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OTS: Börsen-Zeitung / Börsen-Zeitung: Bitcoin-Geblubber / Kommentar zur Rolle ...

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17.05.2019 | 19:03

    Börsen-Zeitung: Bitcoin-Geblubber / Kommentar zur Rolle der
Kyptowährungen von Dietegen Müller
   Frankfurt (ots) - Verdoppelung seit Ende März, dann in der Nacht 
auf Freitag ein Einbruch um über 20% und daraufhin eine Erholung  - 
die sogenannte Kryptowährung Bitcoin wird kaum als "safe asset" 
durchgehen. Weder für die rasante Aufwertung noch für den Flash Crash
finden sich triftige Gründe, auch wenn eine Reihe möglicher Ursachen 
in der Kryptoszene diskutiert wird. Dabei ist Bitcoin verglichen mit 
anderen sogenannten Kryptowährungen weniger volatil, schreibt die 
interne Kryptoasset-Arbeitsgruppe der Europäischen Zentralbank in 
einer aktuellen Studie. Die Volatilität von Bitcoin sei aber höher 
als die traditioneller Assetklassen wie Aktien, Anleihen und Bonds, 
und die Bitcoin-Blase 2017/18 war viel größer als historische Blasen 
wie die Südsee- oder die Tulpenmanie.

   Laut Ryan Rabaglia, Leiter Handel beim Hongkonger Broker OSL, ist 
der abrupte Einbruch am Freitag wohl nicht mit einer  Nachricht 
verbunden gewesen, sondern eher mit einer großen Verkaufsorder einer 
Einzelperson oder einiger weniger Anleger.  Außer  mangelnder 
Liquidität ist auch  die Marktintegrität ein Thema. Die 
Blockchain-Rechtsexpertin Nina Siedler, die im Board des neu 
gegründeten internationalen Verbands für vertrauenswürdige 
Blockchain-Lösungen (Inatba) sitzt, sieht diese derzeit nicht 
gegeben. "Selbst die Kryptobörsen betreiben munter Insiderhandel", 
sagt sie im Gespräch. Auch die US-Wertpapieraufsicht SEC hat 
wiederholt Bedenken hinsichtlich der Integrität der Kursbildung auf 
Bitcoin-Börsen geäußert. Dies war bisher auch der Grund, warum die 
SEC noch  kein börsengehandeltes Bitcoin-Produkt zugelassen hat.

   Der weit überwiegende Teil von Bitcoin-Transaktionen wird heute 
gegen den Dollar abgewickelt, gefolgt von Yen und Euro. Die 
chinesische Währung - einst die wichtigste - spielt seit dem dortigen
Verbot von Bitcoin-Börsen von 2017 keine Rolle mehr. Trotzdem gibt es
Marktteilnehmer, die den Anteil Chinas am Bitcoin-Markt auf  20% 
schätzen. Die Transaktionen dürften  über Chats abgewickelt werden, 
heißt es. Auch Meet-ups, also Treffen von Bitcoin-Interessierten, 
können dem Transfer von Vermögenswerten dienen. Gerade erst fand in 
New York die  Kryptowährungskonferenz Consensus statt, was da und 
dort als Grund für die Rally angeführt wird.

   Über anekdotische Korrelationen hinaus lassen sich aber in diesem 
intransparenten Markt kaum Fakten erhärten. Fundamentale Faktoren 
einer zugehörigen Volkswirtschaft oder die veränderte geldpolitische 
Stoßrichtung einer einzelnen Zentralbank existieren bei 
Kryptowährungen per Definition nicht, schreibt Sören Hettler von der 
DZ Bank in einer Einschätzung: "Vielmehr dürfte eine ganze Reihe von 
Entwicklungen der jüngeren Vergangenheit die Attraktivität des 
Segments wiederbelebt haben." Hierzu zählt Hettler politische 
Entwicklungen. So verzeichnete Bitcoin einen Kurssprung, nachdem 
US-Präsident Trump für die meisten Beobachter unerwartet die Anhebung
der Zölle auf Importe aus China verkündet und damit Hoffnungen auf 
eine baldige Einigung im Handelsstreit zunichtegemacht habe. Auch die
zunehmenden Spannungen zwischen den USA und Iran oder USA und 
Venezuela werden im Markt als mögliche Ursachen ins Feld geführt. In 
China wie auch Iran und Venezuela dürfte es sich um Kapitalflucht 
handeln, die das Ziel hat, an etablierte Hartwährungen zu gelangen.

   Es gibt aber auch Gründe, die auf einer legalen Verwendung von 
Bitcoin fußen. Immerhin gibt es die in einem 
Selbstregistrierungsprozess aufgelegten Bitcoin-Futures bei den 
US-Terminbörsen CME und CBOE, die auch Leerverkäufe ermöglichen. So 
wird gemunkelt, eine Eindeckungswelle von Shortsellern habe die Rally
angefacht.

   Durch den Einstieg etablierter Finanzadressen wie Fidelity in den 
Bitcoin-Markt könnte die limitierte Menge an Bitcoin zudem künftig 
stärker nachgefragt werden. Die Kryptobörse Gemini, die den 
Basisindex für den CBOE-Bitcoin-Future liefert, hat eine Kooperation 
mit Flexa bekannt gegeben. Über deren Spedn-App - zunächst nur in der
iOS-Umgebung - soll sich in den USA bei der Kaffeehauskette 
Starbucks, bei der Bio-Supermarktkette Wholefoods und der 
Videospielplattform Gamestop mit Bitcoin bezahlen lassen. Auch der 
Smartphone-Hersteller Samsung soll ein Krypto-Wallet anbieten wollen,
über das mit Bitcoin bezahlt werden könnte. Auch wenn Bitcoin keinen 
inneren Wert hat, reicht bereits die Vorstellung,  als Mittel für 
Tausch oder Kapitalflucht mehr Verwendung finden zu können, um einen 
Nachfrageschub nach dem digitalen Asset und damit eine Rally zu 
provozieren.

   (Börsen-Zeitung, 18.05.2019)

OTS:              Börsen-Zeitung
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Pressekontakt:
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Telefon: 069--2732-0
www.boersen-zeitung.de






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