ist. Es stellt sich die Frage: Zwingt die Goldgräberstimmung um die Krebsforschung die Pharmaindustrie dazu, sich neu zu erfinden. Wir versuchen uns an einer Bestandsaufnahme der Situation.

Wenn es nach dem Analysten des Researchhauses Liberum Graham Doyle geht, dann sollte sich die Pharmaindustrie lieber früher als später neu aufstellen. Ihm zufolge sollten die großen Pharmaunternehmen nicht alle Eier in denselben Korb legen und bei der Spezialmedizin, zu der Letzen Endes auch die Krebsforschung gehört, behutsamer vorgehen. Die Unternehmen des Sektors sollten ihre Forschung und Entwicklung diversifizieren, um mehr Behandlungen für chronische Krankheiten und die medizinische Grundversorgung anbieten zu können. Dazu kommt dass der Analyst glaubt, dass der Preisdruck auf Spezialbehandlungen in den Vereinigten Staaten zunehmen wird, sobald sich die „Patientenseite, einschließlich deren Versicherer besser organisiert und ein besseres Preis-Leistungsverhältnis einfordert“.

Doyle zitiert eine aktuelle Studie von Nature Reviews Drug Discovery, in der geschätzt wird, dass 40% der 3.558 einzigartigen Moleküle, die derzeit in klinischen Studien in der Pharmaindustrie getestet werden, mit der Onkologie zusammenhängen. Wenn man darauf die durchschnittliche Erfolgsrate anwendet, dürften in den kommenden Jahren etwa 153 Krebsbehandlungen auf den Markt kommen. Angesichts der Tatsache, dass die U.S. Drug Agency, die Verwaltungsinstanz für Medikamente, jährlich nur etwa 30 Krebsbehandlungsmedikamente durchwinkt, dürfte es mittel- bis langfristig zu einem „Stau“ bei der Marktzulassung kommen. Zwar ist es ganz klar positiv, dass so stark in die Entwicklung von Medikamenten gegen den Krebs investiert wird. Allerdings ist die Kehrseite der Medaille, dass sich die Industrie mit diesem Konkurrenzkampfes mittel- bis langfristig in die Bredouille bringen könnte.

Intensiver Wettbewerb
 
Zur Illustrierung der Intensität des Wettbewerbs führt der Analyst Doyle an, dass, gemessen an der Anzahl geplanter Produkteinführungen zu einer Krankheit, 11 Krankheiten aus den Top 15 Krebsleiden sind, s. Grafik. Für die 11 Krebsleiden onkologischen Indikationen gibt es durchschnittlich 18 laufende Programme für jede von ihnen. Führend bei der Anzahl der Programme ist Non-Hodgkin-Lymphom (NHL) mit 30, gefolgt vom nicht-kleinzelligen Lungenkrebs (NSCLC) mit 26. Bei den fünf am häufigsten untersuchten Indikationen (NHL, NSCLC, Brustkrebs, akute myeloblastische Leukämie, solide Tumore) konkurrieren durchschnittlich jeweils 24 Moleküle. Für Doyle könnte es schlussendlich zu tragischen Situationen kommen, in bei Behandlungen, die letzendes zugelassen werden, das Geld ausgeht, so dass sie nicht mehr an den Markt gebracht werden können. Man kann die Komplexität der Industrie nur erahnen.  
 

Top 15 Produktlaunches nach Krankheit, Krebskrankheiten in dunkelgrün (Quelle Liberum und NRDD - Zum Vergrößern Bild anklicken)
Was ist die Schlussfolgerung? Graham Doyle ist der Ansicht, dass die derzeitige Onkologie-Pipeline nicht kommerziell nachhaltig ist und dazu beitragen könnte, den anhaltenden Prozess der Preisrückgänge in der Spezialmedizin in den USA zu beschleunigen. Er empfiehlt langfristigen Investoren, diesen Sachverhalt zu berücksichtigen, wenn sie den Sektor analysieren. Er veranschaulicht seinen Standpunkt und seine Schlussfolgerung im Fall Roche. "Wir hören oft, dass Roche nicht mehr das ist, was es früher in der Onkologie war.... aber ich denke, die Reduzierung der Abhängigkeit von der Onkologie ist eigentlich die richtige Strategie. Wenn im Markt, wie Liberum voraussagt, eine Wende eintritt, bei der die Preise für Spezialmedikamente sinken und die Preise für Primärbehandlungen steigen, sollten die Unternehmen, die ihre Forschung und Entwicklung auf letztere ausrichten konnten, vom Markt ganz klar bevorzugt werden. 
 

Anthony Bondain
© MarketScreener.com 2018
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