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Makro-Briefing: Märkte fordern Federal Reserve – Risiken bleiben ausgeprägt.

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09.07.2019 | 11:31

Heute blicken die Finanzmärkte gebannt auf den Auftritt von Jerome Powell, dem Chef der US-Notenbank. Verunsicherung, in wie weit die US-Zentralbank die Zinszügel schleifen lassen wird, bestimmte seit der Veröffentlichung des auf ersten Blick positiven US-Arbeitsmarktberichts (im Widerspruch zum Pendant von ADP!) das Bild, denn insbesondere der Aktienmarkt braucht derzeit leicht enttäuschende Wirtschafts-daten, um die freundliche Verfassung zu konservieren. 

Das klingt absurd. Es ist absurd. So ist das, wenn man Aktienmärkte maßgeblich über den Diskontierungsfaktor der unterstellten Zinspolitik der Fed und der EZB und nicht durch eine Diskontierung der Skaleneffekte im Rahmen des Wirtschaftsumfelds bewegt.

Übrigens sind die Zinsen in den USA und in Europa weit unter dem fairen Niveau gemäß Taylor-Rule. Diese Anomalie wird von Märkten jedoch längst als Normalsituation realisiert. Dabei ist es eine erheblich schiefe Ebene. Wenn schiefe Ebenen noch schiefer werden müssen, um vermeintliches Gleichgewicht zu produzieren, ist das durchaus kritisch. Ähnlich verhält es sich angeblich bei Drogenmissbrauch. Wer einmal anfängt, muss die Dosis regelmäßig erhöhen, um den Wohlfühlfaktor zu erhalten.

Entspricht das heutige Marktverhalten noch der Marktfunktion nach Adam Smith im Rahmen der Diskontierung zukünftiger Cash-Flows (klassische Marktfunktion, antizipierend)? Das ist zu größten Teilen zu verneinen. Das Verhalten der entscheidenden Marktakteure ist durch zu viel Nähe zum politischen Establishment geprägt. Die Lehrstunde der letzten 20 Jahre lautet, dass Willfährigkeit am Finanzmarkt belohnt wird, nicht Antizipation der Zukunft. Damit hat der Markt seine klassische Warnfunktion und Korrektivfunktion für Politik und Wirtschaft eingebüßt.

Die Struktur an den Finanzmärkten, geprägt durch ein die US-Future-Märkte beherrschendes Bankenoligopol (circa sieben Banken) bietet eine Grundlage dafür. Mit wirklich freien Märkten hat diese Struktur bestenfalls wenig zu tun, denn der perfekte Markt setzt ein Polypol voraus (siehe auch „Working Group on Financial Markets“, Buch „Endlich Klartext“, Seiten 58 - 65).

Die Folgen sind am Ende tendenziell politische Preise, nicht Marktpreise. Waren politische Preise nicht Charaktermerkmale anderer Systeme vor 1990? Ist das gut gegangen? Wie selbstkritisch gehen wir eigentlich mit uns selbst um? Erkennen wir Nivellierung unserer Standards nicht mehr? Sind Werte, wie die Funktionalitäten der „Freien Märkte“, nur billige Worthülsen gegenüber Dritten, um sich diese Märkte zu erschließen oder sie zu dominieren?
Die Märkte fordern von Jerome Powell heute angemessene Verbalakrobatik, wir sind gespannt, ob er liefern wird. Grundsätzlich gehen wir davon aus.
 
Das handelspolitische Bild bleibt kritisch:

·      Der Handelskonflikt USA/China ist eingefroren, nicht gelöst.
·      Der Handelskonflikt USA/EU ist kurz vor der Eröffnung.
·      Die USA haben leichte Handelsscharmützel mit Indien und Vietnam begonnen.
·      Der Brexit, der volkswirtschaftlich für die Weltwirtschaft von untergeordneter Bedeutung ist, ist für die Region Europa sehr wohl signifikant.
Geopolitisch bestimmt jüngst Eskalation bezüglich Iran und China das Bild:
·      Iran: Urananreicherung über 3,67%, Verstoß gegen Abkommen.
·      US Sicherheitsberater Bolton: Wir werden Druck auf Iran erhöhen.
·      USA wollen Taiwan Panzer verkaufen (Eskalation China).
·      Ukraine: Eingefrorener Konflikt (zu lösen mit Russland und EU, ohne …)
·      Syrien: Eingefrorener Konflikt

Sowohl das handelspolitische als auch das geopolitische Umfeld zehren an den Kräften der Weltwirtschaft. Welchem „Freund“ verdanken wir eigentlich den Großteil dieser Dilemmata?
Wir sind für Antworten zugänglich!
 
Datenpotpourri:

Eurozone:                                 
Der Sentix-Index sank per Juli unerwartet von -3,3 auf -5,8 Punkte. Die Prognose lag bei +0,1 Zählern.

UK:
Der Umsatzwert im britischen Einzelhandel sank per Juni im Jahresvergleich um 1,6% nach zuvor 3,0%. 

Russland:
Die Verbraucherpreise waren per Juni im Monatsvergleich unverändert (Prognose 0,1%). Im Jahresvergleich stellte sich ein Rückgang von 5,1% auf 4,7% ein (Prognose 4,8%).

USA:
Der Index der Datenreihe „Employment Trends“ sank per Juni von 111,2 (revidiert von 111,6) auf 109,5 Punkte. Der Index markierte damit den tiefsten Wert seit Juni 2018.
Per Berichtsmonat Mai stiegen die US-Verbraucherkredite im Monatsvergleich um 17,09 Mrd. USD (Prognose 16.65 Mrd. USD) nach zuvor 17,46 Mrd. USD. Ohne dieses Schmiermittel sähe es im US-Konsum bitter aus. Das Volumen der Kredite markierte in neuen historischen Höchstwert bei 4088 Mrd. USD! Chapeau! 



Zusammenfassend ergibt sich ein Szenario, das den Euro gegenüber dem USD favorisiert. Ein Unterschreiten der Unterstützungszone 1.1100 – 30 negiert den positiven Bias des Euros.

Viel Erfolg!

Gastbeitrag von Folker Hellmeyer, Chefanalyst SOLVECON INVEST

www.solvecon-invest.de

Herr Hellmeyer hat am Finanzmarkt ursprünglich als Devisenhändler begonnen. Für Deutsche Bank und Helaba war er in Hamburg, London und Frankfurt tätig. Von 2002 bis 2017 war Herr Hellmeyer Chefanalyst der Bremer Landesbank und hat mit klaren Worten die Entwicklungen an den Börsen und im Finanzmarkt­geschehen kommentiert.


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