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BME Bundesverband Materialwirtschaft Einkauf un : „Das Rezessionsrisiko ist nicht zu vernachlässigen“

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13.09.2019 | 17:18

BME: Ist der einsetzende Abschwung mehr als nur eine Delle?
Dr. Holger Schmieding:
Deutschland steht am Rande einer Stagnation. Die Industrie befindet sich seit vergangenem Sommer in einer Rezession. Dagegen hält sich das Dienstleistungsgewerbe gut; auch das Baugewerbe ist weiterhin stark. Das Rezessionsrisiko für die Gesamtwirtschaft ist zwar gering, aber dennoch nicht völlig zu vernachlässigen. Wir sollten allerdings zwei verschiedene Sachverhalte unterscheiden: Das eine ist die kurzfristige Konjunktur. Sie wird durch Ereignisse außerhalb Deutschlands geprägt. Dazu zählen beispielsweise die von US-Präsident Donald Trump geführten Handelskriege, der Brexit und die Konjunkturschwäche Chinas. Diese Themen belastet unsere weltoffene Wirtschaft derzeit erheblich. Das andere ist der langfristige Trend. Er wird durch politische Entscheidungen in Deutschland geprägt. Dieser Trend ist weiterhin positiv. Das heißt: 'Trotz der kurzfristigen Konjunktursorgen sind die fetten Jahre noch nicht vorbei.' Es zeigt sich aber auch, dass die Wirtschaftspolitik langsam weniger wachstumsfreundlich wird. So wurden beispielsweise einige Reformen der Agenda 2010 abgemildert oder sogar zurückgedreht. Die Politik versteift sich wieder mehr auf das Verteilen sozialer Wohltaten, statt die Wachstumskräfte zu stärken. In der kommenden Dekade dürfte es deshalb unabhängig von der kurzfristigen Konjunktur in Deutschland nicht mehr ganz so gut laufen wie in diesem Jahrzehnt. Im Sinne dieses längerfristigen Trends sind die fetten Jahre zwar noch nicht vorbei, aber das Beste haben wir vermutlich bald hinter uns.

Ist die Stimmung in der Wirtschaft mieser als die tatsächliche Lage?
Die Stimmung ist derzeit tatsächlich schlechter als die Realität. Auch wenn es an Neuaufträgen zum Teil mangelt, sind die Auftragsbücher der meisten Unternehmen weiterhin gut gefüllt. Sollte die gedrückte Stimmung allerdings anhalten, wird sie spätestens im Winter die Wirtschaftslage stärker prägen. Für das kommende Jahr sagen wir derzeit ein BIP-Wachstum in Höhe von 1,0 Prozentpunkt voraus. Wir erwarten, dass sich die Stimmung in der Wirtschaft noch in diesem Herbst stabilisiert und sich ab Anfang 2020 etwas bessert. Bei einigen außenwirtschaftlichen Risiken, beispielsweise in der chinesischen Konjunktur, ist eine gewisse Entspannung erkennbar. Allerdings belasten das Risiko eines harten Brexits und vor allem die von den USA geschürten Handelsspannungen weiterhin den Ausblick. Sollten diese Risiken voll eintreten, statt etwas abzuflauen, könnte das Wachstum 2020 sogar noch schwächer ausfallen.

Wie lange noch kann der weiter solide wachsende Servicesektor die anhaltende Talfahrt der deutschen Industrie, wenn nicht aufhalten, so zumindest bremsen?
Das langsame Bröckeln der Stimmung und Lage in den starken Wirtschaftsbereichen dürfte vorerst weitergehen. Das Ende der Fahnenstange könnte Ende dieses Jahrs erreicht sein, wenn die Stimmung in der Industrie und der Auftragseingang gedämpft bleiben. Dann würde die industrielle Rezession langsam auf weitere Bereiche der Wirtschaft übergreifen. Bei den industrienahen Dienstleistungen ist das bereits jetzt zu beobachten. Allerdings sehen wir gute Chancen, dass die Stimmung der Industrie in der Eurozone sich etwa zum Jahresende wieder etwas aufhellen könnte.

Die Industrie im Euroraum steckt weiter in der Rezession. Ist eine Trendwende in Sicht?
Wir hoffen auf kräftigere Wachstumsimpulse von der chinesischen Volkswirtschaft im Herbst und Winter. Gleichzeitig setzen wir darauf, dass sich der Handelsstreit zwischen den USA und China durch den Abschluss eines bilateralen Teilabkommens wenigstens teilweise entspannt. Damit könnte das Risiko eines harten Brexits dann ausgeglichen werden. Mit etwas Glück könnte uns sogar der harte Brexit noch erspart bleiben. Allerdings sind das alles Hoffnungswerte. Wenn es anders kommt, bliebe auch die Industrie der Eurozone weiter auf Talfahrt.

Wie gefährlich könnte eine Rezession Chinas für die Global Economy werden?
Die chinesische Wirtschaft befindet sich im Umbruch, steht aber nicht am Rande einer Rezession. Die größte Volkswirtschaft Asiens ist zwar vor spürbaren Einbußen in Industrie und Außenhandel nicht gefeit. Aber die Regierung in Beijing hat genügend Möglichkeiten, einem möglichen Abschwung entgegenzuwirken und ihn gegebenenfalls abzufedern. Da die Investitionsdynamik nachgelassen hat und der Außenhandel unter dem Handelskrieg mit den USA leidet, werden dort zurzeit bereits Teile der Binnennachfrage staatlich gestützt. Notfalls würde Beijing weitere Konjunkturprogramme auflegen. Deshalb dürfte China auf absehbare Zeit nicht in die Rezession abrutschen. Allerdings kann das Reich der Mitte auch nicht länger die große Konjunkturlokomotive für die Weltwirtschaft sein. Dafür hat China ein zu großes Kreditproblem. Bemerkenswert ist, dass die Wirtschaft zwar wächst - wenn auch weniger als früher -, gleichzeitig aber die Einfuhren des Landes derzeit zurückgehen. Ich rechne damit, dass die chinesischen Importe und damit auch die deutschen Ausfuhren in die Volksrepublik bis zum Jahresende wieder besser aussehen als jetzt.

China will seine Seltenen Erden im Handelsstreit mit den USA als politische Waffe einsetzen. Könnte auch Deutschland darunter leiden?
Darin sehe ich durchaus eine hypothetische Gefahr für uns. Sollte China tatsächlich die Ausfuhr Seltener Erden in die USA weitgehend einstellen, hätten angesichts global vernetzter Lieferketten und der Bedeutung amerikanischer Technologieprodukte, für die Seltene Erden gebraucht werden, auch wir ein Problem. Allerdings halte ich die Wahrscheinlichkeit für sehr gering, dass China diese Waffe einsetzt. Das Land würde sich selbst damit am meisten schaden. Seit einiger Zeit werden in anderen Teilen der Welt wieder vermehrt neue Förderstätten erschlossen. Damit sinkt die Abhängigkeit der Weltwirtschaft von den chinesischen Hightech-Rohstoffen langsam, aber stetig. Zwar könnte die politische Führung in Beijing kurzfristig ihre Marktmacht ausspielen. Das träfe uns hart. Langfristig betrachtet würde es aber die Möglichkeit Chinas, mit Seltenen Erden Geld zu verdienen, erheblich einschränken.

*Das Interview führte Frank Rösch, BME

BME - Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik e.V. veröffentlichte diesen Inhalt am 13 September 2019 und ist allein verantwortlich für die darin enthaltenen Informationen.
Unverändert und nicht überarbeitet weiter verbreitet am 13 September 2019 15:17:03 UTC.

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