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OTS: Börsen-Zeitung / Börsen-Zeitung: Für Aktien wird die Luft dünn, ...

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13.09.2019 | 20:32

    Börsen-Zeitung: Für Aktien wird die Luft dünn, Marktkommentar von
Christopher Kalbhenn
   Frankfurt (ots) - In beeindruckendem Tempo ist in den 
zurückliegenden Wochen eine lange Wunschliste der Aktienmärkte 
beinahe vollständig abgearbeitet worden. Die drohende Italien-Krise 
ist bis auf Weiteres abgewendet worden, die Chancen, dass der Hard 
Brexit vermieden werden kann, sind deutlich gestiegen, und im 
Handelskonflikt gab es zuletzt sehr vielversprechende Signale einer 
Entspannung. Zu guter Letzt hat schließlich die Europäische 
Zentralbank mit einem umfassenden Lockerungsmaßnahmenpaket geliefert.
An den Aktienmärkten sind diese Nachrichten sehr positiv aufgenommen 
worden. Seit Mitte August ist der Dax um mehr als 1000 Punkte 
gestiegen.

   In der Stimmungslage der Anlagestrategen hat sich all dies 
allerdings nicht niedergeschlagen. Im Gegenteil: Seit Sommerbeginn 
haben Finanzinstitute reihenweise auf eine Untergewichtung von 
Dividendentiteln umgeschaltet, eine Welle, die bis vor kurzem 
anhielt. Die insgesamt eher skeptische Haltung ist auch angebracht. 
Denn das Umfeld ist auch jetzt nicht so, dass ein anhaltender 
Höhenflug zu erwarten wäre. Tatsächlich wird die Luft auf den 
erreichten Höhen doch merklich dünn.

   Die politischen Risiken haben deutlich nachgelassen, sind aber 
noch längst nicht vom Tisch. Wie das Brexit-Chaos ausgehen wird, 
entzieht sich jeder Prognose, so dass die damit einhergehenden 
ökonomischen Verwerfungen nach wie vor drohen. Und ob die jüngsten 
Entspannungssignale Vorboten einer nachhaltigeren Lösung im 
Handelskonflikt sind, ist noch unklar. Die Unsicherheit bleibt 
bestehen und damit auch die dadurch bedingte, für die sich 
abschwächende globale Konjunktur bedenkliche 
Investitionszurückhaltung.

   Überdies sind die positiven politischen Entwicklungen ebenso wie 
die massive globale geldpolitische Lockerungswelle mittlerweile 
zumindest ein gutes Stück weit in die Kurse eingearbeitet. Letztere 
hat Dividendentitel, was die relative Bewertung bzw. den Mangel an 
Anlagealternativen betrifft, in den zurückliegenden Monaten deutlich 
besser gestellt.

   Absolut gesehen sieht das Bild nun aber ganz anders aus. Seit 
Jahresbeginn hat der Dax um 18 Prozent zugelegt, während die 
Erwartungen an die Unternehmensgewinne deutlich zurückgegangen sind. 
Der Konsens geht mittlerweile von einem Rückgang der Gewinne der 
Dax-Unternehmen im laufenden Jahr um rund 3 Prozent aus, nachdem Ende
2018 noch ein Wachstum von etwas mehr als 10 Prozent erwartet worden 
war. Im Ergebnis ist das 2019er Kurs-Gewinn-Verhältnis des Dax seit 
Jahresbeginn von 11 auf beileibe nicht mehr günstige 14,5 gestiegen. 
Und es steht zu befürchten, dass die bald beginnende Berichtssaison 
den Abwärtstrend der Gewinnprognosen nicht stoppen kann.

   Allerdings werden sich die Blicke in den kommenden Wochen mehr und
mehr auf das kommende Jahr richten. Anlässlich der Vorlage der Zahlen
für das dritte Quartal werden sich die Unternehmen zu den Aussichten 
des nächsten Jahres äußern und sich dabei aller Wahrscheinlichkeit 
nach nicht gerade euphorisch geben. Derzeit erwartet der Konsens für 
das Jahr 2020 ein Wachstum der Dax-Unternehmensgewinne von nahezu 15 
Prozent. Damit ist absehbar, dass die Erwartungen für das nächste 
Jahr noch deutlich nach unten geschraubt werden. Für entsprechend 
wenig begeisternd halten Strategen die Aussichten des  Dax im 
nächsten Jahr. "Wir haben nur geringe Erwartungen an das Anlagejahr 
2020", so die DZ Bank. "Die Gewinnaussichten der deutschen 
Unternehmen haben sich insbesondere infolge des Handelsstreits der 
Trump-Administration mit China sowie der Sorgen rund um einen 
No-Deal-Brexit eingetrübt. Es ist nicht absehbar, dass sich die 
unruhige politische Gemengelage im kommenden Jahr schlagartig ändern 
wird und Unternehmer wieder deutlich eifriger neue Investitionen 
angehen werden."

   Noch könnte sich die Klettertour des Dax durchaus fortsetzen, etwa
durch einen Deal bzw. eine Art Waffenstillstand zwischen den USA und 
China im Handelskonflikt oder eine weitere Leitzinssenkung der Fed in
der neuen Woche. Dann dürfte aber allmählich das Ende der 
Fahnenstange erreicht werden.

OTS:              Börsen-Zeitung
newsroom:         http://www.presseportal.de/nr/30377
newsroom via RSS: http://www.presseportal.de/rss/pm_30377.rss2

Pressekontakt:
Börsen-Zeitung
Redaktion

Telefon: 069--2732-0
www.boersen-zeitung.de






© dpa-AFX 2019
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