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OTS: Börsen-Zeitung / Börsen-Zeitung: Pulverfass Persischer Golf / Kommentar ...

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11.10.2019 | 19:38

    Börsen-Zeitung: Pulverfass Persischer Golf / Kommentar zur Entwicklung
auf dem Ölmarkt von Dieter Kuckelkorn
   Frankfurt (ots) - Die Region rund um den Persischen Golf, 
unverzichtbar für die weltweite Energieversorgung, ist und bleibt ein
Pulverfass: In der Nacht zum Freitag wurde ein iranischer Öltanker im
Roten Meer vor der saudi-arabischen Küste mit zwei Raketen 
angegriffen und in Brand gesetzt. Der Brent-Ölpreis reagierte prompt 
mit einem Sprung nach oben.

   Damit nimmt die Kriegsgefahr in der Region wieder zu - worauf der 
Angriff offensichtlich auch abzielte. Zuletzt hatte sich in dieser 
Hinsicht die Lage deutlich beruhigt. Zwar hatte die US-Administration
nach den jemenitischen Angriffen auf saudische Ölanlagen wieder 
mehrfach mit einem Angriff auf den Iran gedroht. Die glaubhaften 
Hinweise der iranischen Regierung, man werde sich in diesem Fall mit 
militärischen Mitteln effektiv wehren, sorgten dann jedoch für eine 
Beruhigung der Gemüter. Vom saudisch-arabischen Kronprinzen Mohammed 
bin Salman war sogar in einem Fernsehinterview die für ihn höchst 
ungewöhnliche Äußerung zu vernehmen, man müsse im Konflikt mit dem 
Iran eine friedliche Lösung anstreben.

   In der Folge fiel der Brent-Ölpreis wieder deutlich zurück. Dazu 
trug bei, dass die globalen Konjunkturdaten und Frühindikatoren klar 
darauf hinweisen, dass sich zumindest die verarbeitende Industrie in 
allen wichtigen Weltregionen bereits in der Rezession befindet. Der 
US-Handelskrieg gegen China, dessen friedliche Beilegung trotz der 
wieder laufenden bilateralen Gespräche in weiter Ferne liegt, hat das
Potenzial, die konjunkturelle Lage erheblich zu verschärfen - zumal 
man nicht unbedingt das Gefühl hat, dass die führenden Akteure in 
Washington genügend ökonomischen Sachverstand besitzen, um zu 
überblicken, welche Schäden auch der US-Wirtschaft im Fall einer 
weiteren Eskalation drohen.

   Käme es beim Ölpreis nur auf das Spiel von sich weiter 
abschwächender Nachfrage und einem zumindest außerhalb der Opec 
steigenden Angebot an, so müsste der Ölpreis weiter sinken. Wir 
erinnern uns an Brent-Preisniveaus von zeitweise unter 30 Dollar 
Anfang 2016, zu welchen allerdings auch die damalige Uneinigkeit und 
Untätigkeit der Opec beitrug.

   Zu einem solchen Preisrückgang wird es aber aktuell unter anderem 
wegen der Markteingriffe der Opec und ihrer Verbündeten nicht kommen.
Insbesondere Saudi-Arabien ist  wegen des immer noch geplanten 
Aramco-Börsengangs auf einen relativ hohen Ölpreis angewiesen. Dieser
Börsengang der staatlichen Ölgesellschaft ist auch einer der Gründe, 
die gegen eine Täterschaft der Saudis beim Terroranschlag auf den 
iranischen Tanker sprechen. Die saudische Führung ist - die 
jemenitischen Angriffe auf die Ölanlagen haben ihr das noch einmal 
verdeutlicht - auf ein ruhiges Umfeld für das IPO angewiesen.

   Damit stellt sich die Frage, wer hinter dem Anschlag steckt und ob
dieser geeignet ist, die Lage im Golf und damit auch den Ölpreis 
explodieren zu lassen. Es spricht einiges für die vom Iran 
verbreitete Vermutung, dass die israelische Regierung hinter der 
Attacke stehen könnte. Der israelische Premierminister Benjamin 
Netanjahu fürchtet einen schwindenden Einfluss seines Landes im Nahen
Osten durch den Aufstieg des Iran zur wichtigsten regionalen Macht. 
Er drängt den Verbündeten USA daher schon lange zu einem Angriff auf 
den Iran nach dem Muster des Kriegs gegen Saddam Hussein. Würde sich 
die iranische Regierung zu einer militärischen Reaktion auf die 
jüngste Provokation hinreißen lassen, hätte er vielleicht sein Ziel 
erreicht. Danach sieht es allerdings derzeit nicht aus. Es bemühen 
sich aktuell alle Beteiligten in der Region, die Lage unter Kontrolle
zu halten.

   Es gibt nur eine Situation, die zu einer weitreichenden 
Konfrontation führen würde: Sollte der Iran wegen der Sanktionen und 
sonstiger Maßnahmen keinerlei Öl mehr exportieren können, wird er 
auch andere Ölproduzenten daran hindern, ihr Öl durch die Straße von 
Hormus zu verschiffen. Dazu wird es aber wohl nicht kommen - wegen 
der großen Erfahrungen der Iraner in der Umgehung westlicher 
Sanktionen und aufgrund der tatkräftigen Unterstützung Russlands und 
Chinas, für die der Iran ein zentraler Knotenpunkt auf der Neuen 
Seidenstraße ist. Und Israel verfügt allein nicht ansatzweise über 
die militärischen Mittel, eine Blockade des Iran durchzusetzen.

   Sollte sich an dieser geopolitischen Gemengelage nichts ändern - 
mögliche Ansatzpunkte hierfür wären ein US-Präsident, der häufig 
seine Meinung ändert, oder auch ein Machtwechsel in Washington -, ist
ein starker Anstieg des Ölpreises derzeit nicht zu erwarten.

   (Börsen-Zeitung, 12.10.2019)

OTS:              Börsen-Zeitung
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Pressekontakt:
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Redaktion

Telefon: 069--2732-0
www.boersen-zeitung.de






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