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Auftragseinbruch in der Industrie - "Fast schon im freien Fall"

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04.04.2019 | 08:55
Steel rolls are pictured at the plant of German steel company Salzgitter AG in Salzgitter

Berlin (Reuters) - Die Sorgen um die deutsche Konjunktur werden angesichts der zunehmenden Schwäche der Industrie immer größer.

Die exportabhängige Branche musste im Februar wegen der schwachen Auslandsnachfrage überraschend den stärksten Auftragseinbruch seit mehr als zwei Jahren hinnehmen. Die Bestellungen fielen um 4,2 Prozent zum Vormonat, wie das Bundeswirtschaftsministerium am Donnerstag mitteilte. Von Reuters befragte Ökonomen hatten hingegen einen Zuwachs von 0,3 Prozent erwartet. Bereits im Januar waren die Aufträge um 2,1 Prozent gesunken. "In den kommenden Monaten ist insbesondere wegen fehlender Auslandsnachfrage weiterhin mit einer verhaltenen Industriekonjunktur zu rechnen", sagte das Ministerium voraus. Die maue Weltkonjunktur, Handelskonflikte und der Brexit belasten derzeit.

Ökonomen zeigten sich von der Abwärtsdynamik überrascht. "Die Daten sind eine herbe Enttäuschung", sagte Andreas Scheuerle von der DekaBank. "Wieder einmal ist es die Weltwirtschaft, die die deutsche Industrie in die Knie zwingt. Der Umschwung der globalen Konjunktur ist extrem und geht vor allem von der Region Asien aus." Jens-Oliver Niklasch von der LBBW sprach von einem herben Rückschlag: "Die Industriekonjunktur ist wohl schon fast im freien Fall." Ein Gutteil davon dürfte auch auf die hohe Unsicherheit in Sachen Brexit zurückgehen. Zu welchen Konditionen Großbritannien - einer der deutschen Top-Handelspartner - aus der EU ausscheidet, ist immer noch unklar.

HOFFEN AUF CHINA

Hoffnung auf eine Trendwende macht manchem Experten die Entwicklung in China. "Die Auftragseingänge signalisieren einen klaren Abschwung", sagte der Chefvolkswirt der VP Bank, Thomas Gitzel. "Wie lange dieser anhält, hängt jetzt auch entscheidend davon ab, wie lange es dauert, bis die von der chinesischen Regierung initiierten Konjunkturmaßnahmen auch auf dem hiesigen Kontinent ihre positive Wirkung entfalten." China hat beispielsweise die Mehrwertsteuer gesenkt und Milliardeninvestitionen in die Infrastruktur angekündigt. Die Volksrepublik ist Deutschlands wichtigster Handelspartner.

Die führenden Forschungsinstitute haben Insidern zufolge ihre Prognose für das Wirtschaftswachstum in Deutschland mehr als halbiert. In diesem Jahr sei nur noch mit einem Plus von 0,8 Prozent zu rechnen, sagten zwei mit dem Gutachten vertraute Person der Nachrichtenagentur Reuters. Die Prognose für 2020 bleibe dagegen unverändert bei 1,8 Prozent. Die Forscher wollen ihr Frühjahrsgutachten im Tagesverlauf offiziell vorlegen. Im Herbst hatten die Institute noch einen Anstieg des Bruttoinlandsproduktes (BIP) in diesem Jahr von 1,9 Prozent veranschlagt.

Die Industrieaufträge aus dem Inland fielen im Februar um 1,6 Prozent, die Auslandsaufträge verringerten sich sogar um 6,0 Prozent. Dabei schrumpften die Bestellungen aus den Ländern außerhalb der Euro-Zone mit 7,9 Prozent besonders deutlich.

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