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Aktien Frankfurt Schluss: Dax konsolidiert im Zuge der Virusangst

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23.01.2020 | 17:53

FRANKFURT (dpa-AFX) - Die Anleger am deutschen Aktienmarkt sind am Donnerstag weiter in die Defensive gegangen. Der Dax knüpfte mit einem Abschlag von 0,94 Prozent auf 13 388,42 Punkte an seine Schwäche vom Vortag an, wobei der Abgabedruck im Tagesverlauf mit den schwach gestarteten US-Börsen zunahm. Auch für den MDax ging es im Schlepptau des großen Indexbruders um fast 1 Prozent auf 28 480,53 Zähler bergab.

Aus Sicht von Börsianern befindet sich der Dax seit seinem am Mittwochmorgen erreichten Rekordhoch auf einem Konsolidierungskurs. "Nun beschert die Causa Coronavirus den Investoren zusätzliche Verkaufsargumente", argumentierte Marktexperte Andreas Lipkow von der Comdirect Bank. Anleger sorgen sich vor wirtschaftlichen Folgen der Lungenkrankheit für das Wachstum in China und damit auch in anderen Teilen der Welt.

In einem beispiellosen Schritt schottete China am Donnerstag wegen der Ausbreitung des Coronavirus mehrere Großstädte von der Außenwelt ab, darunter die von der Krankheit besonders schwer betroffene 11-Millionen-Metropole Wuhan. Flüge, Züge, Fähren, Fernbusse und der öffentliche Nahverkehr wurden gestoppt und die Ausfallstraßen nach und nach gesperrt.

In New York kam am Donnerstag als Belastung hinzu, dass die dort auf Touren kommende Berichtssaison der Unternehmen dieses Mal mehr Schatten als Licht zu bieten hatte. Der Zinsentscheid der Europäischen Zentralbank (EZB) mit einer angekündigten Überarbeitung der geldpolitischen Strategie wurde am Aktienmarkt nicht als Kurstreiber angesehen.

Unter den Einzelwerten ließ sich Infineon von einem allgemein positiven Branchentrend bei Chipwerten mitziehen. Im Windschatten erfreulicher Geschäftszahlen von STMicroelectronics mischte sich der Chipkonzern mit einem Plus von 0,8 Prozent unter die wenigen Gewinner im deutschen Leitindex Dax. Die Papiere des Konkurrenten waren in Paris sogar um mehr als 6 Prozent in die Höhe geschnellt.

Noch besser lief es am Donnerstag vor allem für die Aktionäre von Wirecard mit einem Anstieg um 4,2 Prozent. Gut an kommt hier neuerdings die Überlegung des Zahlungsdienstleisters, im Zuge immer wieder aufkeimender Vorwürfe zu den Bilanzierungspraktiken seine Führungsgremien personell aufzustocken. Die Aktie schaffte es erstmals seit drei Monaten wieder knapp über die 200-Tage-Durchschnittslinie, die unter Börsianern als Indikator für den langfristigen Trend gilt.

Am unteren Ende des deutschen Leitindex lagen die Papiere des Autozulieferers Continental, die nach einer Abstufung durch die US-Bank Citigroup um 3,4 Prozent abrutschten. Analyst Gabriel Adler verwies dabei auf die derzeitige Realität einer Welt mit niedrigem Wachstum. Er glaubt, dass Reifenhersteller für einen zyklischen Abschwung nicht immun sind.

Im MDax brockte eine Ergebnisbelastung infolge des geplanten Ausstiegs der australischen Tochter Cimic aus dem Nahost-Geschäft den Anlegern des Baukonzerns Hochtief ein Kursminus von rund 8 Prozent ein. Die Aktie war damit im Index mittelgroßer Werte das abgeschlagene Schlusslicht.

Zweitgrößter MDax-Verlierer wurden die zuletzt rekordhohen Papiere von Nemetschek infolge einer kritischen Studie der Baader Bank, auch wenn sie ihren Abschlag von in der Spitze fast 8 Prozent am Ende auf knapp 5 Prozent reduzieren konnten. Laut Analyst Knut Woller dürfte der auf die Baubranche spezialisierte Softwareentwickler künftig einem schwächeren Marktumfeld Tribut zollen.

International schlossen sich die Börsenplätze der Schwäche beim Dax an. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 fiel um 0,87 Prozent auf 3736,85 Punkte. In Paris und London verloren die Leitindizes 0,65 respektive 0,85 Prozent. In New York stand der Dow Jones Industrial zum europäischen Handelsschluss mit etwa einem halben Prozent im roten Bereich.

Die Kurse deutscher Bundesanleihen stiegen. Die Umlaufrendite fiel im Gegenzug von minus 0,28 Prozent am Vortag auf minus 0,30 Prozent. Der Rentenindex Rex legte um 0,12 Prozent auf 144,14 Punkte zu. Der Bund-Future rückte um 0,38 Prozent auf 173,02 Punkte vor.

Der Euro gab nach dem Zinsentscheid der EZB merklich nach. Zuletzt wurde die Gemeinschaftswährung mit 1,1041 US-Dollar auf dem tiefsten Stand seit Anfang Dezember gehandelt. Die EZB hatte den Referenzkurs zuvor noch deutlich höher mit 1,1091 (Mittwoch: 1,1088) Dollar festgesetzt. Der Dollar kostete damit 0,9016 (0,9019) Euro./tih/he

--- Von Timo Hausdorf, dpa-AFX ---

Im Artikel erwähnte Wertpapiere
%Kurs01.01.
CIMIC GROUP LIMITED 0.44%27.51 Schlusskurs.-17.35%
CITIGROUP INC. -0.27%78.79 verzögerte Kurse.-1.38%
COMDIRECT BANK AG 0.43%14.06 verzögerte Kurse.7.69%
DAX 0.29%13783.89 verzögerte Kurse.3.74%
DJ INDUSTRIAL -0.09%29398.08 verzögerte Kurse.3.01%
EURO STOXX 50 0.32%3853.27 verzögerte Kurse.2.71%
HOCHTIEF -0.53%112.2 verzögerte Kurse.-0.79%
INFINEON TECHNOLOGIES AG -1.55%22.22 verzögerte Kurse.11.13%
MDAX 0.35%29316.34 verzögerte Kurse.3.19%
NASDAQ 100 0.29%9623.580482 verzögerte Kurse.9.88%
NASDAQ COMP. 0.20%9731.17573 verzögerte Kurse.8.40%
NEMETSCHEK SE 0.83%67.2 verzögerte Kurse.13.35%
S&P 500 0.18%3380.16 verzögerte Kurse.4.62%
STMICROELECTRONICS -2.59%28.2 Realtime Kurse.20.78%
WIRECARD AG -2.02%136.1 verzögerte Kurse.29.21%

© dpa-AFX 2020
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