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Börse Frankfurt-News: Anleihen: Anleger weiter sehr vorsichtig

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15.05.2020 | 16:33

FRANKFURT (DEUTSCHE-BOERSE AG) - 15. Mai 2020. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Bundesanleihen sind durch die Diskussion

um das Urteil des Bundesverfassungsgerichts und die wieder gestiegenen Sorgen über

die wirtschaftlichen Folgen von Corona gefragt. Bei Unternehmensanleihen macht sich

unterdessen die Krise bemerkbar.

Entspannung ist im Anleihenhandel nicht in Sicht, ­dazu bleibt die Nachrichtenlage zu

belastend: Am heutigen Freitag meldet das Statistische Bundesamt für Deutschland

einen BIP-Rückgang von 2,2 Prozent im ersten Quartal, die Bundesregierung rechnet

für das Gesamtjahr 2020 mit der schwersten Rezession der Nachkriegsgeschichte. "Die

Leute sind weiter sehr vorsichtig", berichtet Gregor Daniel von der Walter Ludwig

Wertpapierhandelsbank. Daher bleiben die "sicheren Häfen" gefragt: Die Rendite der

zehnjährigen Bundesanleihe liegt weiter bei niedrigen minus 0,54 Prozent.

"EZB-Maßnahmen dürften in Zukunft häufiger infrage gestellt werden"

Bei europäischen Staatsanleihen steht weiterhin das Urteil des

Bundesverfassungsgerichts im Fokus, wie Anleiheanalyst Cem Keltek von der

Commerzbank erklärt. Da Investoren zunehmend auf einen Kompromiss setzten, seien die

Risikoaufschläge italienischer Staatsanleihen aber wieder auf das Niveau von vor dem

Urteil zurückgekehrt. "Allerdings hat das Bundesverfassungsgericht mit seinem Urteil

die Schwachstellen der Währungsunion schonungslos offengelegt", meint Keltek. Als

Folge dürften in Zukunft Maßnahmen der EZB häufiger infrage gestellt werden. Vor

allem das PEPP-Programm (Pandemic Emergency Programme) werde wohl weitere Kritik

hervorrufen.

Das Pandemic Emergency Purchase Programme (PEPP), verkündet vom EZB Rat am 18. März

2020 in Reaktion auf die Corona-Krise, ist ein temporäres Ankaufprogramm in Höhe von

750 Milliarden Euro für Anleihen öffentlicher und privater Schuldner. Anders als bei

den bisherigen Anleihekäufen ist es nun auch möglich, dass eine Notenbank insgesamt

mehr als ein Drittel der Staatsanleihen eines Eurolandes aufkauft. Auch

Schuldverschreibungen mit einer kurzen Laufzeit von 70 Tagen dürfen nun gekauft

werden, bislang lag die Untergrenze bei einem Jahr.

Unternehmensanleihen: Schlechte Zahlen, schlechte Kursentwicklung

Die Welle an schlechten Unternehmenszahlen führt bei vielen Corporate Bonds zu

Abgaben. "Die Konjunktursorgen dürften auch die Erholung der bisher recht

widerstandsfähigen Investment Grade-Unternehmensanleihen in Euro infrage stellen",

vermutet die Commerzbank.

Erneut unter Druck gerieten laut Daniel in dieser Woche ThyssenKrupp-Anleihen nach

Veröffentlichung enttäuschender Zahlen für das zweite Quartal 2019/2020. Die Rendite

der bis November 2020 laufenden Anleihe mit Kupon von 1,75 Prozent (WKN A14J57)

liegt am Freitagmorgen bei 7,55 Prozent, die der bis Februar 2024 laufenden mit

2,875 Prozent (WKN A2TEDB) bei 7,6 Prozent. Anleger verkaufen ebenfalls die bis 2026

laufende Areal-Anleihe, die aktuell mit 4,44 Prozent rentiert (WKN A1TNC9), und

greifen zu bei Papieren von Symrise (WKN SYM772). Diese sind 2025 fällig bei einer

aktuellen Rendite von 1,32 Prozent.

Einzelhandelsanleihen lassen Federn

Auch die miserablen Zahlen aus dem deutschen Einzelhandel sind am Anleihemarkt

spürbar. Am heutigen Freitag geraten Bonds des Modediscounters Takko unter die

Räder, wie Rainer Petz von Oddo Seydler meldet. Sowohl ein 2023 fälliger Floater

(WKN A19RD4) als auch eine bis 2023 laufende Anleihe mit Kupon von 5,375 Prozent

(WKN A19RD5) gaben kräftig nach. "Das wirkt sich auch negativ auf Anleihen anderer

Einzelhändler aus, etwa Douglas."

"Emissionslawine" setzt sich fort

Der hohe Finanzierungsbedarf der Unternehmen sorgt weiter für eine rege

Emissionstätigkeit: Neues kommt zum Beispiel von Daimler: Der Autobauer hat eine

zehnjährige Anleihe mit Kupon von 2,375 Prozent (WKN A289XG) auf den Markt gebracht.

"Die wäre uns vor Corona noch aus den Händen gerissen worden, jetzt gibt es kaum

Nachfrage", stellt Daniel fest. "Zehn Jahre sind in Zeiten, in denen man nicht

einmal die nächsten Wochen planen kann, einfach zu lang."

Auch viele andere große deutsche Unternehmen waren aktiv, etwa Eon und die Deutsche

Bank. Petz berichtet von drei neuen Eon-Bonds über insgesamt 2 Milliarden Euro.

Davon entfallen 500 Millionen Euro auf eine grüne Anleihe. Der Energieversorger

bietet für drei Jahre 0,375 Prozent, für acht Jahre 0,75 Prozent und für elf Jahre

mit der grünen Anleihe 0,875 Prozent.

Analyst Keltek spricht von einer "Emissionslawine" und geht davon aus, dass sich

diese wegen des unverminderten Liquiditätsbedarfs der Unternehmen fortsetzen wird.

"Das dürfte der Fall sein, solange sich die Stimmung die Nachfrage nicht so stark

verschlechtert, dass die Anleihen nicht mehr abgesetzt werden können."

von: Anna-Maria Borse

15. Mai 2020, © Deutsche Börse AG

(Für den Inhalt der Kolumne ist allein Deutsche Börse AG verantwortlich. Die Beiträge sind keine Aufforderung zum Kauf und Verkauf von Wertpapieren oder anderen Vermögenswerten.)

Im Artikel erwähnte Wertpapiere
%Kurs01.01.
COMMERZBANK AG 4.69%4.554 verzögerte Kurse.-17.46%
DAIMLER AG 1.45%36.675 verzögerte Kurse.-25.71%
DAX 1.16%12633.71 verzögerte Kurse.-4.64%
DEUTSCHE BANK AG 2.45%8.825 verzögerte Kurse.27.58%
SYMRISE AG 0.24%106.4 verzögerte Kurse.13.43%
THYSSENKRUPP AG 3.57%6.504 verzögerte Kurse.-45.98%

© dpa-AFX 2020
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